Vorerst keine weiteren Windräder auf Wald-Michelbacher Gemarkung

„Sechs Jahre haben wir hart dafür gekämpft“, sagt Bürgermeister Dr. Sascha Weber. Umso mehr freut es ihn, dass der Teilflächennutzungsplan (TFNP) Windkraft fürs Gemeindegebiet nun vom Regierungspräsidium Darmstadt genehmigt wurde. Der zementiert für ein paar Jahre den Status quo in Sachen Windräder, bis irgendwann einmal der Regionalplan Südhessen in Kraft tritt. Das heißt: Es dürfen in dieser Zeit außer denen bei „Stillfüssel“ keine weiteren Rotoren auf Wald-Michelbacher Gemarkung gebaut werden.

Drei fette Aktenordner mit fast 1200 Seiten zeugen von der Bemühungen der Gemeinde, Ordnung in den wild wuchernden Windenergie-Wahnsinn zu bekommen. Der Aufstellungsbeschluss für den TFNP fiel vor fast genau sechs Jahren, am 3. Juli 2012. Dann gab es die Beteiligung der Öffentlichkeit 13/14, die Auswertung im Jahr 2014, Bearbeitung, Behördentermine und einiges mehr. Am 5. September 2017 brachte Weber den dann verabschiedeten Entwurf in die Gemeindevertretung ein, von der er am 17. April 2018 beschlossen wurde.

Dokumentensammlung, Ablauf des Genehmigungsverfahrens sowie Gutachten und Umweltberichten sind weiterhin archiviert. Die akribische Arbeit hat sich gelohnt. Anfang des Monats kam die begehrte Antwort vom RP mit der Genehmigung. Wenn dann noch in wenigen Wochen die Bekanntmachung erfolgt ist, tritt der TFNP in Kraft. „Das ist ein wichtiger Schritt zur Sicherung der Lebensqualität im Überwald“, freut er sich. Als eine von wenigen Gemeinden in Hessen beschritt Wald-Michelbach den Weg über einen eigenen TFNP.

Weber betrachtet die Genehmigung als großen Erfolg, wenn auch „nur“ Etappensieg. Denn aktuell sind im Regionalplan Südhessen noch fünf Vorranggebiete für Windenergie projektiert. Mit dem TFNP werden diese vorerst ad acta gelegt. „Es bleibt somit nur Stillfüssel“, betont der Rathauschef. Mit den dortigen 145 Hektar, die 2,3 Prozent der Gemeindefläche entsprechen, „hat Wald-Michelbach für die Windenergie substanziell Raum geschaffen“, hebt er hervor. Und sogar das Landesziel von zwei Prozent Gemarkungsfläche übererfüllt. „Damit ist unser Beitrag zur Energiewende auf lokaler Ebene geleistet.“

„Das ist für uns ein ganz wichtiger Meilenstein“, sagt Dr. Weber. Die Bemühungen der vergangenen Jahre mit dem Ziel, Windenergieanlagen auf nur einer Fläche zu konzentrieren, seien damit verwirklicht worden. Allerdings fängt für Weber die Arbeit damit erst an. Denn der genehmigte Teilflächennutzungsplan bietet nur eine vorübergehende Sicherheit. „So lange, bis der Regionalplan in Kraft tritt“, erläutert er. Denn der wird auf einer übergeordneten Ebene beschlossen und setzt damit den kommunalen Plan wieder außer Kraft.

Wobei er mit einer dritten Lesung für den Regionalplan rechnet, womit dieser nicht vor 2022 in Kraft treten dürfte. Deshalb will Weber in den kommenden Monaten alles daran setzen, die Mitglieder der Regionalversammlung Südhessen „zu bearbeiten“, dass diese keine weiteren Vorrangflächen auf Wald-Michelbacher Gemarkung ausweisen. Ziel: Der TFNP soll 1:1 in den Regionalplan mit aufgenommen werden.

Weber betont: „Die Gemeinde hat auf lokaler Ebene alles erreicht, was möglich ist.“ Die langfristige Entwicklung liege bei der Regionalversammlung. Um diese von den Wald-Michelbacher Anliegen zu überzeugen, wird sich der Bürgermeister auch nicht zu schade sein, viele Klinken im Sinne der Gemeinde zu putzen. „Ich werde alles tun, damit der TFNP gesichert wird und nicht weitere Windräder auf unserer Gemarkung entstehen“, sagt er.

Zuerst einmal will Weber die Vertreter in der Regionalversammlung mit dem gleichen (SPD)-Parteibuch kontaktieren. Dann geht es parteiübergreifend an die Mitglieder aus der näheren und weiteren Umgebung. „Ich will ungefähr mit der Hälfte der Versammlung ins Gespräch kommen“, kündigt er an. Eine Sisyphusarbeit, aber das Vorhaben des Bürgermeisters ist klar: Nur Stillfüssel und das war’s dann in punkto Windkraft-Gebiete.

Weber bezieht klar Stellung: „Ich erwarte, dass alle Bergsträßer Vertreter mein Vorhaben unterstützen.“ Und nennt gleich die Betreffenden: Josef Fiedler und Gerhard Herbert auf SPD-Seite, von der CDU Christian Engelhardt und Bürgermeister Rolf Richter aus Bensheim, Thilo Figai (Grüne), Christopher Hörst (FDP) und Dr. Erwin Schuster (AfD).

Der Rathauschef ist stolz über das Erreichte. Federführend war auf Gemeindeseite dabei Stefan Jäger vom Bauamt, dem das Planungsbüro IntraPro Lorsch mit Dirk Hettrich zur Seite stand. In den vergangenen eineinhalb Jahren wurde das Projekt in enger Abstimmung mit dem Regierungspräsidium vorangetrieben. „Zu 80 Prozent“ hatte Weber im Vorfeld die Erfolgsaussichten des TFNP geschätzt. 60 Prozent gibt er nun als Zahl für den Bestand dieses Plans vor der Regionalversammlung an.

Bis zum Inkrafttreten des Regionalplans wird sowieso noch viel Wind über die Odenwald-Hügel wehen. Oder auch nicht. Je nach den neuesten Erkenntnissen über Windhöffigkeit oder Wirtschaftlichkeit der WKA könnte das Thema vielleicht sowieso irgendwann obsolet sein, hofft er. Dazu kommt der starke öffentliche Druck aus der Bevölkerung gegen eine weitere Verspargelung der Landschaft. „Der Zeitgewinn hilft uns, weil dann neuere Erkenntnisse vorliegen“, sagt er.

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