Premiere des Heimatbühnen-Kindertheaters Gras-Ellenbach war wie aus einem Guss

Was für ein Glück. Rundum blitzte und donnerte es, öffnete der Regen seine Schleusen, aber über der Gras-Ellenbacher Heimatbühne blieb es trocken. Die Premiere der „Prinzessin auf der Erbse“, des neuen Stücks Heimatbühnen-Kindertheater, konnte wie geplant stattfinden. Das war auch schon anders: Vor zwei Jahren musste die Vorstellung kurz nach Beginn wegen Gewitter und Platzregen abgebrochen worden. Mit verkürzter Pause ging alles trocken über die Bühne. Junge Schauspieler und Gäste waren gleichermaßen begeistert.

Auf der Freilichtbühne „Zwerg Alberich Odeon“ gegenüber des Hotels Gassbachtal wurde allerdings nicht das Original-Märchen von Hans Christian Andersen aufgeführt, sondern ein lehrreiches Märchenspiel von Heiner Schnitzler, das dieser mit aktuellen Anklängen versah. Andreas Willutzki, der mit Ann-Marie Teichert Regie führte, war mit der Leistung der neun- bis 16-jährigen Schauspieler sehr zufrieden. „Die Kids waren toll“, sprach er ein hohes Lob aus. Die „super Kostüme“ sorgten außerdem für ein farbenprächtiges Bild auf der Naturbühne.

Die Premiere war wie aus einem Guss, zeigte sich Regisseur sehr angetan. „Alles, was schief gehen konnte, ist schon in den Proben passiert“, schmunzelte er. Aufgrund des unsicheren Wetter hielt sich die Besucherzahl leider in Grenzen. Es dürften so um die 20 Erwachsene und noch einmal die gleiche Anzahl Kinder gewesen sein. Die zeigten sich jedoch vom Spiel der jungen Akteure begeistert, sparten nicht mit Szenenapplaus und feierten die Schauspieler am Schluss der eineinhalbstündigen Aufführung mit langanhaltendem Beifall.

Die Handlung rund um Einwanderungsthematik und die Witze von Mossi Schack hatten zwar einen ersten Hintergrund, vermochten dem Stück aber doch immer auch einen lustigen Anstrich zu geben, sodass der erhobene Zeigefinger sich ein ums andere Mal vor Lachen krümmte. „Das Stück kommt echt gut an“, freute sich Willutzki. Er zog ein sehr positives Fazit. „Die Arbeit der letzten Monate hat sich mehr als gelohnt“, sagte er.

Zum fünfjährigen Bestehen der Kindertheatergruppe wurde ein „tolles zeitkritisches Stück“ auf die Beine gestellt. Mit der sehr dichten Atmosphäre, die teilweise förmlich zum Greifen war, konnten sich die Besucher richtiggehend in die Aufführung hineinversetzen. Wenn die Prinzessin den Prinzen bekommt, ist das schon sehr herzergreifend. „Jonah (Teichert) hat seine Rolle als Prinz super gemeistert“, lobte Willutzki. Das alles vor einem eindrucksvollen Bühnenbild mit einen Schloss (als Digitaldruck) im Hintergrund.

Ohne viele Mitstreiter und Helfer könnte so eine Aufführung nicht funktionieren. An Willutzkis Seite stand als Regieassistentin die 16-jährige Ann-Marie Teichert, die bei Regie und Maske mitwirkte und sich engagiert um die Kids kümmerte. Außerdem spielte sie an seiner Seite die Königin. Voll des Lobes ist Willutzki auch über die Hilfsbereitschaft der beiden gegenüber wohnenden Nachbarinnen, bei den Strom und Wasser „abgezapft“ werden können und deren Garage für die Matratzen zur Verfügung steht.

Bis auf ein Mädchen, das in diesem Jahr neu hinzukam, haben alle anderen jugendlichen Akteure bereits Erfahrung mit der Schauspielerei. Deshalb ging es nach dem Probenstart im April in der Nibelungenhalle auch gut voran. Überdacht fanden die Lese- und ersten Szenenproben statt, ehe dann die zwölfköpfige Truppe mit dem guten Frühlingswetter auf die Freilichtbühne wechselte.

Der erfahrene Theatermann ging zu Beginn her und suchte fünf mögliche Stücke heraus, deren Inhalte er den Kindern vorstellte. Die entschieden sich schnell für das jetzt gespielte. Das sozialkritische Stück, das aktuelle Themen wie die Flüchtlingsproblematik aufgreift, kam bei ihnen am besten an.

Zum Inhalt: Das bekannte Märchen von Hans Christian Andersen wurde in die heutige Zeit adaptiert. Mossi Schack, einer der Protagonisten, ist eine brandaktuelle Figur, die die Einwanderungsthematik  ins Spiel bringt. Er spricht ein ulkiges „Ausländerdeutsch“ und hat eine verbindende, wichtige Rolle in dem Stück. Die Prinzessin auf der Erbse ist hier ein sehr mutiges Mädchen, das sich nicht scheut, für sein Land und seine Menschen einzutreten.

Sie gibt dem Prinz und dem König, die angesichts der schwarzen Königin allen Mut verloren haben und aus ihrem Land fliehen wollen, die Hoffnung zurück. Gleichzeitig hat sie aber auch die Empfindsamkeit, die sie mit Schwächeren mitleiden lässt und die ihr den zu ihrer Prüfung aufgestellten Matratzenturm mit der Erbse darunter unerträglich machen.  tom

Info: „Die Prinzessin auf der Erbse“ vom Kindertheater der Gras-Ellenbacher Heimatbühne Sonntag, 17. Juni, 14 Uhr, bei Jäigs Hoffest, in Gras-Ellenbach. Vorverkauf und telefonische Bestellung über Kurverwaltung Gras-Ellenbach, Nibelungenhalle, Montag bis Samstag von 10 bis 12 Uhr, Montag, Mittwoch und Freitag von 15 bis 18 Uhr. Telefon 06207/2554. Bei guter Resonanz soll es nach den Sommerferien weitere Termine geben.

Darsteller

Der Prinz: Jonah Teichert

König Servillo III.: Andreas Willutzki

Königin Servilla: Ann-Marie Teichert

Zerboro, der Diener: Hermine Oberle

Zauberer Sonorolo: Carla Fuhr

Crissola, seine Tochter: Maxime Mauermann

Savarella (Prinzessin Nuruma): Marica Unger

Mossi Schack: Eva Wolk

Die Schwarze Königin: Hannah Brantsch

Die Räuberbande

Simsa: Liliana Teichert

Sala: Hannah Brantsch

Labim: Emely Fuhr

Regie: Ann-Marie Teichert, Andreas Willutzki

Advertisements