Bei der Neuorganisation der Holzvermarktung für die Kommunen gibt es noch einige Unsicherh

Im Wald herrscht Unruhe. Die Vorgabe des Landes, dass die eigene Behörde Hessen Forst das Holz von Kommunen mit mehr als 100 Hektar Waldbesitz nicht mehr vermarkten darf, führte zu hektischen Aktivitäten, um eine neue Organisation zu gründen (wir berichteten). Beim Forstamt Beerfelden, das neben der Stadt Oberzent auch die beiden hessischen Neckarstädte Hirschhorn und Neckarsteinach sowie die drei Überwald-Kommunen betreut, ist man mit der Situation überhaupt nicht glücklich, machte Forstamts-Direktor Norbert Sasse bei der Versammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Südlicher Odenwald (FBG) deutlich.

Die Neustrukturierung war laut Sasse seit mehr als einem Jahr Thema. Nachdem aber das Kartellrechtsurteil gegen das Land Baden-Württemberg vom Bundesgerichtshof im Juni aufgehoben worden war, dachte er, „da wird sich doch nichts tun“. Pustekuchen. Obwohl es das benachbarte Bundesland war, reagierte Hessen im vorauseilenden Gehorsam. Grund ist wohl die Angst vor Schadenersatzforderungen. „Deshalb soll das Kartell aufgegeben werden.“

Das Problem dabei: „Wir wissen bis heute nicht, wie das aussehen soll“, monierte der Forstamtschef. Es gebe nur ein an die Kommunen adressiertes Schreiben vom Juli. Weitere Konkretisierungen: Fehlanzeige. Wenn der Kommunalwaldanteil in bestimmten Forstämtern mehr als 25 Prozent beträgt, müssen die in Zukunft ihr Holz selbst vermarkten, sollte der Waldbestand größer als 100 Hektar sein, erläuterte er. „Das betrifft ganz Südhessen.“

Der Privatwald ist davon nicht betroffen, sagte Sasse. Hier könnten alle Waldeigentümer weiterhin ihr Holz über Hessen Forst verkaufen lassen, das ja sowieso (auch für die Gemeinden) nach wie vor die Beförsterung übernimmt. Mitglieder der FBG mit weniger als 100 Hektar können dies ebenfalls in Anspruch nehmen. Sasse geht im Bereich des Forstamtsbereich Beerfelden davon aus, dass es eine Ausnahme für denjenigen gibt, der darüber liegt. Denn allein auf sich gestellt würde es keinen Sinn machen.

Der Forstamtdirektor wies darauf hin, dass es die Möglichkeit einer Förderung gibt, wenn die Gemeinden ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, sich also in Form eines Zweckverbands oder Anstalt öffentlichen Rechts zusammenschließen. 200.000 Euro im hiesigen Fall. Entsprechende Bestrebungen gibt es derzeit von den sechs Kommunen im Bereich des Forstamts Beerfelden, wo man aber über den Überwald hinaus bis ins Weschnitztal denkt. Grund: Ähnliche Waldstrukturen. Das Ried wiederum ist zu verschieden, um es mit aufzunehmen.

Eigentlich war Sasse der Meinung, „dass mit dem Urteil alles beerdigt ist“. Leider nahm die Sache stattdessen eher noch Fahrt auf. „Für uns ist das auch nicht schön“, betonte er. Da das Jahr inzwischen schon weit fortgeschritten ist, äußerte er seine Zweifel, ob die Änderungen überhaupt wie vorgesehen zum 1. Januar 2019 greifen werden. „Das wird immer unrealistischer.“

Der scheidende FBG-Vorsitzende Gottfried Görig ergänzte, dass man zwecks Vermarktung Kontakt mit der forstlichen Vereinigung Odenwald-Bauland aufgenommen habe. In dieser Genossenschaft seien unter den 33 Mitgliedern bereits Eberbach, Mosbach, Walldürn und Amorbach. „Für unsere Gemeinden wäre ein Beitritt machbar“, ergab sich aus Vorgesprächen. Die entsprechende Satzung für einen Zusammenschluss wird derzeit gerade vom Städte- und Gemeindebund geprüft.

Wald-Michelbachs Bürgermeister Dr. Sascha Weber, der ebenso wie sein Kollege Markus Röth aus Grasellenbach bei der Sitzung dabei war, betonte die Wichtigkeit, „dass sich die Kommunen einig sind und an einem Strand ziehen“. Die Waldbestände müssten von der Struktur her gut zusammenpassen. Derzeit liefen noch Gespräche mit Nachbargemeinden aus dem Bereich der Forstämter Lampertheim und Michelstadt, ob es dort auch Interesse gibt. „Wir haben in Oberzent und Wald-Michelbach eine stattliche Menge Wald (zusammen 4000 Hektar) und können den Weg vorschlagen“, so Görig.

Forstamts-Mitarbeiterin Gudrun Kranhold drückte im Sinne aller den Wunsch aus, dass die FBG als Gemeinschaft der Privat- und Kommunalwaldbesitzer weiter bestehen soll. Der neu gewählte Vorsitzende Ralf Kredel wollte dem Eindruck entgegentreten, dass sich die Gemeinden aus dem Vorstand zurückziehen. Es sei vor dem Hintergrund der Umstrukturierungen gewollt, dass der Vorsitz jetzt „in Privathand“ sei. Die Bürgermeister hätten weiterhin ihre Unterstützung zugesichert. Er äußerte seine Hoffnung, dass irgendwann das Gesetz wieder geändert werde und eine gemeinsame Vermarktung dann aufs Neue möglich sei.

Advertisements