„Völlig begeistert von der Resonanz“: Stoewer war Ehrenmarke bei Classic Gala

Manfried Bauer ist immer noch ganz hin und weg, wenn er über die Classic-Gala in Schwetzingen spricht. Der Chef des Wald-Michelbacher Stoewer-Museums war mit drei seiner chromblitzenden Fahrzeuge im Schlossgarten dabei. Insgesamt waren es 15 Oldtimer des ehemals drittgrößten deutschen Autoherstellers, die als „Ehrenmarke 2018“ gleich nach dem Eingang die Blicke der Besucher auf sich zogen. Bauer freute sich sehr über die Würdigung von Stoewer. „Es ist bestimmt 30 Jahre her, dass so viele Fahrzeuge dieser Marke zusammen zu sehen waren“, meinte er begeistert.

Doch im Schlossgarten gab es noch viel mehr zu sehen. 180 Oldtimer-Besitzer hatten sich angemeldet, bei 250 zogen die Veranstalter die Notbremse und machten die Tore zu. Denn genauso viele Unterleg-Bleche gab es, damit die etwas undichten Oldtimer nicht ihr Öl auf dem heiligen Kies verloren. Das herrliche Wetter am Samstag und der zumindest quasi trockene Sonntag sorgten dafür, dass der bisherige Besucherrekord mit 25.000 Gästen geknackt wurde. Der „Nachteil“: Die Fahrzeuge kamen ziemlich verstaubt zurück: „Ich war einen Tag lang am Putzen“, lachte der Wald-Michelbacher.

„Was da an Autos aufgeboten wurde, sieht man sonst nie in dieser Größenordnung“, zollte er Organisator Johannes Hübner ein großes Lob. Nach der Kleinwagen- und Rolls-Royce-Parade am Samstag waren am Tag später auch die die Stoewer-Fahrzeuge dran. „Das habe ich kurzfristig mit Hübner ausgemacht“, schmunzelte Bauer. Denn die Ehrenmarke sollte natürlich auch mit einem Korso gewürdigt werden.

„Es gibt nur noch 260 Stoewer-Autos weltweit“, erläuterte Bauer. Davon 15 auf einem Fleck: Das ist schon eine tolle Leistung, die ihn glücklich machte. Denn er kümmerte sich im Vorfeld darum, dass der Marke der gebührende Platz zukommt, den sie aufgrund ihrer Konstrukteursleistung auch verdient. Der Stoewer G 4 war der erste Topseller. Von dem Vierzylinderwagen mit 1,5-Liter-Motor wurden von 1908 bis 1910 insgesamt 1070 Exemplare in mehreren Karosserievarianten gebaut.

Stoewer brachte 1928 mit den Typen S8 und dem größeren G14 etwa zeitgleich mit Horch die ersten deutschen Achtzylinderwagen auf den Markt. Das erste deutsche Auto mit Frontantrieb, ab 1931 gebaut, war ein Stoewer V5, es folgten die bekannten Modelle Greif, Sedina und Arkona. Ab Mitte der 1930er Jahre wurde der Betrieb im Zuge der Aufrüstung in die zentral gelenkte Rüstungsproduktion eingebunden.

Der Arkona von 1939, der das Veranstaltungsplakat als Blickfang vor dem Schloss zierte, wurde von Bauer Ende der 90er Jahre als Unikat aus den USA zurückgeholt. „Ich fand das Auto dort völlig zugemüllt als Schrottwagen“, blutete dem Stoewer-Liebhaber das Herz. Zurück in Deutschland, dauerte die Restaurierung nach Original-Vorgaben viereinhalb Jahre. Ein kleines Fotoheftchen, das Bauer immer dabei hat, zeigt die Anfänge der Arbeiten bis hin zum jetzigen Auto, das in der Sonne nicht mehr wiederzuerkennen funkelt.

„Ich bin völlig begeistert von der Resonanz“, sagte Bauer im Rückblick. Quasi nonstop seit Freitagnachmittag stand er den Oldtimer-Liebhabern Rede und Antwort. Für ihn war es „unglaublich, wie Stoewer auf den Schild gehoben wurde. Das hat es bei einer Veranstaltung noch nie gegeben“. Fünf der Fahrzeuge erhielten einen Preis bei der Prämierung, darunter auch Bauers C2 von 1913. Jedes Auto wurde auf eine hohe Rampe gefahren und mit Besitzer und Renovierungsanstrengungen vorgestellt. Außerdem wurde noch die Stoewer-Gesamtgruppe mit einem Pokal ausgezeichnet.

Während der drei Tage hatte Bauer auch viel Besuch aus dem Odenwald. Einige Wald-Michelbacher kamen vorbei, andere Gäste wiederum „wussten gar nicht, dass es mein Museum im Überwald gibt“, beobachtete er. Manfried Bauer nutzte die Gelegenheit, Werbung für den Ort und seine Attraktionen zu machen. Denn es schauten auch Stoewerfreunde aus Norddeutschland, Nordrhein-Westfalen und der Schweiz vorbei.

Langeweile kam nach der Riesen-Veranstaltung nicht auf. Kaum blitzten nach der Wiener-Aktion die Fahrzeuge wieder, schaute auch schon die nächste Besuchergruppe auf Einladung der Odenwälder Zeitung im Wald-Michelbacher Stoewer-Museum vorbei. Das hat jeden ersten Sonntag im Monat in der Michelstraße 2 von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Advertisements