Präventionsprogramm „Schleuderdrama“ an ÜWG und EBS in Wald-Michelbach setzt zur Abschreckung auch auf Schockeffekte

„Schleuderdrama“ heißt das Präventionsprogramm für mehr Sicherheit im Straßenverkehr und mehr Zivilcourage. Ziel der Veranstaltung ist es, jugendliche Zwei- und Vierradfahrer sowie Mitfahrer für die Gefahren rund um Auto und Motorrad zu sensibilisieren. Getragen wird es im Kreis Bergstraße von der Polizei und diversen Hilfsorganisationen, aber auch Pflegediensten und Schulamt. Überwald-Gymnasium (ÜWG) und Eugen-Bachmann-Schule (EBS) führten es jetzt wieder gemeinsam durch.

„Themen der Workshops, die wir heute anbieten, ranken sich um Folgen von unangepasstem Verhalten, Fahrzeugtuning, Alkohol, Handynutzung, Drogenkonsum und deren Auswirkungen im Straßenverkehr“, sagte EBS-Schulleiter Thomas Wilcke in seiner Begrüßung an die 115 Schüler gewandt, die den Einstiegsvorträgen lauschten und dann in die verschiedenen Workshops gingen. Er hieß zusammen mit seinem ÜWG-Kollegen Udo Schäfer willkommen, der das Gymnasium derzeit kommissarisch leitet.

Sylke Fahrenkrug (EBS) und Anke Fibian (ÜWG) organisieren derzeit das Projekt. „Die Schüler empfinden die drastischen Schilderungen als gut“, hat Fibian beobachtet. Auch wenn teilweise mit Schockmethoden gearbeitet wird, ist es an der EBS die letzte Möglichkeit, „an die 15- bis 17-jährigen Schüler ranzukommen“, so Fahrenkrug. Dort sind die zehnte Realschul- und die Hauptschul-Abschlussklasse beteiligt.

Anders am ÜWG: Da haben die in der Regel 16-Jährigen noch etwas Schulzeit vor sich. Hier ist es die E-Phase des Gymnasiums, die am „Schleuderdrama“ teilnimmt. Insgesamt kamen so etwa 115 Heranwachsende in der Mensa zusammen, 60 von der EBS und 55 vom ÜWG. Laut Anke Fibian sind die Schüler „in einem wichtigen Alter“. Bald machten sie den Führerschein oder seien sogar schon mit Roller oder Motorrad unterwegs. Wenn die Spezialisten ihnen eindringlich schilderten, was passieren könne und wie man vorbeuge, „dann wirkt das viel besser, als wenn es Lehrer tun“.

Etwa die Erzählung von Jana Knaup (DRK). Selbst erst um die 20, konnte sie die Schüler sehr erreiche. Ihr Beispiel eines 17-Jährigen, der sich aus einer Laune heraus ins Auto seines 18-jährigen Freundes setzt und einen schweren Unfall baut, machte Eindruck. Den beiden Jungs passierte zwar nicht viel, aber eine Passantin litt ein Jahr später noch unter Panikattacken. „Auch Fußgänger nehmen am Straßenverkehr teil“, wollte Knaup damit verdeutlichen – natürlich neben der Aussage, dass solche Aktionen unterlassen werden sollten.

„Die ist extrem gut angekommen, weil sie auch altersmäßig so nah an den Schülern dran ist“, beobachtete Fibian. Wie überhaupt die Präsentationen bei den Schülern eine große Wirkung hatten. „Die Betroffenheit war sehr hoch, sie wurden wachgerüttelt.“ In den folgenden Workshops wurden die Themen noch einmal aufgegriffen und vertieft. Die Neunt- und Zehntklässler waren der Pädagogin zufolge sehr angetan von den alltagsnahen Themen, die ihnen auf ganz andere Art gezeigt werden.

Die beiden Lehrerinnen sind an ihren Schulen die Sucht- und Gewaltpräventionsbeauftragten. „Die Jugendlichen fanden es interessant“, beobachtete Fibian. Es gab ein sehr positives Feedback – auch von den Referenten. Die nahmen die Jugendlichen als „sehr wissbegierig“ wahr, die über die Workshop-Zeit hinaus viele Nachfragen hatten.

Peter Hoffmann, der Leiter des Projekts „Schleuderdrama“, führte in die Veranstaltung ein. „Ihr habt alle eure Zukunftswünsche“, meinte er an die Schüler gerichtet. Die Referenten seien nach Wald-Michelbach gekommen, „um eure Träume zu retten und wahr werden zu lassen“. Inzwischen gebe es diese Form der Prävention seit acht Jahren. Schwerpunkt waren dieses Jahr Motorradunfälle und ihre Folgen.

Jörn Metzler von der Polizei Heppenheim schilderte in drastischen Worten die Eindrücke eines Polizisten, wenn er an eine Unfallstelle kommt. Heimleiter Jörg Meinhof vom Pflegeteam Odenwald verdeutlichte sehr realistisch am Beispiel der 21-jährigen, pflegebedürftigen Nicole, wie Lebens- und Berufsträume innerhalb weniger Minuten durch einen Unfall zerplatzen können.

Der Schulpsychologe Tobias Knapp wies in seinen Worten darauf hin, dass es völlig unterschiedliche Formen gebe, mit solchen Ereignissen umzugehen. Reiner Agostin von der Feuerwehr schilderte anhand von Beispielen aus Bürstadt und Mörlenbach die Arbeit der Brandschützer und den Einsatz der Rettungsschere bei Unfällen. Von Schülerseite her wurde Hoffmann bei seiner Moderation von Damian Kragulj und Emely Trumpfheller (früher EBS, jetzt ÜWG) unterstützt. Enrico Meinhof (ÜWG) war für die Technik zuständig.

Referenten/Workshops

  • Peter Hoffmann, Leiter „Schleuderdrama“, Jugendkoordinator Polizeidirektion Bergstraße: Absprachen in der Peergroup, praktische Beispiele
  • Jörn Metzler, Polizei: Alkohol und Drogen, Ablenkung durchs Handy
  • Jörg Meinhof, Pflegeteam Odenwald: Bericht über die Arbeit mit Komapatienten
  • Gerald Wibbecke, Schulpsychologe staatliches Schulamt: Gruppendruck – „Ich kann auch Nein sagen“
  • Nikita Girard, Drogenberatung Prisma: „Ich fahr klar – mobil aber sicher“, Arbeit mit den Rauschbrillen
  • Reiner Agostin, Feuerwehr: „Arbeit der Feuerwehr an der Unfallstelle“
  • Hubert Simonis, Notfallseelsorge: „Aufgaben der Notfallseelsorge“
  • Jana Knaup, DRK: „Arbeit des DRK im Bereich Erste Hilfe“

 

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