Umjubelte musikalische Reise um die Welt: MGV Union Wald-Michelbach hatte zu „Kunst und Kultur unterm Schirm“ eingeladen

Musikalischer Brückenschlag der Union. Der MGV unternahm mit seinem Projektchor eine Reise um die Welt und machte dabei musikalisch Station in verschiedenen Ländern. Gleichzeitig bildete das Konzert am Einhaus den Start für die Veranstaltungsreihe „Kunst und Kultur unterm Schirm“. Und was für einen Start: Die Sitzgelegenheiten waren Mangelware, als die Sänger dort Aufstellung nahmen und ihre Stimmen ertönen ließen.

Besonderer Höhepunkt war das mit dem Heinrich-Schlerf-Kindergarten zusammen gesungene „We are the World“ von Michael Jackson und Lionel Ritchie. Heftiger Beifall bewegte Dirigent Hans-Joachim Karl dazu, es gleich noch einmal als Zugabe zu wiederholen. Es gab an diesem herrlichen Spätfrühlingsnachmittag noch eine weitere Zusammenarbeit: „Mnogaja Leta“ (Auf viele Jahre) hieß das Stück, das der Projektchor zusammen mit dem Akademischen Männerquartett aus Odessa vortrug. Dieses, derzeit auf Konzertreise durch Deutschland, gestaltete mit seinem sehr schönen Klang danach die zweite Hälfte des Konzerts.

Idee hinter dem Event ist es, wiederkehrend eine besondere Plattform für kunst- und kulturtreibende Personen, Vereine und Gruppen im historischen Zentrum zu bieten. Als Chor mit langer Tradition der Kulturpflege „möchten wir dabei als Gastgeber auftreten“, erläuterte der zweite Vorsitzende Julius Rückert. Das Projekt „Union around the World“ will die Vielseitigkeit der Chormusik aufzeigen. Musikalische Idee ist laut Karl eine Symbiose von Folklore und verschiedenen Musikstilen.

Start der musikalischen Weltreise, von HaJo Karl mit Informationen zu den einzelnen Liedern versehen, war in Japan. „Natsu wa kinu“ (Der Sommer ist da) hieß das über den Beginn des Sommers auf der Insel. Dem sehr getragenen Einstieg stand danach ein Lied in der Tradition der italienischen Bergsteigerchöre gegenüber. „Sabato di Sera“ beschrieb, wie drei Seeleute am Lago Maggiore drei in Seenot geratene Mädchen retteten. „Der dritte rettet die Blonde und sie wird seine Frau“, lautet der Schluss.

Die musikalische Wanderung führte weiter nach Irland. „Dúlamán“, ein auf Gälisch vorgetragenes Lied, erzählte die Geschichte von zwei Clans, die sich für die Seetang-Ernte zusammenraufen mussten, um den sich liebenden Kindern eine Zukunft zu geben. Der flotte Song mit seinem zungenbrecherischen Text kam sehr gut an. Dann der Höhepunkt des ersten Teils: Wie die Kinder unbeschwert „We are the world“ mit Klavierbegleitung von Stefan Köhler sangen, machte nicht nur den Eltern eine große Freude. „Das war doch was Wunderschönes“, sagte Karl.

„Untreue“ hieß das deutsche Volkslied, basierend auf dem „Kühlen Grunde“ von Eichendorff. Der hatte es gedichtet, als er von Käthchen Förster eine Abfuhr bekam. Am Philosophenweg ist ein Gedenkstein für die Dame zu finden, wusste der Dirigent. „Africa“ von Toto hat zwar den Kontinent im Titel, ist jedoch ein Rocksong. Ein sehr erfolgreicher dazu. Wie die Projektsänger die verschiedenen Instrumente ertönen ließen und mehrstimmig eine farbenprächtige Atmosphäre schufen, brachte ihnen tosenden Beifall ein.

„Toto IV war eine der ersten Platten, die ich mir gekauft habe“, schwelgte Karl in Erinnerungen. „Ich war fasziniert von den Rhythmen.“ Das Holzxylophon wurde in der Union-Version vom ersten Tenor gesungen. „Hakuna Mungu“ war danach tatsächlich afrikanisch-authentisch. Es folgte „Mnogaja Leta“ zusammen mit dem Männerquartett, ehe dieses vor der Pause noch ein paar Stücke darbot.

Das Ensemble gastierte bereits im vergangenen Jahr in Unter-Schönmattenwag und begeisterte die Besucher. Mitglieder sind Valeriy Regrut (1. Tenor), Valentin Oleynitchenko (2. Tenor), Vlad Muschynski (Bariton) und Oleg Pilchen (Bass), die über Grenzen hinweg die Menschen mit ihrer Musik einander näherbringen wollen.

Die Zuhörer bekamen Kirchenmusik zu hören, die auf kirchenslawisch gesungen wurde und lange Zeit in der Sowjetunion verboten war. Des Weiteren präsentierten die „Akademischen Vier“ mit ihrem Charme und einer Prise Witz eine gelungene Folklore-Mischung. Die Lieder wurden von den A-cappella-Sängern neu bearbeitet und auf höchst virtuose und niveauvolle Art vorgetragen.

Ausgebildet an einer der besten Schulen des Landes und nach unzähligen Auftritten im In- und Ausland, haben sie ihren Gesang so perfektioniert, dass das dynamische Zusammenspiel der Stimmen alle Zutaten für ein herausragendes Quartett bietet. Mal leicht und filigran, jedoch im nächsten Moment mit einer Stimmgewalt die ihresgleichen sucht.

Es wurden vom Odessa-Quartett drei deutsche Stücke zum Schluss gesungen, die für große Begeisterung bei den Zuhörern sorgten. Die stimmten kräftig mit ein beim Volkslied „Rosemarie“, „Veronika, der Lenz ist da“ von den Comedian Harmonists und „Fliege mit mir“. Insgesamt stand das Programm des Männerquartetts unter dem Thema „Stimmungen“, zu dem sie Volkslieder aus ihrer Heimat vortrugen. Dazu gehörten sehr fröhliche, aber auch ein paar andächtige Stücke. Die Sänger aus Odessa standen für Ihre Vorträge in der zweiten Hälfte direkt am Rand des Schirms, sodass ein besonders gutes Klangerlebnis unter dem Zeltdach entstand. „Povijav viter stepovyi“ oder „Ridna maty moja“ von Oleg Pilchen, „Komaryk“ von Sehpak oder das eigene „Tschom ti nä prishow“ sind eine Auswahl davon.

Am Ende wurden noch Geschenke überreicht: Blumen gab’s für die Erzieherinnen der KiTa. Wolfgang Sax übergab im Namen des Bürgermeisters ein Aquarell-Gemälde als Andenken. Vorsitzender Alexander Rudolf überreichte vier CDs „Chor inside“ von der Union ans Odessa-Quartett. Ein besonderer Dank ging an die Sparkassenstiftung, die die Veranstaltung finanziell unterstützte. Die Odessa-Sänger sammelten bei der Veranstaltung Spenden und verkauften CDs zur Finanzierung ihrer Tournee durch Deutschland.

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