Kunsthandwerk wird vom Verein Imasgo für den guten Zweck verkauft

Die Advents- und Weihnachtsmärkte können kommen. Der Verein Imasgo aus Birkenau, bei dem auch die Hammelbacherin Martine Rüdinger mitwirkt, wird an einigen Veranstaltungen mitwirken und hat zu diesen Zwecken sein Sortiment aufgestockt. Knapp drei Wochen war Rüdinger vor kurzem in Burkina Faso, um etliche kunsthandwerkliche Objekte mitzunehmen, sich aber auch gleichzeitig über den Fortgang der über die deutsche Hilfe angestoßenen Arbeiten am dortigen Schulzentrum zu informieren. Freudiger Anlass: Ihr Patenkind heiratete.

Zum Einkauf besuchte Martine Rüdinger die große Kunsthandwerkermesse für Westafrika in der Hauptstadt Ouagadougou. „Dort gab es Aussteller aus Marokko, Tunesien, Benin, Mauretanien, Senegal oder Ghana“, schildert sie die Vielfalt des alle zwei Jahre stattfindenden Marktes. Mit über 100 Standbetreibern ist die Veranstaltung „sehr bedeutend für die Gegend“. Das belegen die kilometerlangen Besucher-Schlangen.

Die Palette ist überaus vielfältig: Kleidung, Tücher, Handtaschen, Lederarbeiten, Kosmetik etwa aus Kokosnussprodukten, aber auch Schokolade von der Elfenbeinküste sind zu finden. „Das ist mutig bei 40 Grad“, schmunzelt Rüdinger über die letztgenannte Geschäftsidee. Schmuck, Möbel und Bronzearbeiten rundeten das reichhaltige Sortiment auf der Messe ab. Durch den Kontakt zu den örtlichen Kunsthandwerkern war es der Überwälderin möglich, die Warteschlange vor dem Eingang zu umgehen und so in aller Ruhe zu „shoppen“.

Der Scarabee-Stuhl von Moogoo, hergestellt aus einem alten Ölfass, erhielt sogar schon einen Designer-Preis, hebt sie hervor. Der passt natürlich nicht in einen 46-Kilo-Überseekoffer, sondern kam mit einem Container nach Deutschland. Jedes Jahr, erläutert die Helferin, wird ein solcher 50-Kubikmeter-Koloss von Burkina Faso hierher verschifft. Für seinen Inhalt tun sich verschiedene Hilfsorganisationen zusammen, die die jeweiligen Waren dann in Frankfurt abholen.

Weihnachtsdeko, Grußkarten aus Recyclingmaterial, handgewebte Tücher mit Indigo, Batik- und Patchwork-Tischecken oder Tierfiguren aus Stoff und Holz hat sie in ihren Koffer gepackt. Dazu kamen bemalte Kalebassen, die aus einer Kürbisart hergestellt werden. Der Erlös fließt in vollem Umfang in das geplante Ausbildungszentrum in Imasgo, erläutert Rüdinger. Junge Menschen sollen dort in handwerklichen Berufe unterrichtet werden, egal ob diese jetzt einen technischen oder künstlerischen Hintergrund haben.

Der Verein hat schon einen Bronze-Fachmann an der Hand, der die Jugendlichen ausbilden würde. Auch ein Elektriker wird sein Wissen weitergeben. Hier geht es vor allem um die Nutzung der Solarenergie. „Das soll jetzt beginnen“, freut sie sich. In der Schule soll demnächst der Informatik-Unterricht starten, nachdem ein paar Laptops organisiert wurden. In Planung ist daneben auf dem Schulgelände ein kleines Gästehaus. So soll es möglich werden, kleinere Besuchergruppen dort unterzubringen und auf diese Weise zu sanften Tourismus zu fördern.

Neben dem rein Organisatorischen gab es aber einen freudigen Anlass für die Reise: Rüdingers Patenkind Orokia heiratete. Die muslimisch-afrikanische Zeremonie dauerte eine Woche, „aber ich war nur drei Tage dabei“, lacht sie. Die Hammelbacherin zeigte sich angetan von dem großen Spektakel. Ihr jetziger Mann „wollte Orokia bereits vor fünf Jahren heiraten“, erzählt sie. Aber seine Eltern wollten nicht. Jetzt klappte es doch. Rüdinger ist beindruckt von der jungen Frau, die vor fünf Jahren kaum lesen konnte, aber heute schon in der Grundschule als Lehrerin assistiert.

Das Schulzentrum im Imasgo „läuft toll“, ist ihr Eindruck vom jetzigen Aufenthalt. Da Deutsch als Fremdsprache unterrichtet wird, entstand sogar die Brieffreundschaft mit einer Klasse aus Haigerloch. Das im Februar eingeweihte Gymnasium und die Realschule zählen inzwischen 570 Schüler, die räumlich beengte Grundschule nur 270. Die Nachfrage ist groß, sagt sie, „aber leider können aufgrund des fehlenden Platzes nicht mehr Kinder aufgenommen werden“. Die Schule ist so gut ausgestattet, „dass alle kommen wollen“. Das sorgte am Gymnasium sogar schon dafür, dass es eine fünfte Klasse mit 93 Schülern gab.

Seit 25 Jahren wirkt der Birkenauer Verein schon in der westafrikanischen Stadt – und die Erfolge der Arbeit werden immer offensichtlicher. Den Ehrenamtlichen geht es in erster Linie darum, die Lebensumstände der Menschen so zu gestalten, dass sie sich ein eigenständiges Leben aufbauen können und einen Beruf finden, von dem sie wiederum leben können.

Der Ort mit seinen 22400 Einwohnern ist in der Mehrheit muslimisch besiedelt, erläutert Rüdinger. Christen haben einen Anteil von 30 bis 40 Prozent an der Bevölkerung. „Gefeiert wird aber zusammen“, betont die Hammelbacherin. Auf die Schule gehen Kinder aller Konfessionen. Sie sieht sowieso das Klima zwischen den Religionen als sehr entspannt an.

Imasgo-Termine: Freitag, 30. November, bis Sonntag 2. Dezember, Stand beim Adventsmarkt der Winzergenossenschaft Heppenheim, Öffnungszeiten Freitag, 17 bis 22 Uhr, Samstag, 14 bis 21 Uhr, Sonntag, 11 bis 18 Uhr; Sonntag, 2. Dezember, Nikolausmarkt Birkenau; Samstag, 8., und Sonntag, 9. Dezember, Weihnachtsmarkt Wald-Michelbach; an diesem Wochenende ebenfalls Weihnachtsmarkt in Bürstadt, Samstag 15 bis 22 Uhr, Sonntag 15 bis 20 Uhr. Mehr unter http://www.imasgo.de

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