Holzvermarktung muss neu geregelt werden – noch keine Lösung in Sicht

Still ruht der Wald. Nachdem das Land Baden-Württemberg im Kartellrechtsverfahren über die Holzvermarktung durch die Forstämter einen Kürzeren zog, hatte sich auch das Land Hessen damit zu beschäftigen. Mit dem Ergebnis, dass Hessen Forst zwar weiterhin die Beförsterung übernehmen darf. Aber nicht mehr die Holzvermarktung, wenn die Flächen größer als 100 Hektar sind. Abtsteinach hat 109 Hektar, fällt also unter diese Vorgabe. Im Haupt- und Finanzausschuss berichtete Bürgermeisterin Angelika Beckenbach über die Bemühungen, Alternativen zu finden.

„Die Kommunen im Forstamtsbezirk Beerfelden haben sich bisher um den Wald und seine Bewirtschaftung keine großen Gedanken machen müssen“, sagte sie. Mit einem Beförsterungsvertrag wurden alle Aufgaben rund um den Wald erledigt. „Ein sogenanntes Rundum-sorglos-Paket zur Zufriedenheit der Kommunen.“ Nach Gesprächen zwischen dem Land und dem Bundeskartellamt kann das bisherige Betreuungsangebot einschließlich Beförsterung von Hessen Forst aufrechterhalten werden, erläuterte sie.

Anders sieht es jedoch bei der Holzvermarktung aus. Ab dem kommenden Jahr darf Hessen Forst, im Abtsteinacher Fall also das zuständige Forstamt Beerfelden, nur noch für Gemeinschaftswald und für Forstbetriebe von Privat- und Kommunalwaldbesitzern mit einer Fläche von weniger als 100 Hektar den Holzverkauf übernehmen. Dies bedeutet laut Beckenbach, dass die Gemeinde die Holzvermarktung neu strukturieren muss. Verträge, die bis Jahresende abgeschlossen werden, dürfen noch bis 30. September 2019 abgewickelt werden. In der Vergangenheit fanden ihren Worten zufolge bereits mehrere Gespräche statt, die als Lösungsansätze die Gründung eines Zweckverbandes oder einer Holzvermarktungsgesellschaft nannten.

Hessen Forst erarbeitete ein neues Modell, das vom Ministerium als Konzept dem Bundeskartellamt vorgelegt wurde, sagte die Bürgermeisterin. Danach sollen mehrere regionale Holzverkaufsorganisationen gegründet werden. Sechs wären denkbar, wobei die Waldbesitzer Wahlfreiheit hätten, ob sie so große Organisationen überhaupt gründen bzw. sich an den entsprechenden beteiligen wollen. „Das Land selbst wird keine gründen“, so Beckenbach. Die Waldbesitzer müssten dies in Eigeninitiative umsetzen.

Für Südhessen würde sich die vom Land vorgeschlagene Vermarktungsorganisation zusammensetzen aus den Forstämtern Hanau-Wolfgang, Groß-Gerau, Langen, Darmstadt, Dieburg, Lampertheim, Michelstadt und Beerfelden. Die Größe orientiere sich am Einschlag von etwa 250.000 Festmeter. Allerdings dürfte dieses Modell Beckenbach zufolge „vom Tisch“ sein, weil es zu groß angelegt ist. Sie machte aber auch klar, dass es keinen Holzverkauf geben kann, solange nicht alles vertraglich geregelt ist. Sollte also im kommenden Frühjahr ein Sturm wüten, könnten die betroffenen, beschädigten oder abgeknickten Bäume zwar eingeschlagen werden, müssten aber vorerst im Wald liegen bleiben.

Da die vom Land vorgeschlagene Lösung als zu große Einheit angesehen wird, fanden zwischenzeitlich Gespräche mit Kommunen, Forstämtern und dem Grafenhaus Erbach-Fürstenau in den Forstamtsbezirken Lampertheim, Michelstadt und Beerfelden statt, so die Rathauschefin. Hintergrund ist die Beratung über die Gründung einer eigenständigen, wirtschaftlich tragfähigen kommunalen Holzvermarktungsgesellschaft oder eines Zweckverbandes für diesen Bereich. Hier ist man noch in Gesprächen, sagte sie.

Als drittes gibt es noch das Modell „Forstbetriebsgemeinschaft Südlicher Odenwald“. Denn prinzipiell seien auch noch kleinere Organisationseinheiten auf Ebene der Forstämter oder der Forstbetriebsgemeinschaften (FBG) denkbar. „Auch hierzu sind die Beratungen innerhalb der sechs Kommunen der FBG noch nicht abgeschlossen“, teilte Beckenbach mit.

Einer Einbindung der Privatwaldbesitzer in eine neue Organisation steht derzeit noch die hessische Gemeindeordnung entgegen. Über eine Änderung des Landesrechts werde beraten. Der Haupt- und Finanzausschuss nahm den Sachverhalt zur Kenntnis. Der Gemeindevertretung wurde empfohlen, den Gemeindevorstand mit den vorbereitenden Arbeiten zur Gründung eines Zweckverbandes oder einer Holzvermarktungsgesellschaft zu beauftragen.

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