Die Situation der Gastronomie im Überwald bereit der SPD Sorgen

Es war vor allem die Situation der Gastronomie im Überwald, die die SPD-Vertreter interessierte. Beim Besuch der Zukunftsoffensive Überwald in deren neuem Pavillon auf der Hofwiese stellte Geschäftsführer Sebastian Schröder zu Beginn den Mitgliedern aus Fraktion und Ortsvereinsvorstand die ZKÜ-Themenfelder vor, die um Tourismus, Wirtschaftsförderung und Unterstützung von Existenzgründern kreisen. Öffentlich wahrgenommen wird dabei vor allem der touristische Aspekt.

Gunther Emig wollte wissen, ob in der vergangenen Zeit kritische Nachfragen bezüglich der Gastronomie bei Schröder und seiner Mitarbeiterin Eva Sattler aufliefen. Neben dem geschlossenen Mittwochnachmittag im Einzelhandel und der „toten Innenstadt“ an diesem Tag ist es Schröder zufolge vor allem die nicht funktionierende Abstimmung der Ruhetage, die ihm Bauchschmerzen bereitet. Sei mal eine Regelung gefunden, werde die auch bald wieder geändert – aber ohne Mitteilung an die ZKÜ, die somit die falschen Ruhetage publiziere.

Ein Mantra des Geschäftsführers ist das Fehlen eines Lokals mit typischer Odenwälder Küche, wie es von den auswärtigen Gästen in der Ortsmitte oft gesucht werde. Das Problem: Es fehlt nicht nur der potentielle Betreiber, sondern auch die „passgenau Immobilie“. Leerstände seien vorhanden, aber deren „Aufrüstung“ mit sehr hohen Kosten verbunden.

Thomas Langer sprach das Sorgenkind „Kreidacher Höhe“ an. Der Leerstand sei bedauerlich, „weil es sich bei dem Lokal um eine Aushängeschild der Region handelt“. Das Hotel mit Gaststätte sei jetzt schon so lange geschlossen, dass sich bisherige Gäste anders orientierten. „Es ist ein vorzüglicher Standort“, sagte Schröder. Sein Wunsch wäre dort ein Hotel mit Gastronomiebetrieb und angeschlossenem Café, das auch Gäste aus der Sommerrodelbahn mit abdecken könnte.

Wie Bürgermeister Dr. Sascha Weber sagte, scheiterte vor kurzem ein erneuter Versteigerungsversuch der Immobilie. Das Mindestgebot belief sich auf 670.000 Euro, bei 663.000 machte die Richterin Schluss. Aber mit diesen Geldern ist es noch lange nicht getan, wies er auf den großen Sanierungsbedarf hin.

Die Hotelzimmer werden immer weniger, jedoch fängt die Zunahme an „qualitativ guten Ferienwohnungen in den vergangenen Jahren einiges auf“, betonte der Geschäftsführer. Löhne und Arbeitsbedingungen in der Hotellerie sieht Schröder „als nicht besonders anziehungskräftig“. Dazu kämen teure Investitionen, um mit den einschlägigen Vorschriften Schritt halten zu können. „Die Motivation sinkt bei Angestellten und Betreibern“, stellte er fest.

Auf der anderen Seite sieht Schröder aber auch eine Mitverantwortung bei den Gästen. „Die Kunden müssen bereit sein, für Qualität ein paar Euro mehr zu zahlen“, forderte er. Im Odenwald „kann man mit Gastronomie erfolgreich sein“, so seine Bilanz. Dazu wäre es sinnvoll, wenn der Hotel- und Gaststättenverband öffentlichkeitswirksam ein „positives Image“ des Berufsfelds zeichne. Generell wird aber die Aufwertung der Gastronomielandschaft „ein Prozess sein, der noch ein bisschen dauert“.

Die bürokratischen Hürden beim Lebensmittelrecht sind natürlich auch nicht zu verachten, meinte Schröder auf eine Frage von Emig. Das treffe nicht nur auf die Gastronomie zu, sondern auch auf Bäcker und Metzger. Alle Auflagen zu erfüllen sei sicher nicht einfach. Hier kommt aber auch ein Punkt zum Tragen, den Weber ansprach: die regelmäßige Modernisierung des Betriebs. Das geschehe aber nicht immer, womit der Betreiber irgendwann von einem riesigen Kostenberg stehe.

Schröder hatte zu Beginn die Entwicklung der ZKÜ in den vergangenen zehn Jahren nachgezeichnet. Zuerst in der Rudi-Wünzer-Straße ansässig, folgten sechs Jahre in der Igena bis zum diesjährigen Umzug in den 80-qm-Pavillon auf der Hofwiese. Dessen Bau wurde zu 70 Prozent aus Mitteln der „Aktiven Kernbereiche“ gefördert. Aus dem Programm bestreitet die ZKÜ auch einen Teil ihres Etats, erläuterte der Geschäftsführer.

Neben anderen Einnahmefeldern stellen außerdem Wald-Michelbach, Grasellenbach und Abtsteinach jedes Jahr Mittel zur Verfügung. Die wurden jetzt „pro forma“ über die Summe von 113.000 Euro jährlich hinaus aufgestockt, um den Betrieb auf jeden Fall handlungsfähig zu machen. Schröder zeigte sich aber optimistisch, die zusätzliche Marge nicht antasten zu müssen.

Zu zwei Dritteln werde man von Touristen frequentiert, zu einem Drittel von Bürgern, erläuterte er. Mit dem Umzug in die Ortsmitte habe sich die Laufkundschaft deutlich erhöht, freute sich Schröder. Das war ja auch Sinn der Sache, als Tourismusagentur mitten im Geschehen zu sein. Gründerberatung und Wirtschaftspflege sind aber ebenfalls ein wichtiges Standbein. Über 300 Beratungen gab es bereits seit Bestehen der ZKÜ. Bei den Gründern stellte Schröder „zum Glück“ wieder eine etwas dynamischere Entwicklung fest, nachdem wegen der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt ein paar Jahre Flaute herrschte.

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