Vielfältige musikalische Jubiläumsreise der Harmonie

Wer feiert, macht sich gern selbst das schönste Geschenk. Da bildete der Gesangverein Harmonie keine Ausnahme. Auf eine 140-jährige Geschichte blicken die Männer und Frauen des ältesten Vereins im Ort in diesem Jahr zurück. Bereits seit dem Frühjahr wurde auf die eine oder andere Weise gefeiert, jetzt stand das Highlight an: das Jubiläumskonzert im Haus des Gastes, bei dem sich der 45 Köpfe zählende Klangkörper prächtig mit Musik aus fünf Jahrhunderten präsentierte.

Eindrucksvoll schon der Beginn der vielfältigen musikalischen Reise mit Beethovens „Freude schöner Götterfunken“. Aus vielen Kehlen klang das Stück mächtig durch das Haus des Gastes und stieß auf viel Widerhall. Mit dem „Gedicht an die Freude“ von Schiller als literarischer Basis, bildete das Lied die letzte vollendete Symphonie des großen Komponisten. Seit 1985 ist Beethovens Neunte die offizielle Europahymne, erläuterte Vorsitzender Christof Klos zu Beginn. Er freute sich, dass so viele Gäste der Einladung gefolgt waren.

Im ersten Teil – wie der zweite auch unter der musikalischen Leitung von Dirigentin Ria Günther – wurde ein weiter musikalischer Bogen gespannt. Englische Madrigals, bekannte Melodien klassischer Operetten, aber auch Werke der deutschen Romantik waren zu hören. Eher zart, getragen, dann das mehrstimmige Madrigal des Engländers Thomas Morley, der es mit mehreren weltlichen Liedern schaffte, den musikalischen Ritterschlag zu erhalten und an den königlichen Hof berufen zu werden.

Auf „Drei schöne Dinge fein“ aus „Servia musicalis prima“ von Daniel Friderici aus dem Jahr 1614 folgte mit „Come again“ von John Dowland ein Lied, bei dem die – in der Überzahl befindlichen – weiblichen Stimmen Akzente setzten. „Die Harmonie der Ehe“ von Josef Haydn zeigte die verschiedenen Stimmlagen in perfekter Harmonie und machte deutlich, an welch schwieriges Liedgut sich der Chor zum seinem Jubiläum herangetraut hatte. Mehrstimmig und abwechselnd spielten sich Männer und Frauen die Bälle zu.

Mit den Gästen Elisabeth Nadler (Piano) sowie Susanne und Stephanie Phieler (Violine und Viola), unterstützt vom Stepptänzer und Schlagzeuger David Friederich, gab es als „Salon-Trio“ einen Break, bei dem sich der Chor eine Auszeit gönnen durfte. Vor allem die Stepp-Einlagen des Heidelbergers bekamen viel Applaus. Auch im zweiten Set durfte er noch einmal seine Künste zeigen.

Die Romantik mit der Suche nach Ausgleich in der Schönheit der Natur „ist hochaktuell und kein alter Kram“. Schumanns „Zigeunerleben“ kam sehr leidenschaftlich, lebendig, vielseitig, facettenreich rüber, dass es die Beine ins Zuckenbrachte. Rheinbergers „Abendlied“ wiederum, eine sechsstimmige Motette, stellte den Chor vor besondere Herausforderungen, die er trefflich meisterte. Offenbachs „Can-Can“ leitete über zum großen Finale im ersten Teil, „Im Feuerstrom der Reben“ aus der „Fledermaus“ von Johann Strauss. Liebe, Leidenschaft und Vergnügtheit sprudelten nur so aus den Stimmen.

Nach der Pause dann der Sprung in die Gegenwart. Stücke, mit denen die Harmonie bereits in den vergangenen Jahren zu hören war, wechselten sich ab mit neu einstudierten Liedern wie etwa „So soll es sein, so soll es bleiben“ von Ich & Ich. „Daran haben wir lange geprobt“, meinte Klos. Es hat sich aber ausgesprochen gelohnt, sagte er. Schon der Einstieg in die zweite Hälfte war monumental: „Conquest of Paradise“ von Vangelis ist aus dem gleichnamigen Film bekannt und zog in seinen Bann.

Natürlich kamen auch die Black Fööss mit „Katrin“ zu ihrem Recht – ein Song, der aus dem Repertoire des Gesangvereins nicht wegzudenken ist. Michael Jackson mit „We are the world“ und dem „Earth Song“ durften ebenfalls nicht fehlen. Gerade bei ersterem ist natürlich der Mitsingfaktor hoch. Eingestreut war wieder ein Instrumentalteil mit Stücken von Schostakowitsch, Lehar und Scott Joplin, bei dem unter anderem die weiteren Solisten Elina und Michael Feiertag (Violoncello und Kontrabass) sowie Peter Gaidarow (Violine 2) zum Einsatz kamen.

Dass nach „Thank you for the Music“, einer Abba-Hymne schlechthin, noch nicht Schluss sein würde, war mehr als klar. Denn das Lied begeisterte die Zuschauer in der Halle – ein paar mehr hätten noch reingepasst – logischerweise so, dass sie nach einer Zugabe verlangten. Was in Form dieser kommen würde, wussten die meisten: das „Schimmeldewäer Lied“.

Nach drei Stunden vollem musikalischem Programm konnten die Gäste dann in dem Bewusstsein nach Hause gehen, dass sie einem besonderen musikalischen Highlight im Ortsleben beigewohnt hatten. Gestern stand die Fortsetzung mit dem Freundschaftssingen an, bei dem 23 Vereine der Harmonie ihre Aufwartung machten.

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