Kohlenmeiler auf der Raubacher Höhe schwelt noch bis Samstag vor sich hin

Petrus hat doch einen etwas merkwürdigen Sinn für Humor. Wochenlang hatten Gesangverein Harmonie und FC Odin als Veranstalter der Köhlerwoche bis Ende Juli auf den erlösenden Regen gehofft. Vergebens: Der Event konnte wegen zu hoher Waldbrandbrandgefahr nicht durchgeführt werden. Jetzt, beim Nachholtermin, öffneten sich abends die Schleusen weit, sodass gefühlt all das auf einmal vom Himmel kam, was vorher gefehlt hatte.

Der Kohlenmeiler schwelt noch bis Samstag vor sich hin: Die Köhler Achim Sauer und Jürgen Walter entzündeten den schwarzen Klops mit seinen 32 Raummetern Buchen- und Eichenholz noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die kam am Nachmittag hinzu, erfreute sich am Anblick des rauchenden Ungetüms und an den kulinarischen Angeboten der beiden Vereine. Bis Samstag, 15. September, empfangen die ihre Gäste auf dem Festplatz bei der Raubacher Höhe werktags ab 16 Uhr, Samstag und Sonntag ab 11 Uhr.

Nach der Absage Ende Juli war nicht klar, ob die Veranstaltung überhaupt noch gestemmt werden könnte, denn sie bedeutet einen riesigen Aufwand an organisatorischer Vorarbeit. Sauer und Walter machten aber klar: „Wir brennen die Kohlenmeiler auf jeden Fall ab.“ Denn ein Abbau des Kolosses wäre viel zu aufwändig gewesen. Und zwei Jahre lang stehen lassen kam für sie nicht in Frage. Das Fest hilft daneben dabei, die entstandenen Unkosten zu decken.

So wurde ein Rahmenprogramm „light“ gestrickt, das nun bei entsprechender Feuchtigkeit greifen kann. Für die kommenden Tage ist herrliches Spätsommerwetter vorausgesagt. Beste Bedingungen. Nachdem jetzt alles gut durchfeuchtet ist. Die Nachhol-Köhlertage mussten etwas improvisiert werden, da nicht mehr so viele Helfer wie in den Sommerferien zur Verfügung stehen und andere Verpflichtungen wieder angelaufen sind.

Aber das war für die Organisatoren ein lösbares Problem. Die Köhlerarbeit verteilt sich einfach auf vier Schultern. Neben Walter und Sauer, die nicht mehr die komplette kommende Woche Urlaub haben, helfen auch Helmut Knapp und Ramon Jöst bei der „Schwarzarbeit“ mit. Harmonie-Vorsitzender Christof Klos äußerte zu Beginn seine Freude darüber, jetzt doch noch zur Tat schreiten zu dürfen.

In den ersten drei Tagen wurde der Kamin alle zwei bis drei Stunden (rund um die Uhr) von oben mit Kleinholz befüllt, damit er nach unten durchbrennt, erläutert Achim Sauer. Erst dann frisst sich die Kokelei von innen nach außen durch. Nach dem dritten Tag wird von außen die Luftzufuhr geregelt, indem immer mal wieder Zuglöcher hineingestochen werden. Bis Sonntagabend waren die beiden langjährigen Köhler 24 Stunden vor Ort, um ihr „Kind“ zu überwachen.

Seit über 30 Jahren pflegen die beiden Vereine schon das alte Handwerk, das früher in den Odenwalddörfern weit verbreitet war. In Schönmattenwag war es etwa Adam Knopf, der es noch von der Pike auf gelernt hatte und an den eine Gedenkplatte auf dem Festplatz erinnert. Rund um den Meiler lässt sich daneben Verschiedenes rund um das alte Handwerk in Erfahrung bringen.

Das uralte Geschäft mit der Kohle ist die arbeitsintensive Seite der Köhlerwoche. Viel wichtiger ist den Veranstaltern jedoch die erlebbare Tradition des „Kohlebrennens“, mit der sie auch ein stückweit dem Raubacher Jockel, der bekanntermaßen zu Lebzeiten gleichfalls mit der Köhlerei seinen Unterhalt bestritt, wenige Meter oberhalb seines Heimatortes eine Referenz erweisen.

„Viele warteten darauf, dass die Köhlerwoche doch stattfindet“, erklärt Jürgen Walter die Motivation. Das Interesse bei der Ortsbevölkerung ist groß. Noch vor der offiziellen Eröffnung kamen sogar ein paar Mannheimer vorbei, die den verfrühten Tipp übers Radio gehört hatten. Die blieben natürlich nicht unversorgt. Wie überhaupt das Köhlerteam klar macht: „Wer mittags reinschaut, bekommt logischerweise auch eine Bratwurst und ein Bier.“ Morgens sind die beiden Köhler beim rustikalen Frühstück anzutreffen, von dem sie ebenfalls eine Tasse Kaffee für frühe Wanderer entbehren können.

Um die 100 Helfer aus den beiden Vereinen, aber auch aus den Ortschaften, stemmen die zehn Tage. Die bekannten unterschiedlichen Tagesessen gibt es dieses Mal jedoch nicht, ebenso kommen keine Steaks auf den Teller. Bratwurst, Bratkartoffeln, Köhlerpfanne und Kochkäse sind wie bewährt im Angebot. Auch an Getränken herrscht kein Mangel. Nachmittags werden Kaffee und Kuchen aufgetischt.

Sauer und Walter schätzen, dass sie ab Mittwochabend die Kohle rausholen können, der Meiler also entsprechend runtergebrannt ist. Donnerstag und Freitag soll sie dann verkauft werden. Das Besondere an der gewonnenen Holzkohle ist der hohe, 95-prozentige Anteil von Kohlenstoff. „Die gibt mehr Hitze und brennt länger“, betont Sauer. 100 Kilo Holz ergeben etwa 20 bis 25 Kilo Holzkohle, weiß er aus Erfahrung.

Info: Zu erreichen ist der Festplatz auf der Raubacher Höhe bequem mit dem Pkw über Ober-Schönmattenwag oder Finkenbach, der Kreisstraße 37 Richtung Raubach folgend. Gleichfalls bietet sich der Kohlenmeiler auch als leicht zu erreichendes Wander- oder Fahrradziel an, so etwa von Ober-Schönmattenwag aus durch das Ellenbachtal mit dem sanften Anstieg zur Raubacher Höhe. Damit vermeidet man die gerade an den Wochenenden aufwändige Parkplatzsuche.

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