Teufelsgeiger Roesch reißt es raus: „Garden of Delight“ in der Live Music Hall mit Folk, Country und von allem was

Der Funke will – zumindest zeitweise – nicht so richtig überspringen. Was „Garden of Delight“ in der Live Music Hall bieten, ist sehr gute musikalische Folk-Hausmannskost, gewürzt mit keltischen Elementen, abgeschmeckt mit ein paar Country-Songs, verfeinert mit Piraten-Zutaten und garniert mit Best-Of-Schlagsahne aus 20 Jahren. Das Salz in der Suppe fehlt aber irgendwie. Es klingt etwas nach Einheitsbrei: wenig Variationen beim Schlagzeug, das ähnliche Spiel der akustischen Gitarre – aber die prägnante Geige, die zum Glück immer wieder für ein Aha-Erlebnis sorgt.

Dass die Truppe um Michael Jung und „Teufelsgeiger“ Dominik Roesch deutlich besser kann, hat sie in den vergangenen Jahren in der Region schon oft bewiesen. Doch als Trio fehlte den einzelnen Stücken irgendwie der Biss, die Fahrt, die Begeisterung, der Drive. Der E-Gitarrist konnte kurzfristig nicht dabei sein, war vor Ort zu hören. Das machte viel aus, denn dann wäre der Auftritt eine völlig andere Sache gewesen. Die Songs kommen zu viert deutlich rockiger rüber, Geige und Gitarre spielen sich die Bälle zu, die Lieder leben durch mehr Abwechslung.

Immer wenn Roesch seine Geige ertönen lässt, kommt die Menge vor der Bühne in Bewegung. So etwa bei „Fire“ aus dem Blackbeard-Album von 2012. Die Leute hüpfen, tanzen, klatschen. Der Geiger macht es ihnen auch in Vollendung vor. Roesch ist immer in Bewegung, schwingt den Geigenbogen, springt selbst beim Spielen, kann nicht ruhig stehen. Er lebt seine Musik, bringt seine Begeisterung rüber, versucht immer mal wieder das Publikum zu animieren. Wenn er die Geige an den Hals legt und zu spielen anfängt, taucht er völlig in seine Welt ab.

Lediglich Jungs akustische Gitarre, seine sonore Stimme, die selten die Oktaven wechselt, seine eher minimalistische Mimik, plus das sparsam eingesetzte Schlagzeug hätten die Stücke nicht tragen können. Da klangen drei Lieder am Stück wie die Variation eines einzigen. Roesch reißt es raus. Er holt die unglaublichsten Töne aus seiner Geige heraus und singt noch dazu Background. Mit ihm wird es fetziger Celtic Folk, wo es vorher ohne Geige nach gemächlichem Country auf einem staubigen US-Highway klang. Wenn er dann neckisch das Keltenröckchen hebt, erklingen ein paar spitze Schreie aus der ersten Reihe.

20 Jahre gibt es Garden of Delight oder G.O.D. bereits. Beste Bedingungen für ein Best-Of aus dieser Zeit, garniert mit ein paar prägenden Songs, die die Musiker oder zumindest Michael Jung während zwei Jahrzehnten beeinflusst haben. „Es kommt mir vor wie gestern, als ich mit sieben die Band gegründet habe“, scherzt er. Folk, Country und Gothic nennt Jung als Einflüsse. Etwa „Redemption Day“ von Johnny Cash, das im Anschluss gespielt wird. Oder „Camouflage“ von Stan Ridgway.

Die etwas verhaltene Reaktion im Publikum zeigt, dass die Band eigentlich eher mit Folk oder Rock verbunden wird. Wenn dann „The Tramp“ aus dem ersten Album, der Piratensong „Go Sailing with us“ oder „Hopeless Rolling Stone“ angestimmt werden, geht es deutlich mehr ab. Wobei vom Frontmann auch zu wenig kommt, um die Lücken vor der Bühne zu füllen.

Reine Liedansagen, nachdem zwischen jedem Song erst einmal kommentarlos die Gitarre gestimmt wird, tun es halt nicht. Ein Profi wie Jung sollte es draufhaben, auch bei halb gefüllten Saal die Stimmung kräftig hochzupushen. Das haben in der „Hall“ schon ganz andere Bands vorgemacht, die weit weniger Publikum hatte. Da kochte die Meute. Der Eindruck drängt sich auf, dass bei aller hochprofessionellen Musik, sauber gespielt, perfekt dargeboten, die Motivation an diesem Abend nicht die Beste ist.

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