Neuer Siedelsbrunner Kerweparre geht gleich in die Vollen

Heureka. Siedelsbrunn hat einen neuen Kerweparre mitsamt Mundschenk. Der bisherige höchste Repräsentant der tollen vier Tage, Björn Stein, wollte eigentlich schon im vergangenen Jahr Schluss machen, da er bereits zehn Mal der Kerwe seine Stimme geliehen und seine Leber geopfert hatte. Auch Mundschenk Jonas Röth wäre mit abgetreten. Doch es fanden sich keine Nachfolger. Die kamen jetzt als Überraschung auf die Bühne: Jannik Ehret ist neuer Kerweparre, als sein Getränke reichender Adjutant fungiert Bastian Schmidt.

Mit dem Verlauf des höchsten Festes im Jahreslauf zeigte sich Ortsvorsteher Helmut Gremm zufrieden. Die beiden Musikabende mit den „Knetkepp“ und „Thousand Years Later“ (TYL) waren sehr gut besucht. Wie auch der Sonntagnachmittag mit der Übergabe des Weinkrugs an die neue Regentschaft unter Teilnahme der beiden leibreizenden Kerwemädchen Jaline Cee und Michele König. „Manchmal gab’s zwar an dem Tag nur Stehplätze“, blickte Gremm auf die glorreichen früheren Jahre zurück. Aber auch dieses Mal füllten viele Gäste das Zelt auf dem alten Schulhof.

Vorgeschaltet waren dem Stochern in den örtlichen Begebenheiten der sonntägliche Gottesdienst und der Mittagstisch mit Odenwälder Hochzeitsessen, Tafelspitz mit Meerrettich. Die Straßenmusikanten der KKM Ober-Abtsteinach sorgten für Gaudi, ehe dann der Einzug der Kerwe-Gladiatoren folgte. Björn Stein hatte auf weniger Seiten als sonst niedergeschrieben, was im Ort so alles passierte – kein Wunder, denn sein Nachfolger hatte auch einiges in petto.

Stein ging auf die schwierige Suche nach dem Nachfolger-Parre ein: „Die meischde wern sisch froche warum schun wirra isch uff de dere Lada du hocke. Mer hawwe leider koan Nochfolger g’funne – glabt mer’s, misch dut des ganz a ziemlich schocke.“ Die Lösung deutete sich schon an: „A online wollt isch schun oana bestelle mit Amazon Prime gäiht des normal uff die Schnelle. Normal kriege die alles hi – es is hoalt en grouße Lade, awwer uff die Lieferung du isch bis heit noch warte.“ Doch sie kam natürlich, der Paketbote rollte die Gitterbox mit neuem Regenten herein.

Zeit für ein Resümee von zehn Kerweparre-Jahren: „De Jonas un isch hawwe uns en Haufe Gedanke gemacht, welche vergangene un aktuelle G’schische sin heit in de Keweredd oagebracht. In de letzschde zäihe Joar sin bassiert sou veel unglaublische Sache, die Highlights du isch jetzt korz Revuee passiern lasse. In Summe hawwe mehr iwwer 100 Stories verfasst, die lustische Vorfällle hawe mehr immer ans Lischd gebracht.“

Ein paar Geschichten hatte er parat, etwa die von Siedelsbrunner Ehepaar auf dem Weihnachtsmarkt in der Großstadt Mannheim: „Kaum warn se am Wassertum oagekumme, hoat se die Weihnachtsstimmung in ehrn Bann genumme. Aus dem Lichtertraum wurde se leider abrupt geweckt, weil vun hinne wurde se vun nem blaue Polizeilicht erschreckt. Der Polizist hoat glei die Fahrzeugpapiere gewollt, weil unsa zwo Siedelsbrinner sin hoalt mim Auto iwwer der Weihnachtsmarkt gerollt.“

Nachfolger Jannik Ehret hatte gleich ein paar delikate Ereignisse aus dem Ort aufgeschrieben.  „Im letztschte Johr stand ich hier noch als en Boschd, und heit als Kerwepaff mit großem Doschd“, meinte der. Mit einer guten Portion Selbstironie begründete der Kerweparre, warum er nicht auf die traditionelle Leiter stieg: „Des bricht natürlich die Kerwetradition, hott awwer eh ganz logische Thematik, des Bauamt hott Ängscht wenn ich druff sitz um dere Laader ihr Statik.“

Dass das Bürgerhaus am Kerwefußballspieltag anderweitig vergeben war und man nach Ober-Abtsteinach ausweichen musste, kreidete der Kerweparre der Gemeinde mit Nachdruck an: „Ende April ists beim Kerwe-Orgateam oigeschloche wie en Blitz, unsern Sportplatz ist Samstags vergewe, des is doch en Witz.“ Die Klage: „Des Management drunne in Michelboch des is so schlecht, do häwwe se wirklich verdient die ‚Goldene Siedelsbrinner Kloberscht‘.“

TYL rockte den Samstagabend. Katharina Zink, Timo und Tobias Walter (alle Gesang), Benedikt Breitwieser (Bass), Sven Dörsam (Gitarre) und Benedikt Staat (Drums), begeisterten ihr Publikum mit einem abwechslungsreichen Programm. Die musikalische Bandbreite der über 50 Songs reichte von aktuellen Hits aus Rock und Pop über deutsche Schlager bis hin zu Klassikern. Peter Schilling mit „Major Tom“, „Westerland“ von den Ärzten oder auch „Purple Rain“ von Prince zeigten die große Bandbreite der Stücke auf.

Der Montag startete mit dem Frühschoppen, untermalt vom Odenwälder Nibelungen-Duo. Die folgende Eintragung ins Burschenbuch geht auf eine alte Tradition zurück. Die jungen Männer sind dadurch quasi fürs weibliche Geschlecht „freigegeben“. Schon vor ein paar Jahrzehnten wurde dieser Programmpunkt als Attraktion in die Traditionsveranstaltung eingeführt. Der weiche Ausklang, verbunden mit großem Wehklagen über das Ende der tollen Tage, schloss sich an.

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