Polizei warnt: Die Tricks der Gauner werden immer perfider

Ein gesundes Misstrauen schadet nie, brachte es Christel Shelton auf den Punkt. Die Polizeihauptkommissarin referierte im Ratssaal auf Einladung der Aktiven Senioren zum Thema „Schutz vor Trickbetrug und Diebstahl“. Beim Vortrag gab es das eine oder andere Hallo. Entweder weil einem Senior das Erzählte selbst schon passiert war, man es von Nachbarn gehört hatte oder der genannte Trick noch nicht untergekommen war.

Zu Beginn stellte die Polizistin die drei Sicherheitsberaterinnen aus Überwald und Weschnitztal vor, die als Bindeglied zwischen Polizei und Bürger fungieren sollen. Christina Schmitt ist für Abtsteinach und die Großgemeinde Wald-Michelbach zuständig. Francine Antoni-Hein betreut gesamt Grasellenbach, Elfi Adelmann Rimbach mit seinen Ortsteilen. Die drei erhielten eine spezielle, einwöchige Ausbildung.

„Wir wollen die Hemmschwelle senken“, betonte Shelton. Mit manchen Anliegen „trauen sich die Leute nicht, bei der Polizei anzurufen“, weiß die Beamtin. Hier können die Ehrenamtlichen in die Bresche springen. Shelton verdeutlichte, dass die drei Damen „nichts mit der Polizei tun haben“, sondern als Berater zur Seite stehen und Tipps geben können, wie man sich in der einen oder anderen Situation verhält.

Der sogenannte „Enkeltrick“ gehört zu den eher „geläufigeren“ Methoden, Geld bei Senioren zu ergaunern. Opfer würden oft aus dem Telefonbuch anhand von „älter“ klingenden Vornamen herausgesucht, erläuterte Shelton. „Keiner ist davor gefeit“, betonte sie. Selbst wer sage, „so etwas passiert mir nicht“, falle mitunter darauf rein. Sie empfahl, sich entweder ohne Vornamen und Anschrift bzw. gar nicht im Telefonbuch eintragen zu lassen. „Wer Sie kennt, kennt auch ihre Telefonnummer“, meinte sie an die Gäste gewandt.

Das Gehirn spielt in solchen Situation oftmals einen Streich, warnte Shelton. Wenn sich am Telefon eine Stimme mit der Nachricht „Hallo, ich bin es“ meldet, versuche es automatisch den Bezug zum Enkel oder Neffen herzustellen. Die Rückfrage mit dem entsprechenden Namen „Rainer, bist du es?“ gestellt „und schon sitzen Sie in der Falle“. Durch eine geschickte Gesprächsführung „wird dann der Hilfegedanke geweckt“. Die Polizistin appellierte an die älteren Mitbürger, niemals Geld an einen Unbekannten zu übergeben.

Zwei Millionen Euro Schaden würden jedes Jahr durch den Enkeltrick allein in Hessen versursacht, sagte sie. „Und die Dunkelziffer ist viel höher“. Denn viele zeigten die Tat aus Scham („wie konnte ich nur so blöd sein“) nicht an. Der Trick funktioniert noch immer, betonte sie. Deshalb sollten die Zuhörer an ihre Bekannten weitergeben, wie die Masche abläuft und sie dafür sensibilisieren.

„Lassen Sie keinen in ihr Haus“, riet sie dringend, wenn es plötzlich an der Tür klingelt und jemand ein Schnäppchen verkaufen will. „Nachfragen hilft“, sagte Shelton in ihrem lebendigen Vortrag, in den sie immer wieder die Senioren mit Rede-Antwort-Spiel einband. Ihr Eindruck: „Wald-Michelbach, ihr seid auf Zack.“ Aber gleichzeitig ihre Warnung: „Unterschreiben Sie auf keinen Fall etwas.“ Dadurch werde nämlich ein rechtsgültiges Geschäft besiegelt.

„Die Betrüger wollen wissen, wo ihr Geldbeutel sitzt“, meinte sie Blick auf Spendensammlungen etwa auf Parkplätzen. „Halten Sie Abstand“, so ihre Empfehlung. Die Polizistin warnte auch dringend davor, an der Haustür klingelnde „Handwerker“ mit Arbeiten zu beauftragen. „Die verlangen dann horrende Preise, die nicht abgesprochen sind“, sagte sie. Und die Betrogenen müssten dann zahlen, „denn geschlossene Verträge gelten auch mündlich“. Sie empfahl: „Abwimmeln“. Das Gleiche gilt auch für angebliche Wasser- oder Stromableser sowie Behördenvertreter. „Ausweis zeigen lassen“, so Shelton. Und im Zweifelsfall bei der entsprechenden Stelle einfach anrufen, ob wirklich jemand geschickt wurde. „Sie müssen niemanden ins Haus lassen“, hob sie eindrücklich hervor. Gerade den Zählerstand könne man auch selbst mitteilen.

Ebenfalls im „Repertoire“ der Gauner ist der Zetteltrick. Wenn jemand eine Nachricht für die Nachbarin hinterlassen wolle, werde heimlich die Haustür angelehnt. In einem unbeobachteten Moment kommt ein zweiter Täter rein und räumt die Wohnung aus, während in der Küche ein Zettel geschrieben wird. Deshalb wiederholte Shelton: „niemanden reinlassen“. Ein Vorurteil sei, dass man Leute ins Haus lassen müsse, die vorgeben dringend auf die Toilette zu wollen. „Das stimmt nicht“, betonte sie.

Zum „Standardprogramm“, um sich gegen das Beklauen zu schützen, gehören Geldbeutel in Innentaschen, damit Diebe kein leichtes Spiel haben. Gerade wenn man eine Busfahrt zu (ausländischen) Weihnachtsmärkten mache, „müssen sie nicht den Führerschein oder sämtliche Kreditkarten mitnehmen“. Man könne Geld auch in die Hosentaschen stecken und nicht alles in den Geldbeutel.

Sicherheitsberaterinnen für Senioren

  • Christina Schmitt (Abtsteinach und Großgemeinde Wald-Michelbach) Telefon 06207/82165
  • Francine Antoni-Hein (Grasellenbach) 06253/9483946
  • Elfi Adelmann (Rimbach und Ortsteile) 06253/7353
Advertisements