Katholische Kirchenmusik Ober-Abtsteinach stimmte aufs Fest ein

Stimmungsvolle Einstimmung aufs Fest in einer herrlich weihnachtlich geschmückten Kirche: Die katholische Kirchenmusik (KKM) Ober-Abtsteinach unterhielt mit ihren verschiedenen Ensembles die Besucher im aus allen Nähten platzenden Gotteshaus mehr als eine Stunde lang prächtig. Die Gäste rutschten auf den Kirchenbänken eng zusammen, aber trotzdem gab es für die zu spät Gekommenen nur noch Stehplätze. Gleich drei Tannenbäume und eine schön dekorierte Krippe zierten den Altarraum.

Die Gesamtleitung des Konzerts hatte KKM-Dirigent Alexander Kropp. Die Augen von Eltern und Großeltern leuchteten, als die Kleinsten in der der Blockflötengruppe zu Beginn ihr Können zeigten. Danach war die Jugendband dran, „das Sprungbrett zum großen Orchester“, wie es der zweite Vorsitzende Thomas Rolli ausdrückte. „Hier geht es schon richtig zur Sache“, schmunzelte er. „Only Time“ hieß es von Enya, „Let it go“ aus dem Disney-Film „Die Eiskönigin“ und zum Schluss „Rudolph the rednosed reindeer“.

Zu diesem Song hatte Rolli auch die Geschichte dahinter parat: Die Kaufhauskette Montgomery Ward aus Chicago verkaufte Malbücher verschiedener fremder Buchverlage. Die Unternehmensleitung entschied im Jahre 1939, aus Kostengründen auch ein eigenes Malbuch herauszugeben, das als Anzeigen-Kampagne gedacht war.

Die Geschichte vom jungen, aus der Art geschlagenen Rentier mit der leuchtenden Nase wurde zu Weihnachten 1939 veröffentlicht und 2,4 Millionen Mal verkauft. Bis 1946 gingen über sechs Millionen Exemplare dieses Malbuchs über die Ladentheken. Das Weihnachtslied von Johnny Marks erschien 1949 in der Interpretation von Gene Autry als Single, nachdem Bing Crosby abgelehnt hatte.

Im weiteren Verlauf des Konzerts übernahm der Ehrenvorsitzende Michael Wetzel die Moderation. Er wies gleich darauf hin, dass zum ersten Mal nach einem Konzert Glühwein ausgeschenkt wird – wegen des schlechten Wetters unter dem Balkon des Rathauses. Weihnachten, so Wetzel, „ist für viele das schönste Fest des Jahres“. Die Geburt Christi spiegelt sich in vielen Liedern wieder, wovon die 37 Musiker der KKM unter der Leitung von Kropp einige zu Gehör brachten.

Start war mit „Tochter Zion“, das auf den von Friedrich Heinrich Ranke umgetexteten Chorsätzen aus Georg Friedrich Händels Oratorien Joshua und Judas Maccabäus beruht. Dass es oft zu den musikalischen Höhepunkten eines Konzerts gehört, wie es Wetzel ankündigte, bewies das Orchester eindrucksvoll. Ebenso von Händel ist das „Hallelujah“, eine Komposition für vierstimmigen Chor und Orchester. Er schrieb es 1741 in London als Teil seines Oratoriums „Messias“. Es erfordert höchste Konzentration, betonte der Moderator.

Die beiden Stücke könnten unterschiedlicher kaum sein. Erst der getragene Start bei Tochter Zion, ganz anders das majestätisch Halleluja, bei dem alle Instrumente zum Einsatz kommen. Zarte Klarinettentöne werden abgelöst vom Tutti, mit dem sich das Orchester zum großen Finale emporschwingt.

Mit dem Gedicht vom gestohlenen Jesuskind, das für Schmunzeln unter den Besuchern sorgte, leitete Wetzel über zur Sopran-Arie „O mio babbino caro“ („O mein lieber Papa“) aus Giacomo Puccinis einaktiger Oper „Gianni Schicchi“. Ihre Uraufführung fand 1918 zusammen in der Metropolitan Opera New York statt. Danach wurde es unterhaltsam-schwungvoll. Die „Petersburger Schlittenfahrt“ startete ganz sanft und leise, ehe dann das Orchester mit vollen Einsatz über den Schnee sauste und jubilierend zum Stillstand kam. Viel Applaus war den Musikern gewiss.

Obwohl es bei der Geburt Christi in Bethlehem kaum geschneit haben dürfte, ist die Vorstellung von weißer Weihnacht omnipräsent. In Liedern ging dieser Wunsch von Europa aus vielfältig um die Welt, sagte Wetzel. Erst „Let it snow“, unter anderem von Dean Martin, Frank Sinatra oder Bing Crosby gesungen, und dann „Leise rieselt der Schnee“, in den das ganze Kirchenschiff einstimmte, sorgten vor dem geistigen Auge für die Wunschweihnacht, während unten im Tal Hochwasser angekündigt wurde.

Das Hirtenlied „Carol of the shepherd“ („das hat nichts mit dem Schäfers Karl zu tun“, meinte Wetzel lächelnd) beleuchtete, wie der Engel Gabriel den Hirten erschien. Mit der Erzählung eines kleinen Mädchens, das dem sorgenvollen Menschen auf der Parkbank half, die Last des Alltags besser zu bewältigen, ging’s zum letzten Stück, dem „Christmas Festival“ von Leroy Anderson.

Unter anderem „God Rest You Merry Gentlemen“, „Stille Nacht“, „Jingle Bells“ oder „Herbei, O Ihr Gläubigen“ stimmte die Zuschauers auf Fest ein. Nach dem majestätischen Schluss und Standing Ovations war klar, dass doch noch nicht Schluss sein würde. Die KKM hatte natürlich eine Zugabe parat, ehe die Besucher gerne für die Orgelrenovierung spendeten.

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