Straßenmeisterei Beerfelden sorgt im Winter für befahrbare Straßen im Überwald sorgen

„Immer um den Buß- und Bettag herum zieht es an“, weiß Harald Körner aus jahrelanger Erfahrung. Der Chef der Straßenmeisterei Beerfelden hatte Recht, denn genau zu diesem Zeitpunkt gingen die Temperaturen in den Keller, um jetzt wieder frühlingshaft zu sein. Pünktlich zur Vorstellung der Winterdienst-Vorbereitungen im Odenwald durch die Straßenbaubehörde Hessen Mobil hatte es außerdem in der Nacht knackigen Frost gegeben, der bereits den ersten größeren Einsatz der Räum- und Streuflotte notwendig machte. 175 Kilo Salz kamen dabei auf die Straßen. Davon ist aktuell weit und breit keine Spur mehr.

Welche Vorbereitungen bisher getroffen wurden, erläuterten jetzt die Verantwortlichen. Jochen Vogel, Pressesprecher von Hessen Mobil in Heppenheim, skizzierte das Prozedere auf den Bundes-, Landes- und Kreisstraßen im Odenwald. Ein harter Winter ist nicht unbedingt einer, in dem es viel schneit, sagen die Fachleute. Sondern einer „mit wechselhaftem Wetter“, tagsüber mit Plus-Temperaturen, nachts mit Frost. Denn dann muss quasi nonstop gestreut werden. Da eine Tonne Salz 70 Euro kostet, geht dies dann kräftig ins Geld.

Das Streckennetz ist in verschiedene Routen aufgeteilt, wobei Schulen, Bahnhöfe, Höhenlage, stark befahrene Straßen und der ÖPNV Priorität genießen, sagt er. Sollte es mal dicke kommen und heftig schneien, gibt es laut Körner auch die Möglichkeit, in Wald-Michelbach mit zwei Fahrzeugen auszurücken. Ein Mitarbeiter stammt aus Reichelsheim und fährt jeden Tag über die Wegscheide. „Wenn der das Salz im Überwald einlädt, kann er bei Bedarf gleich das Ulfenbachtal runterfahren“, so der Chef der Straßenmeisterei in Beerfelden.

Von Wald-Michelbach aus „sind wir schnell auf der Kreidacher Höhe“, ist ein neuralgischer Punkt in Reichweite. Wobei man inzwischen sowieso kaum noch Straßen aussparen könne. „Da liegen oft Busverkehre drauf“, verdeutlicht Körner. Ein Problem stellen für den Räumdienst eher die Baustellen dar, die teilweise bis in den Winter rein unterhalten werden. Aktuell wird etwa noch auf der Straße zwischen Unter-Abtsteinach und Trösel gebaut. Wenn für die großen Fahrzeuge kein Durchkommen mehr ist, hilft dann die Absprache mit der Gemeinde weiter, ob diese vielleicht einen Teil übernimmt.

Die Verantwortlichen appellierten an die „Teamarbeit“ von Räumdienst und Autofahrern bei winterlichen Straßenverhältnissen. Zum einen sei Vorsicht in Waldgebieten geboten, weil das Salz Tiere an den Straßenrand ziehe. Zum anderen solle immer eine Fahrgasse für die mit vier Meter überbreiten und mit 23 Tonnen ganz schön schweren Räumfahrzeuge freigelassen werden. In engen Ortsdurchfahrten dürfe die Straße nicht zugeparkt werden.

Auf Autobahnen nonstop und auf den anderen Straßen von 6 bis 22 Uhr: So stellt sich der Schichtdienst in den Straßenmeistereien dar. Wobei um 6 Uhr die Strecken schon frei sein sollten. Deshalb beginnt der Dienst bereits im 1.30 Uhr nachts mit den Vorbereitungen. Dann wird per Computer die Lage auf den Straßen überprüft. „Winterdienst ist das ganze Jahr ein Thema“, verdeutlichte Vogel. Im Frühjahr gibt es Reparaturen, Ausschreibungen und Neuanschaffungen, im Sommer wird das Salz bezogen, im Herbst werden die Dienstpläne für die kalte Jahreszeit gemacht.

Neben dem Rückgriff auf die Wetterdienste helfen auch die jahrzehntelangen Erfahrungen der Hessen-Mobil-Leute, um zu wissen, wo es glatt werden kann. Ist Schnee gemeldet, „wird die Rufbereitschaft ausgelöst“, so der Pressesprecher. Jeder Fahrer hat eine vorgegebene Route, die etwa drei bis vier Stunden dauert.

Verwendet wird dabei eine Mischung aus 70 Prozent Trockensalz und 30 Prozent Lauge, die in der Straßenmeisterei hergestellt wird. Das Ganze nennt sich Feuchtsalz FS 30. „Dann haftet das besser auf dem Asphalt“, weiß Körner. Es wird nicht so schnell verweht, setzt den Auftauprozess schneller in Gang und hält die Straßen länger eisfrei. Außerdem spart man am Rohmaterial. Sollten die 3300 im Odenwaldkreis gelagerten Tonnen Salz doch mal knapp werden, „füllen wir die Hallen unverzüglich wieder auf“, versicherte er.

Die Straßenmeisterei Beerfelden betreut 215 Straßenkilometer im südlichen Odenwaldkreis, dazu im benachbarten Kreis Bergstraße das hessische Neckartal und den Überwald rund um Wald-Michelbach, Abtsteinach und Grasellenbach bis hin nach Birkenau (alte B38) und Gorxheimertal bis zur Stadtgrenze Weinheim. Auf der B460 wird bis nach bis nach Fürth-Krumbach gefahren. Insgesamt sind dies noch einmal etwa 100 Straßenkilometer. In Oberzent lagern etwa 1000 Tonnen Salz. In Beerfelden sind sieben Schneeräumer im Einsatz, davon fünf eigene, die im Drei-Schicht-Betrieb von 18 Mitarbeitern gefahren werden. Weitere kleinere Salzlager gibt es in Hirschhorn und Wald-Michelbach. Insgesamt hält Hessen Mobil im Odenwaldkreis 3300 Tonnen Salz vor, was für einen durchschnittlichen Winter ausreicht. Sollte es einmal den ganzen Tag heftig durchschneien, werden pro Tag etwa 150 Tonnen benötigt.

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