Heiße Hardrock-Sause mit „Hardbone“ in der Music Hall Weiher

Was für ein Hardrock-Kracher. Und das leider vor so wenigen Leuten in der „Music Hall“. Wer beim Konzert von der Hamburger Band „Hardbone“ nicht dabei war, hat in Sachen authentische, handgemachte, exzessive, mit Haut und Haaren gelebte Musik wirklich was verpasst. Die fünf Bandmitglieder fetzen los, als gäbe es kein Morgen, als würde der Saal aus allen Nähten platzen, als würden ihnen die Fans in Massen entgegenbrüllen. Mit pulsierender Energie flirrt der Saal förmlich. Flotte Sprüche, ehrlich, rau, rotzig, straight: Genau so wünscht man sich eine Hardrock-Band.

Sänger Tim Dammann lässt sich von den wenigen Gästen vor der Bühne nicht aus der Fassung bringen. Er schafft es, die mit lockeren Sprüchen zu mobilisieren, dass gefühlt mindestens doppelt bis drei Mal so viele im Saal sind. „Das wird eine etwas intimere Party“, grinst er. Genüsslich zelebriert er das Klischee vom Bier trinkenden, kräftig feiernden Rocker, der die Fans animiert, es ihm nachzutun und an der Theke dafür zu sorgen, dass die trotz des schmalen Besuchs guten Umsatz macht.

Mehr Publikum sind die fünf harten Jungs aus dem Norden sicher gewöhnt. Denn dieses Jahr enterten sie in Wacken die Headbangers Stage und waren nach Weiher beim „Werner-Rennen“ auf dem Flugplatz Hartenholm dabei. Das sind andere Dimensionen. Doch den wahren Profi kennzeichnet, dass man ihm die Leidenschaft für seine Musik immer anmerkt, egal ob es 20, 200 oder 20.000 Besucher sind. Und nach diesem Maßstab gemessen, brennen Sebastian Kranke (Leadgitarre), Tommy Lindemann (Rhythmusgitarre), Tim Schwarz (Bass) und Benjamin Ulrich (Drums) für ihre Musik.

„Mit mittlerweile vier veröffentlichten Studioalben im Rücken ziehen Hardbone jedem Rockfan das Trommelfell über die Ohren“, beschreibt sich die Band gerne selbst. Stimmt. Es war laut. Die fünf Jungs legen vor allem Wert auf den dreckigen und Bier-getränkten Rock’n’Roll der guten alten Schule. Mit einer absoluten Hingabe. Die vier Frontleute sind ständig quer über die Bühne in Bewegung, es fliegen die langen Haarmähnen, kreisen die Arme über den Gitarrensaiten, hauen Kranke und Lindemann wechselseitig die fetzigen Soli raus.

Auch so: die Musik. Hardrock at ist best. Schon bei den ersten Tönen horchen die Fans auf. Das klingt doch wie – genau, AC/DC. Allerdings zu ihren besten Zeiten und nicht im Niedergang begriffen mit Axl Rose am Mikro wie bei der letzten Tour. Warum haben die Australier eigentlich nicht Dammann als Ersatz für Brian Johnson verpflichtet? Der hat die perfekte Reibeisenstimme, ist ein Entertainer erster Güte, lebt und liebt seine Musik und bringt das auch rüber, ohne abgehoben zu sein.

„Tailor-Made“ heißt die aktuelle Scheibe des Fünfers, aus dem es natürlich viele Stücke zu hören gibt. Verbunden logischerweise mit dem dezenten Hinweis, dass es die CD am Merch-Stand neben der Bühne zu kaufen gibt – wie auch ein paar andere Devotionalien der Band. 110 Prozent Rock’n’Roll hat sich die Gruppe auf die Fahnen geschrieben. Stimmt nicht, es sind eigentlich 150 oder mehr. Die knallen den Abend rüber eins nach dem anderen in die Zuschauer.

Andere Bands können sich eine Scheibe davon abschneiden, was da an Power von oben kommt. Heulende Gitarren, krachende Soli, ein Sänger, der sich die Seele aus dem Leib röhrt, in den Songs aufgeht. Schwarze Hosen, schwarze T-Shirts, schwarze Jeansjacken: Fertig sind harten Rocker aus dem Norden, die mit Hamburger Schnauze und viel Humor die Süddeutschen begeistern.

Wie die Stimme, so auch die Gitarren: Es klingt ziemlich Young-Brüder-lasting, was Kranke und Lindemann da an Soli zelebrieren. Aber immer mit dem guten Touch an selbstgemachten, was sich durch die ganzen Songs zieht. Stampfer-Rhythmen, kurz, knackig, auf dem Punkt, ohne viel unnötiges Beiwerk rausgehauen, dass sie dem Rockfan nur so um die Ohren fliegen. Dazu noch beim Headbanging vier Mal fliegende Haare von oben, dass das Publikum unten mit schütterem Kopfbesatz nicht mithalten kann.

„SpiteFuel“ aus dem Raum Heilbronn hatten als Opener angesichts der überschaubaren Gästezahl eine undankbare Aufgabe. Die Heavy Rock Band, stilistisch zwischen klassischen Metal und Hard Rock angesiedelt, machte ihre Sache aber sehr gut, indem sie gekonnt Härte und Melodie zu einer authentischen Symbiose brachte.

Zum Bericht geht's hier:…

Posted by Thomas Wilken on Friday, September 7, 2018

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