Viel Beifall und Standing Ovations für die Blasmusik

Eine alte Tradition neu aufleben lassen: Das erste Neujahrskonzert für Schönmattenwag stieß in der katholischen Kirche Johannes der Täufer auf viel Interesse. Die Blasmusik Schimmeldewog unter der Leitung von Christian Schuppel hatte die Gäste zu einem bunten Potpourri unterhaltsamer Melodien eingeladen. Klänge aus dem Barock, Musik von Jacob de Haan, Musicals oder Balladen: Es war in dem eineinhalbstündigen Konzert einfach für jeden etwas dabei.

Mindestens genauso lange wie die Veranstaltung selbst dauerte die „After-Show-Party“, bei der Musiker und Besucher bei dem einen oder anderen Glühwein gemütlich miteinander verweilten, das alte Jahr Revue passieren ließen und sich über die kommenden zwölf Monate austauschten. Durch das Programm führte gewohnt eloquent Donat Skroch, der Wissenswertes zu den einzelnen Stücken mitgebracht hatte.

Das Publikum wusste den unterhaltsamen Querschnitt von verschiedenen Stilrichtungen und Epochen zu würdigen. Viel Beifall und Standing Ovations zum Schluss sprachen für sich. Auch optisch machte das Orchester im Kirchenschiff einiges her, vom besonderen Hall im Gotteshaus ganz zu schweigen. Es war das erste Konzert, das Dirigent Christian Schuppel seit seiner Übernahme des Klangkörpers vor eineinhalb Jahren komplett alleine auf die Beine gestellt hatte.

Gänsehautfeeling gab es bei der „Carmina Burana“, dem Titel einer Kantate von Carl Orff. Die Blasorchester-Instrumente verwandelten die Töne in eigene magische Bilder von der Fragwürdigkeit materieller Werte und der Flüchtigkeit des Lebens. Die Musik war von einer Intensität, „dass es mir eiskalt den Rücken runtergelaufen ist“, meinte Moderator Skroch.

Ähnlich eindrucksvoll gestaltete sich das letzte reguläre Stück des Abends, „Any Dream Will Do“. Andrew Lloyd Webber und Tim Rice komponierten „Wie vom Traum verführt“ für „Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat“ von 1968. Es ist Anfang und Schlusslied des Musicals. Die äußerst frei interpretierte biblische Erzählung von Joseph und seinen elf Brüdern ist ein spaßiger Trip durch drei Jahrzehnte Musikgeschichte mit rockendem Pharao, Flower-Power-Guru und Technobeats.

Natürlich war danach noch nicht Schluss. „Thank you for the music“ von Abba zeigte die Blasmusik noch einmal auf der Höhe ihres Schaffens. Die Musiker bewiesen mit ihrem Schaffen ein sehr hohes Niveau für den kleinen Ort. Sie wurden bei ihrem Spiel inspiriert vom Feedback des Publikums, das immer wieder sein Wohlwollen zum Ausdruck brachte, was natürlich die Darbietenden motivierte.

Mit „Alla Hornpipe“ aus Händels Wassermusik eröffnete die Kapelle. Der lebhafte Tanz machte gleich Lust auf mehr. Anlass für die Komposition war eine Bootsfahrt auf der Themse, die König Georg I. 1717 veranstaltete. „Der Popstar des Barocks: Georg Friedrich Händel“, meinte Skroch augenzwinkernd.

Beim „Golden Pass“ von Jacob de Haan ratterte ein Panorama-Zug durch die Kirche. Denn der Titel bezieht sich auf eine exklusive Panorama-Zuglinie, die durch die Schweizer Alpen von Montreux nach Luzern führt. Vor dem geistigen Auge flogen am Fenster weidende Kühe auf saftig grünen Wiesen, traditionelle Chalets, wunderschöne Bergseen, Wasserfälle und beeindruckende Berggipfel vorbei.

Sie zählt zu den viel gespielten Opern Händels: „Xerxes“, die nicht zuletzt wegen der Arie „Ombra mai fu“ berühmt geworden ist. Nach ihrer Uraufführung zuerst ein vollkommener Misserfolg, wurde das Stück „Largo“ von 1738 dann „das“ sentimentale Trauerlied des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Enrico Carusos Aufnahme von 1920 ist unvergessen. Joseph Kanz´ Bearbeitung für Blasorchester enthält alles, was diese Musik so besonders macht: ausgesprochene Schlichtheit, attraktive Melodielinie und verblüffend ausdrucksvolle Klangfülle.

Mit dem weltbekannten Barock-Kanon von Johann Pachelbel ging’s in die zweite Hälfte. Warum es als eines der populärsten klassischen Musikstücke gilt, zeigte sich beim klangvollen Spiel der Blasmusik. Wie sich das Orchester immer mehr in der Melodie verfängt, die einzelnen Aspekte herausstellt und schließlich nach ruhigem Intermezzo zum schönen Finale emporschwingt, hat schon was. „Children of the World“, eigentlich ein Lied der Bee Gees von 1976, passt in der Bearbeitung André Waignein, eigentlich in jedes Konzert. Denn alle Kinder dieser Welt sehnen sich nach Frieden.

Ob der „Song of Liberation“ von Jacob de Haan über die Befreiung Europas am Ende des Zweiten Weltkrieges, „Una Furtiva Lagrima“ aus der Oper „Liebestrank“ von Gaetano Donizetti oder „You’ll Never Walk Alone“ von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein II aus dem Broadway-Musical „Carousel“: Das Ensemble bewies sein Können auf allen Feldern der Musik.

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