Mit 24 leitet er die Schreinerei: Moritz Schumacher ist einer der jüngsten Betriebsinhaber im Odenwald

Wie wird man als 24-Jähriger Geschäftsführer einer Schreinerei? „Man muss sich trauen, etwas zu machen“, sagt Moritz Schumacher lapidar. Der Aschbacher hat zu Jahresbeginn die Führung des Betriebs im Oberzent-Stadtteil von Jürgen Bellut übernommen, nachdem er diesem bereits zwei Jahren als gleichberechtigter Geschäftsführer zur Seite stand. Ohne den Spaß an der Sache geht es nicht, betont der 24-Jährige. Und natürlich das Engagement: „Voll reinhängen“ heißt die Devise. Mit dieser Einstellung dürfte Schumacher einer der jüngsten Schreinerei-Inhaber im Odenwald sein.

Der Weg dahin war für ihn zwar nicht unbedingt vorgezeichnet, aber doch ziemlich passgenau. „Das ist genau der richtige Beruf“, hebt der Meister hervor. Er werkelte schon früh gern mit Holz herum. „Ich habe schon mit zehn Jahren angefangen zu basteln“, lacht der Schreinermeister. In einem Bauwagen am elterlichen Haus legte er mit diversem Kleinwerkzeug früh los. Die daraus entstandenen Holzarbeiten verkaufte er in der ersten Zeit zusammen mit dem Großcousin auf dem Weihnachtsmarkt.

Während seiner Ausbildung stellte sich der 24-Jährige so gut an, dass ihn Inhaber Jürgen Bellut bereits im dritten Lehrjahr fragte, „ob ich nicht den Betrieb in der Zukunft mal übernehmen will“. Der 58-jährige Firmenchef erkannte früh das Potenzial seines Azubis. Dass der Chef den richtigen Riecher hatte, bewies sich in der Prüfung. Die schloss der Azubi als Innungsbester seines Jahrgangs ab. Sein Meisterstück 2016 (wieder als Jahrgangsbester) war ein Tischkicker aus Nussbaum und Ahorn für den er 450 Stunden an Planungs- und Bauzeit benötigte.

Diese Prüfung sieht Schumacher als sehr wichtig an. „Ich habe vieles gelernt.“ Handwerkskammer sowie die Wirtschaftsförderung des Kreises Bergstraße und des Odenwaldkreises standen ihm dann bei der Betriebsübernahme zur Seite. Miet- und Stromverträge, Businessplan, Altersversorge: „Da ist viel mehr hintendran als gedacht“, schmunzelt er. Der 24-Jährige stellte sich geschickt an: Beim Gründerwettbewerb Bergstraße-Odenwald holte der Aschbacher im vergangenen Jahr den Hauptpreis in der Kategorie „Klassische Gründungen und Unternehmensnachfolge“.

Der Sprung in die Selbstständigkeit war schon immer sein Ding. „Ich wollte nach der Ausbildung nicht unbedingt studieren“, erzählt Schumacher. Allerdings hätte er nicht erwartet, „dass es so schnell geht“, lacht der 24-Jährige. Die gute Chemie zwischen Bellut und ihm machte vieles einfacher. Es passte beruflich und menschlich, sagt der neue Chef. Natürlich kam dem 24-Jährigen zupass, dass er nicht groß suchen musste, „sondern mir einiges in den Schoß fiel“.

Vor über 30 Jahren gründete Jürgen Bellut seine Schreinerei in Heppenheim, vor etwas mehr als acht Jahren zog er damit in den Odenwald. Drei Lehrlinge und ein Geselle sind derzeit in dem florierenden Betrieb tätig. Im April kommt ein weiterer junger Schreinermeister aus Airlenbach hinzu. „Heutzutage muss man den Mitarbeitern was bieten, damit sie bleiben“, weiß Moritz Schumacher. Es ist nicht mehr so einfach wie früher, als jeder einfach nur froh war, einen Job zu haben. Eine gewisse Flexibilität bei der Arbeitszeitgestaltung mit Rücksicht auf die Familienverhältnisse sieht er als wichtig an.

Schumacher kann sich nicht vorstellen, nur im Büro tätig zu sein, genießt aber auch die Abwechslung, nicht nonstop in der Werkstatt zu stehen. Derzeit allerdings muss er oft am Schreibtisch sitzen. „Im letzten halben Jahr hat das deutlich zugenommen.“ Er hofft aber, ein paar Aufgaben weitergeben zu können, wenn der Kollege aus der Nachbarschaft im April dazustößt.

Was rät der Schreinereichef interessierten Jugendlichen? „Erst einmal ein Praktikum oder eine Ausbildung machen“, so Schumacher. Zwischendurch mal woanders reinschnuppern kann ebenfalls sinnvoll sein. „Wann man seinen Meister macht, ist eigentlich Typsache“, erläutert er. „Mir hat es gutgetan, es gleich zu machen“, so Schumacher. Er konnte gut mit anderen mithalten, „die schon seit fünf oder zehn Jahren Geselle waren“.

Der Begriff „Verantwortung übernehmen“ ist für ihn jetzt greifbar. Als Angestellter „geht man nach Feierabend einfach nach Hause“, meint Schumacher. In der Führungsposition rattert der Kopf etwas mehr. Wenn etwas nicht rund laufen sollte, „nehme ich das im Kopf jetzt schon mal mit heim“, erzählt er. „Erst einmal bleibt alles so wie bisher“, betont der Schreiner. Der Meister will schauen, wie sich der Betrieb weiterentwickelt. Seinen Fokus will er auf den Treppenbau legen, der aktuell schon 40 bis 50 Prozent der Aufträge ausmacht.

Moritz Schumacher, 24, wohnt in der Heckenmühle, die zum Wald-Michelbacher Ortsteil Aschbach gehört. Nach dem Realschulabschluss an der Eugen-Bachmann-Schule machte er eine Lehre bei der Schreinerei Bellut in Oberzent-Airlenbach und besuchte das Berufliche Schulzentrum Odenwaldkreis (BSO) in Michelstadt. Nach einem Dreivierteljahr bei der Schreinerei Müller in Birkenau begann er mit einem Stipendium der Handwerkskammer Rhein-Main seinen Meister in Schwetzingen. Ein halbes Jahr in den USA schloss sich nach der erfolgreichen Prüfung an, ehe Schumacher Anfang 2017 als gleichberechtigter Geschäftsführer bei der Schreinerei Bellut loslegte. Seit Beginn des Jahres ist er alleiniger Geschäftsführer, nachdem sich Gründer Jürgen Bellut zurückgezogen hat.

Info: Seine Meisterarbeit, den Tischkicker, vermarktet Moritz Schumacher jetzt als hochwertiges Unikat. Der ist aus Massivholz und kann ganz nach dem Wunsch des Kunden individuell hergestellt werden. „Ein Hingucker etwa für eine Hotellobby“, sagt er. Mehr unter www.massivholz-kicker.de oder Telefon 06068-479915.

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