Kerweparre hatte in Ober-Schönmattenwag wieder viel zu tun

Wehe dem, der sich im vergangenen Jahr etwas zuschulden kommen ließ. Kerweparre Sascha Oberle hatte die Verfehlungen der Einwohner akribisch notiert und tat sie in seiner Kerwepredigt am Sonntagnachmittag kund. Wie üblich fand die in der proppenvollen Jagdgenossenschaftshütte statt. Oberle ist ja in Sachen Recherchearbeit in Owwer-Schimmeldewog bereits ein alter Hase und weiß die Missgriffe und Missgeschicke seiner Mitmenschen rhetorisch geschickt zu verpacken, sodass sich die Halle vor Lachen biegt und sich selbst die Betroffenen ein Lachen abringen können.

Zuvor startete der Kerweumzug durch den Ort ab dem Kerweplatz und führte wieder zu diesem zurück. Er wurde von Kindern und Jugendlichen mit geschmückten Fahrrädern, dem Kerwekomitee mit Oberle, Mundschenk Sebastian Hirsch, Kerweborschd Ramon Jöst und Bajazz Stefan Walter sowie dem Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr begleitet. Hauptzweck war die Ausgrabung der Kerwe, wozu der Parre mit der Hacke die versteckte Weinflasche befreien musste.

Drei Bier und ein Wasser fürs Kerwekomitee: Dass der Kerweborschd dem Gerstensaft entsagt, war sogar einen Vermerk in der Kerwepredigt wert. Der „is glaab weltweit der oanzisch anti-alkoholische Kerweborscht“, meinte Oberle. Er hat eben andere Qualitäten. „Sou konn der mit soine zarte Finger en klasse Hefeteig fer den Kerwekuche knete, der koann die Fleischworscht wie koan zwoate biege un koann die Borschtegawwel doisch Owwer troage ohne uff die Gosch zu fliege.“

Im benachbarten „Unner“ gibt es keine Kommunionskinder mehr. Die Welt gerät aus den Fugen. Ein katholischer Ort ohne Kommunion. Sascha Oberle wusste wieso: „Ich häb do des Gfühl de Kommunionsunnericht is net sou schäi, wie zum Parre Gam in die Kerwejugend zu gäi.“ Denn der dortige Kerweparre ist schwer aktiv: „Bischt Kaum uff de Welt, duscht in die Windel noch saiche, dut schun der Gams Jens mim Kerwejugend-T-Shirt um dich rum schleiche.“

Oberle wusste weiter: „Awwer de Papscht hoat jetzt gsacht, ewe is schluß, mer vum Vatikan schicke en Unnersuchungsausschuss. Do wärt doann mol jeder Unner-Schimmeldewäer Stoa rumgedreht, so dass im nächschte Joahr wiar ä Unner-Schimmeldewäer Kommunionsmannschaft in de Käisch steht.“

Noch ein Seitenhieb Richtung unten: Der Kerweparre hatte notiert, „dass unser Ortsschild immer weiter in Richtung Unner dut  maschiern. Jetzt sag ich eich mol als Feststellung blouß, das Haus des Gastes seit ihr Unner-Schimmeldewäer jetzt ach offiziell lous. Die Hall, die stäiht jetzt goanz ohne Froag, zu 100 % in Owwer-Schimmeldewog.“ Er prophezeite: „Un ich denk, des geht weider …bis in ein paar Jaaaahr, geht Owwer-Schimmeldewog bis zu de Korsikaaa.“

Oberle wusste daneben vom Geheimrezept, mit dem der FC Odin seine Spieler kuriert, wenn sie angeschlagen oder malad sind: das Geheime-Odin-Elixier. „Das Produkt, das ich meine is wohl jedem bekannt, im Volksmund wird es üblicherweise Eistee genannt.“ Beim Odin „is nix anneres als Eistee im Sanikoffer drin“, grinste er. „Der Knoche beim Päddel noooch nem Foul halwer doisch… auf druff mit dem Eistee-Zeusch. Vum letschte Kopfballduell erschüttert das Spieler Gehirn, ah do hilft nur oans… sofort Eistee druffschmiern.“

Der Italienurlaub eines Schimmeldewäers hatte keinen guten Start, so der Kerweparre. Denn beim Packen wurde etwas Wichtiges vergessen: „Die letscht Dasch is drinn jetzt schnell ins Bett, wenn der na nochmol noch de Autotür geguckt hätt. Die stäiht nämlich bis Nachts sperrongelweit uff, un soigt sou defär, dass de Akku geht druff. Das, durch die offene Tür ausgelöste Fahrzeug-Innenraum-Licht, hat in denne paar Stunn die Autobatrrie hiegericht.“

Vom heimischen Malheur eines rüstigen Rentner bekam er ebenfalls Kenntnis: Die Frau „hätt gern gebügelt, doch des Brett war verklemmt, der Mann sofort sich mit aller Kraft dagegen gestemmt.

Die Füß von dem Bügelbrett warn irgendwie blockiert. Und plötzlich sind ganz unverdrosse, des Bügelbretts Beine nach obe geschosse. Die schnalse uff warn steckesteif, und schlage den krankenhausreif. Doch in der Ambulanz habe die ganz diskret, die Platzwund wieder zugenäht.“

Bild: Philipp Reimer/OZ

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