Kuchen und Brote sind beim Wald-Michelbacher Backtag ruckzuck verkauft

Wenn Heimat- und Museumsverein zusammen mit den Überwälder Landfrauen zum Backtag am Einhaus einlädt, dann kann er sich der gewaltigen Resonanz sicher sein. Am Samstagmorgen gab es ein ähnliches Bild wie bei vergangenen Terminen. Natursauerteigbrot und Riwwelkuchen (mit Rhabarber) wurden den Verkäuferinnen aus den Händen gerissen. 36 Kilo Brot gingen innerhalb  von fünf Minuten über die Theke.

Vorsitzender Gundolf Reh kümmerte sich um den Steinofen und zauberte schon am Freitagabend weitere 36 wohlschmeckende Laib Sauerteigbrot aus ihm hervor. Die gingen schon beim Start der ersten Nachtwächterführung von Theo Reichert, aber noch mehr am Samstagvormittag weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln.

Als die Brote draußen waren, kamen drei große Bleche mit Riwwelkuchen und Rhabarbar rein. Da man eine größere Gruppe erwartete, kamen dieses Mal sogar noch zwei kleinere Bleche dazu. Auch die waren schon kurz nach dem Mittag komplett geputzt. Die Landfrauen hatten ihn wie üblich eigenhändig nach altem Rezept zubereitet und belegt.

Für den Teig waren Anita Jäger und Cäcilia Weihrauch zuständig. Sechs Kilo Mehl verarbeiteten sie nach einem alten Rezept von Lore Walter. Den Rhabarber putzte und schnitt Herta Walter. Helga Klos kümmerte sich um die Streusel. Mit weiteren zwei Helferinnen, Waltraud Schafhauser und Adelheid Staat, stemmten sich die Landfrauen schließlich dem Ansturm entgegen, der sofort einsetzte, als der Ofen geöffnet wurde. Auch Draisinenfahrer schauten wieder vorbei.

Zu den Zweipfündern werden selbstgemachte Marmeladen, aber auch Kochkäse nach einem eigenen Rezept angeboten, sodass sich das Sauerteigbrot gleich vor Ort genießen lässt. Der Kuchenteig ist selbst gemacht. Dazu wird dann um halb 6 aufgestanden und losgelegt. Die „Schlange quer über den Platz“ zeigt, wie begehrt das Backen auf traditionelle Art und Weise ist. „Was früher als Kuchenrezept gang und gäbe war“, wird heute von den Landfrauen je nach Jahreszeit frisch belegt und bei 170 Grad gebacken.

Die „tollen Rezepte“ stammen aus dem Backbuch „Walters Hefeteig“. In ihm hat die Wald-Michelbacherin Lore Walter Rezepte aus früheren Jahrhunderten zusammengefasst. Die – der Name sagt es schon – sich immer um den Hefeteig und seine wohlschmeckende Verarbeitung drehen. Dass die Rezepte auch in heutiger Zeit ankommen, macht der reißende Absatz deutlich.

Für Gundolf Reh hatte der Wochenend-Einsatz bereits am Freitagnachmittag begonnen. Um 14.15 Uhr hatte er den Ofen am Backhaus erstmals angeworfen und mit Holz befeuert. Bis auf 330 Grad heizt er sich beim Einschießen hoch, um sich dann innerhalb einer Stunde wieder auf 220 Grad abzukühlen. Drei Stunden dauert es, bis das Holz verbrannt und die Glut entstanden ist. Dann geht es daran, alles auszuräumen und zu putzen.

Eine Stunde sind die 36 Laib Brot im Ofen, ehe sie dann von Reh im Schweiße seines Angesichts rausgeholt werden. Am Samstagmorgen dann das gleiche Spiel. Um 7.15 Uhr ging es für den Vereinsvorsitzenden los. Die Sauerteigbrote kann man auch ohne Probleme zuhause machen. Benötigt wird nur der Natursauerteig zum Ansetzen, den man entweder in der Apotheke bekommt – oder bei Bäcker Lipp wie die Akteure des Backtags. Die Brote bestehen aus 90 Prozent Roggen und zehn Prozent Weizen. „Das Besondere daran ist die dicke Kruste“, erläutert er. Sie entsteht durchs Backen bei diesen hohen Temperaturen und sorgt dafür, dass die Brote länger frisch bleiben.

Die fest installierte Bank war am Samstag mit Ausflüglern ständig besetzt. Viele ließen es sich bei frischem Brot mit Kochkäse oder Marmelade sowie einem Stück leckeren Kuchen gut gehen und genossen die Gastfreundschaft der Landfrauen, die dazu auch Kaffee ausschenkten. Die vorbereiteten Bierbankgarnituren reichten für den Ansturm kaum aus.

Bereits am Freitagabend hatte sich eine große Gruppe von Gästen eingefunden. Während die Nachtwächterführung etwas schwächer aus sonst besetzt war, saßen umso mehr Besucher am wärmenden Backhaus. „Wir haben vier Laibe aufgeschnitten“, meinte Reh. Bestimmt um die 30 Leute machten es sich bis kurz vor Mitternacht gemütlich. Als dann Theo Reichert mit den Gästen seiner Nachwächterführung zurückkam, rutschte man direkt vor dem Ofen zusammen. „Ich habe die Klappe aufgemacht und dann war es mollig warm“, lachte Gundolf Reh.

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