Melodiöse, mystisch-mittelalterliche Klänge von Minotaurus in der Music-Hall

Mächtige metallische, aber gleichzeitig melodiöse Klänge, etwas mystisch mittelalterlich angehaucht: Was die Band „Minotaurus“ auf die Bühne der Music Hall bringt, ist abwechslungsreich, verspielt, gut gemacht, professionell – aber leider nicht von gutem Besuch gekrönt. Die sechsköpfige Truppe aus dem Aschaffenburger Raum lässt sich aber nicht davon beirren, dass sie jeden Gast einzeln begrüßen kann, sondern zündet auf der Bühne ein musikalisches Feuerwerk, das sich hören und sehen lassen kann. Vorbands waren „Une“ und „Inner Core“.

Minotaurus-Frontmann und Sänger Oliver Klump wird nicht müde, die Fans vor der Bühne zum Mitklatschen und Mitsingen zu animieren. Die Songs haben das Potenzial dazu, denn sie sind – auch wenn die Band ihren Stil als Folk-Metal beschreibt – sehr melodisch angehaucht. Reiner Zumkeller (Lead-Gitarre und Background-Vocals) hat daran einen großen Anteil. Seine Soli kommen warm und voll rüber, keine Spur von schrillem Gejaule, wie man des Öfters bei Metal-Bands beobachten kann. „Primal Fear“ vor kurzem in Mannheim waren ein Beispiel dafür, wie eigentlich gute Studiosongs in einem Live-Gitarrengewitter untergehen können, dass es den Ohren graust.

Heavy Metal oder Hardrock mit mittelalterlichen oder Folk-Anklängen ist derzeit sowieso stark angesagt. Saltatio Mortis aus dem Karlsruher Raum sind ein treffendes Beispiel für Gruppen, die den Schritt vom historischen Markt an die Spitze der deutschen Charts längst geschafft haben. Auch „In Extremo“ spielte schon in Wacken. „Leaves Eyes“ mit Mitgliedern aus Ludwigsburg bedienen sich erfolgreich der nordischen Mythologie. Also beste Bedingungen für „Minotaurus“ aus dem Aschaffenburger Raum, in diesem Genre ebenfalls zu reüssieren.

Während der Minotaurus im Altertum als furchteinflößende Gestalt, halb Mensch, halb Stier, sein Unwesen trieb, hat er heute als Maskottchen der Folk-Metal-Band eine wesentlich angenehmere Beschäftigung. Mit insgesamt neun Studioalben hat sich die sechsköpfige Truppe in den letzten fast 25 Jahren ein solides und abwechslungsreiches Repertoire aufgebaut, das auf der Bühne mit ungebrochenem Enthusiasmus in Rüstungen und Gewandungen dargeboten wird.

Das authentische Gesangsduo an der Spitze, zu dem neben Klump auch Clarissa Hobeck zählt, wird flankiert von einem kraftvollen Instrumentalgespann mit Jürgen Hermann (Gitarre), Marcus Finger (Bass) und Rouven Zumkeller (Drums). Das Sextett entführt das Publikum in eine faszinierende Welt aus Mythen, Legenden und Heldengeschichten. Mit dem Schlachtruf „Holla die Waldfee“ in den Kehlen, mal düster, mal fröhlich und niemals zu ernst präsentiert Minotaurus eine mitreißende Bühnenshow.

Mit „The lonely dwarf“, „Father and son“, „Fighting for nothing“ oder „Warriorhearts“ aus dem Film „Kriegerherzen“ zeigt die Band ihre enorme Spannbreite. Jeder Song ist quasi eine eigene Geschichte mit verschiedenen Erzählsträngen, die eindrucksvoll, mit diversen Tempiwechseln, ausgebreitet wird. Von der aktuellen Scheibe „Insolubilis“ geht es weit zurück in die Bandgeschichte, wenn mit „Minotaurus“ aus „Path Of Burning Torches“ von 1999 ein Klassiker ausgekramt wird.

Immer wieder feststellbar: Zumkellers Gitarrenspiel und die Songstrukturen haben teilweise Anklänge an die ebenfalls leicht mystisch angehauchten Stücke von Iron Maiden, besonders ab dem 1984er-Powerslave-Album. Dass der zweite Gitarrist Jürgen Hermann ab und zu auch ein Solo raushauen darf, macht die Stücke abwechslungsreich.

Epische Songs, klassische Power Metal-Riffs und gut dosierte Folk-Elemente bilden das Rückgrat der Stücke, die es teilweise auch mit deutschen Texten gibt („Hinterhalt“). Der musikalische Weg der Band ist abwechslungsreich: Nach zwei krachenden Folkmetal-Alben ging man Mitte der 2000er Jahre bewusst gemäßigtere Wege und brachte mit „The Silent Cave“ Acoustic-Stücke heraus. Die Songs besingen die romantische Facette der oftmals auf Lauten dargebotenen Musik des Mittelalters.

Nach mehreren Besetzungswechseln wagte sich die Band auf ihrem achten Silberling „The Call“ wieder an neue Ufere: Härter, moderner und aufwendiger klangen die Songs, mit denen Minotaurus die Neuzeit einläutete. Ihre musikalischen Wurzeln verlieren die Aschaffenburger aber niemals aus den Augen. In ihrer mittlerweile fast 25-jährigen Existenz haben sie stets ihre musikalische Eigenständigkeit bewahrt und das soll auch in Zukunft so bleiben.

Zum Bericht geht's hier: https://ueberwaelder.wordpress.com/2018/10/22/melodioese-mystisch-mittelalterliche-klaenge-von-minotaurus-in-der-music-hall/LIVE MUSIC HALL WeiherMinotaurus official

Posted by Thomas Wilken on Monday, October 22, 2018

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