Schimmeldewäer Theater-Schauspieler bieten „Körpereinsatz bis zum Schluss“

Es ist eine eingeschworene Truppe, die sich zwei Mal in der Woche im evangelischen Gemeindehaus trifft. Es wird gewitzelt, gelacht, ein wenig über den oder die anderen gefrotzelt. Die acht Theaterspieler mit Regisseurin Renate Walter sind auch den kulinarischen Freuden des Lebens nicht abgeneigt. Mara Mottl hat ein volles Kuchenblech mitgebracht, Jürgen Walter stellt verstohlen die Flasche Rotwein auf den Tisch. Aus dem Vorratsraum holt Timo Walter noch ein paar alkoholfreie Getränke. „Keine Sorge, wir proben auch kräftig“, meint die Chefin im Ring augenzwinkernd.

Noch ist Zeit zum Rumalbern, noch hat die heiße Proben-Zeit für die drei Aufführungen der Theatergruppe Schönmattenwag Ende März nicht begonnen. „Die Proben laufen derzeit noch mit Textbuch“, sagt die Regisseurin leicht tadelnd in Richtung der Akteure. Die tun so, als ob sie es nicht hören wollen und unterhalten sich angeregt über Gott und die Welt.

Bis zum letzten Samstag vor Weihnachten geht’s erst einmal montagsabends und samstagmittags im normalen Rhythmus weiter, ehe die Winterferien eine willkommene Auszeit bedeuten. Denn immerhin treffen sich die Laienschauspieler bereits seit Mitte Oktober. Gutscheine, die auch gerne unter den Weihnachtsbaum gelegt werden können, gibt es bereits jetzt. Der reguläre Vorverkauf startet am Rosenmontag.

„Wiedersehen auf Bora Bora“ heißt es vom 29. bis 31. März im Haus des Gastes. Die Kriminalkomödie in zwei Akten von Claudia Gysel, ein ziemlich neues Stück, „ist mal etwas anderes“, betont Renate Walter. Sie will den Zuschauern in dieser Saison „nicht nur Klamauk“ bieten, sondern ein Stück mit Pepp, mit einer spannenden Handlung. Von zwei Verlagen ließ sie sich verschiedene Manuskripte zur Auswahl schicken. „Bei dem bin ich hängengeblieben“, sagt sie. Das offene Ende, bei dem zwei mögliche Schlussszenen gespielt werden, ist für sie ein besonderes Schmankerl.

Die Regisseurin beruhigt aber alle Zuschauer, die den von der Truppe verbreiteten Nonsens in den bisherigen Aufführungen schätzen: „Es ist viel Witz dabei“, hebt sie hervor. Außerdem sind im Skript „ein paar schräge Figuren enthalten“, die den Schimmeldewäer Akteuren viel Platz zur Selbstentfaltung geben. Etwa der auf seine Muckis fixierte Fitnesstrainer, der außer seiner Geldgier nicht viel in der Birne hat. Auf Sascha Oberle in dieser Rolle darf man sich schon freuen.

Er hat ein Verhältnis mit der Witwe, gespielt von Mara Mottl, die ihren Mann um die Ecke gebracht hat, um alles zu erben. Die Rolle der Mrs. Kennedy, der neugierigen Nachbarin, „die laufend durch die Hecke gestolpert kommt“, ist wie geschaffen für Karin Mottl. „Ich habe nicht so viel Text und darf bisschen schräg drauf sein“, lacht sie. Ramon Jöst und Steffi Walter, die in diesem Jahr pausierten, sind 2019 wieder mit dabei. Dafür fehlt Anika Klos, die es beruflich nach Schweden verschlägt. Zu den vier Frauen und vier Männern im Team zählt außerdem noch Nadine Pohl.

Ramon Jöst, der gerade bei der Polizei seine Ausbildung absolviert, darf seine Fachkenntnisse in der Rolle mit einbringen, wenn er einen Beamten spielt. „Nichts ist so wie es scheint“, beschreibt Timo Walter die Besonderheit des Stücks. Das spielt dieses Mal nicht innen, sondern auf der Terrasse eines sehr mondänen Hauses.

„Körpereinsatz bis zum Schluss“ verspricht Steffi Walter und meint damit, dass sich die Darsteller – natürlich ausschließlich laut Drehbuch – nicht nur in die Haare kriegen, sondern auch an die Gurgel gehen. „Es gibt sogar Schusswaffeneinsatz“, sagt Jürgen Walter und wedelt mit der Schreckschusspistole herum. Er ist zusammen mit Karin Mottl und Sascha Oberle der „dienstälteste“ Laienschauspieler, wenn sie auch alle drei zwischendurch mal eine Auszeit hatten. „Wir sind eine tolle, lustige Truppe“, machen die Proben mächtig Spaß. Wichtig dabei ist, „dass alles nicht so ernst genommen wird“.

Steffi Walter mag die Herausforderung, „immer jemand Neues zu spielen, der man nicht ist“. Es ist die Vielfältigkeit der Rollen, betont auch Sascha Oberle: „Mal ist man Knecht, mal König.“ Jürgen Walter weiß davon ein Lied zu singen. Jonathan, Petrus, Hausmeister und Geschäftsmann: Er hat sie schon alle durch. Er bezeichnet sich als „richtig heiß auf den Auftritt“. Und Sohn Timo ergänzt die Vorfreude des Publikums auf die neuen Aufführungen, inklusive der Dankbarkeit und dem lang anhaltenden Applaus, wenn das Stück über die Bühne gegangen ist.

Das unterstreicht auch Sascha: „Die Vorbereitung ist sehr zeitaufwändig, aber nach den Aufführungen wird man dafür entschädigt.“ Karin Mottl vergleicht die Proben mit einem Sportler, der sich auf die große Meisterschaft vorbereitet. Parallel dazu läuft im Hintergrund die organisatorische Abklärung. „Es gab bereits ein Treffen mit den Bühnenbauern der beiden Gesangvereine GV Harmonie und MGV Sängerbund“, erzählt Renate Walter. Deren Mitglieder kümmern sich dann an den Aufführungstagen auch um die Bewirtung.

Renate Walter hat den Regiestuhl 2015 von Donat Skroch übernommen, nachdem sie als eine der dienstältesten Akteurinnen schon zuvor 25 Jahre auf der Bühne gestanden hatte. Bereits im Vorfeld der Stabübergabe hatte sie Skroch immer über die Schulter geschaut. Das aktuelle Stück ist ihre vierte Regiearbeit und das 37. Stück der Theatergruppe aus beiden Ortsteilen.

Zur Handlung: Vor einem Jahr ist David Sommer, ein schwerreicher Architekt und Bauunternehmer, spurlos verschwunden. Es wird vermutet, dass er mit seinem Auto die kurvige Bergstraße zu schnell entlang fuhr und über den Rand hinaus stürzte – man hält ihn für tot. Seine Frau nimmt dies offenbar nicht so tragisch, schnell hat sie sich mit ihrem Witwen-Dasein abgefunden und genießt in vollen Zügen das Leben mit Partys und diversen Liebhabern. An seinem Todestag wird sein Porsche auf dem Grund des Sees gefunden, aber keine Leiche. Gleichzeitig mit dem Fund des Autos taucht das Gerücht auf, dass David quicklebendig auf Bora-Bora gesehen wurde. Dann kündigt sich David auch noch telefonisch selber an. Seine Schwester Meret, die ihn über alles liebte und immer noch Hoffnung hatte, dass er noch lebt, kann es kaum erwarten, ihn wiederzusehen. Sein Geschäftspartner reagiert etwas seltsam, seine Frau wutentbrannt und der aktuelle Liebhaber seiner Frau leicht hysterisch. Dann steht David tatsächlich vor der lieben Familie und – es ist ein ganz anderer!

Info: „Wiedersehen auf Bora Bora“ wird von der Theatergruppe Schönmattenwag von Freitag, 29., bis Sonntag, 31. März, jeweils um 19.30 Uhr aufgeführt. Gutscheine, die sich bestens als Weihnachtsgeschenk eignen, sind bei Renate Walter, Telefon 06207/7823, E-Mail re.die1961@gmail.com, oder allen anderen Mitspielern erhältlich.

 

 

 

 

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