Solardraisine sorgt für viele Tagestouristen

Eine wie die Solardraisine gibt es sonst in Deutschland nicht, meinte Philipp Gruber. Für den zweiten Vorsitzenden des deutschen Draisinenverbands ein guter Grund, zusammen mit elf anderen Vereinsmitgliedern (von 21 bundesweit) eine Reise in den Überwald zu machen. Am Bahnhof Ober-Wald-Michelbach wurden sie von Solardraisinen-Geschäftsführer Holger Kahl, Bürgermeister Dr. Sascha Weber und dem Vorsitzenden der hiesigen Draisinenfreunde, Peter Maier, empfangen.

„Unser Ziel ist es, die Strecke und die kulturhistorischen Bauwerke zu erhalten“, sagte Kahl. Nicht nur um der Draisine willen, sondern vielleicht um auch irgendwann den ÖPNV auf der Überwaldbahn reaktivieren zu können. Die touristische Funktion ist elementar: „Wir locken damit die Städter aufs Land“, betonte er, „und zeigen, was der Odenwald zu bieten hat.“ Mit dem Ziel, dass die Ausflügler wiederkommen und so Geld in die Region bringen.

Bei der Solardraisine „handelt es sich um eine sehr erklärungsbedürftige Dienstleitung“, meinte der Geschäftsführer Richtung Besucher. Es geht um Fragen, ob der Hund mitgenommen werden kann oder was bei Regen passiert. „Es gibt viel Einweisungsbedarf“, so Kahl, „damit keiner dem anderen hintendrauf fährt“. Vier Personen sind ganzjährig im Büro tätig, vier weitere, externe Mitarbeiter kommen in der Saison für die Technik dazu.

Die Draisine macht im Jahr einen Umsatz von 430.000 Euro, berichtete er. Das sei „angesichts der Kosten viel zu wenig“. Betrieb und Instandhaltung der Strecke verschlingen das meiste Geld. Ohne die Zuschüsse der drei beteiligten Gemeinden und des Kreises Bergstraße ließe sich alles nicht stemmen. „Tunnel und Viadukte sind etwas ganz Besonderes“, hob er hervor, haben aber auch einen hohen Pflegeaufwand.

Laut Kahl wurde ein Großteil der an der Bahnstrecke notwendigen Maßnahmen bereits erledigt. „Jetzt sind wir an den Fahrzeigen dran“, erläuterte er. Denn der Verschleiß der Akkus ist zu hoch. Diese jedoch bedeuten einen hohen Kostenfaktor. Man wolle weg vom reinen Fahrbetrieb und die Draisine zum Erlebnis machen, postulierte der Geschäftsführer. Als ein Beispiel dafür nannte er die Teilnahme an der Überwälder Traumnacht.

26 Draisinen verkehren derzeit auf der Strecke zwischen Wald-Michelbach und Mörlenbach. In jede passen acht Personen. „Fahren Sie mindestens zu zweit“, empfahl Kahl augenzwinkernd. Denn der Beifahrer kann dann nach dem Tunnel die Ampel drücken, damit die Draisine ungefährdet die Straße überquert.

Wald-Michelbach sei mit 27 Prozent nach dem Kreis der zweitgrößte Anteilseigner, verdeutlichte Bürgermeister Weber. Die Gemeinde profitiere angesichts der damit in den Überwald kommenden Touristen vermutlich aber am meisten, meinte er. Seit es die Draisine gibt, „hat sich die Zahl der Tagestouristen stark erhöht“, berichtete er. Zwecks Weiterentwicklung der Fahrzeuge arbeite man mit drei verschiedenen Prototypen, so Weber.

Peter Maier stellte die Mithilfe des Vereins beim Erhalt der „wunderschönen Bahnstrecke“ heraus. Für ihn als „alten Eisenbahner“ sei dieses Ziel ganz wichtig. Nach der Aufgabe in den 1990er Jahren sei alles verwildert gewesen. Auch heute noch werde ein großer Aufwand für die Unterhaltung betrieben. „Wir helfen, wo es geht“, sagte er. Maier warf einen kurzen Blick zurück in die Geschichte. Von 1898 bis 1901 gebaut, umfasste die Strecke zwischen Mörlenbach und Wahlen sechs Bahnhöfe und zwei Haltestellen, sagte er.

Die Bahnanbindung Richtung Rheinebene war zum einen wichtig, damit die Arbeiter in die Industrieregion Rhein-Neckar kommen konnten, zum anderen, um Erze aus dem Bergbau transportieren zu können. Drei kleine Viadukte und das große bei Vöckelsbach, dazu noch der 679 Meter lange Tunnel unter der Kreidacher Höhe verschlingen heute den Hauptteil der Kosten. „Es wäre traurig, diese schönen Dinge nicht zu erhalten“, so Maier.

Seit 2010 treffen sich die Mitglieder des Draisinenverbands jährlich an einer anderen Strecke, erläuterte Gruber. Letztes Jahr war Thüringen dran. „Anschauen und der Erfahrungsaustausch“ stehen ganz oben auf der Liste. Es geht aber auch darum, Werbung für den jeweils anderen zu machen und sich die Bälle bzw. Gäste zuzuspielen. „Wir wollen in spe überall gewesen sein“, sagte er. Die Teilnehmer kommen aus ganz Deutschland bis hin nach Mecklenburg-Vorpommern. Überwiegend betreiben sie Fahrraddraisinen.

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