Geballte Kraft der Männerstimmen von Sängerbund Oberflockenbach und MGV Union Wald-Michelbach

Ein Fest für die Männerstimmen: Drei Chöre gestalteten ein ausverkauftes Konzert in der Mehrzweckhalle Trösel. Der Männerchor des Sängerbunds Oberflockenbach und der MGV Union Wald-Michelbach, beide unter der Leitung von Hans-Joachim Karl, hatten sich als Gäste das angesehene Männerchor-Vokalensemble Camerata Musica Limburg unter der Leitung von Jan Schumacher eingeladen. „Stimme, Stimmung, Emotion“ lautete der Titel des besonderen Höhepunkts im Sängerjahr.

Camerata Musica hatte im vergangenen Jahr ein Crowdfunding-Projekt gestartet, bei dem der Chor übers Internet finanzielle Unterstützer für die Produktion einer CD-Reihe suchte. Die zwei Karl-Ensembles entschlossen sich kurzerhand, diesem Projekt als Hauptsponsor beizutreten. Als Dankeschön erhielten sie ein exklusives gemeinsames Konzert. Neben den Besuchern aus Limburg rundete die Uraufführung einer Komposition von Alwin Michael Schronen das Konzert ab, der zu diesem Anlass aus dem Saarland anreiste.

Den Beginn machte die Union Wald-Michelbach, die eine kontrastreiche Kostprobe aus dem Repertoire der vergangenen zwei Chorprojekte vorstellte. Für einige Sänger, so der ansagende Uwe Jansen, war dies das erste große Konzert. Der Chor trug fünf Stücke vor, darunter den „Geistertanz“ von Franz Schubert, ein rhythmisch herausforderndes Chorwerk, sowie das italienische „Sabato di Sera“ von Gianni Malatesta, das eine Liebesgeschichte am Lago Maggiore beschreibt.

Auch das bekannte „Africa“, das Alex Morris basierend auf dem 80er-Jahre Welthit von Toto arrangiert hatte, gehörte zu diesem ersten Programmteil. Hans-Joachim Karl präsentierte stolz die einstudierten Stücke und den besonderen Chorklang, den er über viele Jahre verfeinert und nun mit neuen Stimmen angereichert hatte. Der brausende Beifall der etwa 300 Gäste, viele von ihnen bekannte Chorliebhaber aus der Region, belohnte alle für die Darbietung.

Nun betraten die 16 Sänger von Camerata Musica die Bühne. Chorleiter Schumacher, seines Zeichen Universitätsmusikdirektor und Professor an der Goethe-Universität in Frankfurt, beglückwünschte die Gastgeber für die besondere Chorarbeit, deren Qualität stark von Hans-Joachim Karl beeinflusst sei. Er hatte in den Stunden zuvor zusammen mit den gastgebenden Chören in einem Workshop ausgewählten Stücken den letzten Schliff verpasst.

Das Programm beinhaltete verschiedene Lieder aus der vom Chor aufgenommenen CD-Reihe, welche zum Ziel hat, alle von Franz Schubert komponierten Stücke für Männerchöre zu vertonen. Die so entstandenen fünf Tonträger hatten die Gastgeber mit dem erwähnten Crowdfunding im vergangenen Jahr unterstützt. Neben diesen bat der Chor zudem ausgewählte Komponisten, eigens Stücke mit einem Bezug zu Schubert für das Projekt zu komponieren.

Schumacher war besonders geehrt, dass mit Alwin Schronen ein Komponist dieser Stücke anwesend war. Sein Werk „Ein heller, lichter, schöner Tag“ wurde neben den Schubert-Originalen wie „Frisch atmet des Morgens lebendiger Hauch“ und „Die Nacht“ mit einem beeindruckenden Chorklang und Präzision vorgetragen. Eingefangen von dem besonderen Klang des Ensembles, der die gesamte Halle auszufüllen schien, war die Begeisterung des Publikums schon während der Liedbeiträge zu spüren.

Ansager und Sänger Aren Hahn stellte den Männerchor Oberflockenbach zu Beginn des zweiten Programmteils vor. Den Anfang machte „O Sacrum Convivium“, ein weiteres Lied von Alwin Schronen. Daneben kamen unter anderem „Barbarossa“ von Friedrich Silcher und ein Udo Jürgens-Arrangement von Oliver Gies zum Vortrag. Ein besonderer Höhepunkt war „Trees“ des zeitgenössischen lettischen Komposition Ēriks Ešenvalds, bei dem der Chor den stimmungsvollen Gesang mit dem Klang von mit Wasser gefüllten Weingläsern mischte, die durch das Kreisen der Finger über den angefeuchteten Rand zum Singen gebracht wurden.

Beim zweiten Auftritt von Camerata Musica gab es eine Hommage an die King’s Singers zu hören, ein weltbekanntes Ensemble aus England. Die vorgetragenen Beiträge reichten von der Renaissance mit „Matona mia Cara“ von Orlando di Lasso über die Romantik mit „The winter is gone“ von Ralph Williams und einem modernen südafrikanischen Stück bis zum Abschluss mit dem Pop-Arrangement von „Eternal Flame“ durch Oliver Gies.

Jetzt waren die beiden Gastgeberchöre mit der Uraufführung des Stücks „Nachklang II“ dran, das Alwin Schronen eigens komponiert hatte. Es stellt das zentrale Element einer Trichotomie über das Leben Goethes dar. Karl berichtete über die Entstehung des Werks, welche er hautnah in der Zusammenarbeit mit Schronen miterleben durfte. Ein Gedicht Goethes an seine Frau beschreibt bildlich die Beziehung zur ihr in der Gestalt eines Blümleins. In Form eines Echos entstand dabei eine beeindruckende Klangwelt, die Schronen als Spiel zwischen den Chören entwickelt hatte.

Begleitet von tosendem Applaus betrat der Komponist nach Abschluss der Aufführung die Bühne und bedankte sich bei den zwei Chören und Hans-Joachim Karl. Als besondere Überraschung hatten diese zusammen mit Camerata Musica eine Aufführung von „Ergo Bibamus“, ebenfalls von Schronen, vorbereitet. Dieses Stück, so Karl, sei eines seiner bekanntesten Werke und werde von Chören Land auf, Land ab gesungen. Schronen kam der Bitte, es selbst zu dirigieren, begeistert nach.

Zum Abschluss trugen alle drei Chöre das äußerst klangvolle „Ave Maria“ in der Fassung von Franz Biebl vor. Karl überraschte dabei den jungen Nachwuchsdirigenten und Oberflockenbacher Sänger Alexander Schmitt und übergab ihm das Dirigat nach der ersten Hälfte des Stücks. Nach langen stehendem Applaus brachte Camerata Musica im Anschluss noch als Zugabe das lustige Lied „Zehn kleine Bierlein“ auf die Bühne.

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