Ausstellung in Wald-Michelbach: Die Mathildenhöhe ist untrennbar mit dem Namen Ernst Ludwig verbunden

Ohne ihn wäre Darmstadt kulturell um einiges ärmer: Vor 150 Jahren, fast auf den Tag genau, wurde der spätere Großherzog Ernst Ludwig geboren, vor 100 Jahren musste er nach Ende des Ersten Weltkriegs abdanken. Die Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe ist untrennbar mit seinem Namen verbunden. Auf Basis seiner Münz- und Medaillensammlung stellte Manfried Bauer, den man im Überwald mit dem Stoewer-Museum verbindet, eine Ausstellung über diesen Förderer der Künste zusammen, dem Südhessen so viel zu verdanken hat.

In sechs Vitrinen sind die seltenen Exponate aus Bauers Sammlung zu sehen. Dazu wurden auch 14 Bilder und Plakate aufgehängt, die das Wirken der Künstler in der damaligen Hauptstadt des Großherzogtums ilustrieren. Dazu kommen noch Dokumente und Postkarten aus der damaligen Zeit. Manfried Bauer, der selbst 40 Jahre lang in Darmstadt lebte, bezeichnet es als „Hauptverdienst Ernst Ludwigs“, dass dieser 1899 die Künstlerkolonie ins Leben rief. Sie soll 2019 Unesco-Weltkulturerbe werden, berichtet er. Der Antrag ist gestellt

„Die besten Künstler aus der ganzen Welt“ folgten bis 1914 dem Ruf des Großherzogs, um dort frei und ohne Vorgaben wirken zu können. Von den vier Ausstellungen bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs war die erste, 1901, die größte. „Es wurden so viele Werke fertiggestellt, dass daraus ein dicker Katalog entstand“, so Bauer. In der zweiten Runde 1904 war mit Daniel Greiner auch ein Medailleur und Zeichner dabei, dessen Enkel Manfred Bersch bis zu seinem Tod im Wald-Michelbacher Ortsteil Aschbach lebte.

Insgesamt zählt Bauer 23 Kunstschaffende, die wechselnd in diesen 15 Jahren auf der Mathildenhöhe arbeiteten. Sie waren für die Entwicklung des Jugendstils prägend. Die meisten bleiben zwei oder drei Jahre. Die „Lichtgestalt“ Joseph Maria Olbrich, den fast schon eine Freundschaft mit dem Herrscher verband, wirkte dort bis zum frühen Tod 1908. „Ein junger, dynamischer, kraftvoller Mann“, so die Einschätzung des Sammlers. Rudolf Bosselt oder Heinrich Jobst waren weitere bekannte Mitglieder. Bauer weist darauf hin, dass die Künstler oft interdisziplinär tätig waren: So waren die Münzfachleute auch Maler oder Bildhauer.

Mit dem Ziel „Mein Hessenland blühe und in ihm die Kunst“ förderte Ernst Ludwig ab 1899 als Mäzen neben Olbrich unter anderem die namhaften Künstler Peter Behrens, Hans Christiansen, Ludwig Habich, Bernhard Hoetger und Albin Müller. „Ein Dokument deutscher Kunst“ hieß 1901 die erste Ausstellung. Drei weitere folgten 1904, 1908 und 1914. Als Europäer und Weltbürger wird der Regent gerne bezeichnet.

„Für die Numismatik habe ich mich schon immer interessiert“, schildert Bauer. Über die kam er dann zu Ernst Ludwig, der viel prägen ließ, und zur Idee für die Ausstellung. Zu sehen sind unter anderem Medaillen für die Künstlerkolonie-Ausstellungen, aber auch eine sehr seltene aus dem Jahr 1933, die nur einseitig geprägt ist. Bauer geht davon, dass die Nazis dem ehemaligen Großherzog die zweite Seite untersagten. Ein zweites Exemplar davon liegt im Staatsarchiv Darmstadt.

In der Ausstellung ist aber auch einiges über das abwechslungsreiche Privatleben von Ernst Ludwig zu erfahren, an dem die Darmstädter Bevölkerung gerne Anteil nahm. Manfried Bauer weist auf die starke Verbindung der Hessen zum russischen Zarenhaus hin, da der spätere Nikolaus II. 1894 Schwester Alix heiratete. „Der Zar hatte sogar seine eigene Kirche auf der Mathildenhöhe und ein Regiment in Darmstadt“, erläutert er.

Zwei Jahre zuvor, 1892, war Ernst Ludwig mit nur 24 Jahren der jüngste Großherzog des 1806 bestehenden Gebildes geworden. Das Großherzogtum ging damals aus dem Reichsfürstentum der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt hervor. Verwandt war er mit vielen deutschen Fürstenhäusern, aber auch mit der britischen Queen Victoria.

Ernst Ludwig Karl Albrecht Wilhelm von Hessen und bei Rhein (geboren 25. November 1868 in Darmstadt, gestorben 9. Oktober 1937 in Schloss Wolfsgarten bei Langen) war von 1892 bis 1918 der letzte Großherzog von Hessen-Darmstadt, zu dem auch die Provinz Starkenburg (der heutige Kreis Bergstraße) und der Odenwaldkreis gehörten. Seine Eltern waren Großherzog Ludwig IV. und dessen Frau Alice von Großbritannien und Irland, seine Großmutter mütterlicherseits die britische Königin Victoria. 1894 heiratete Ernst Ludwig seine Cousine Victoria Melita von Edinburgh. Seine Schwester Alix heiratete im gleichen Jahr den späteren russischen Zaren Nikolaus II.

1901 ließ er sich von seiner ersten Frau scheiden, mit der er die gemeinsame Tochter Elisabeth (1895–1903) hatte. 1905 heiratete er Eleonore zu Solms-Hohensolms-Lich (1871–1937). Aus dieser Ehe gingen der 1906 geborene Erbgroßherzog Georg Donatus sowie dessen Bruder Ludwig (1908–1968) hervor. Nach der Novemberrevolution 1918 weigerte er sich abzudanken und wurde daher vom Darmstädter Arbeiter- und Soldatenrat abgesetzt. Im Monat nach Ernst Ludwigs Tod im Oktober 1937 starben bei einem Flugzeugunglück nahe Ostende seine Frau und sein Sohn Georg Donatus sowie dessen Frau Cäcilia mit den Kindern Ludwig und Alexander. Sie alle sind im Park Rosenhöhe in Darmstadt begraben.

Info: Die Ausstellung ist in der Wald-Michelbacher Filiale der Sparkasse Starkenburg, Ludwigstraße 49, zu den üblichen Geschäftszeiten bis 14. Dezember zu sehen.

 

 

 

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