Binseneier-Herstellung: Demonstration alten Brauchtums in Wald-Michelbach

„Den Leuten hat es viel, viel Spaß gemacht“, freute sich Anneliese Daub über den Zuspruch bei der Binseneier-Herstellung, die sie am Karfreitag im Heimatmuseum anbot. Sieben Mitwirkende aus der Region verkünstelten sich vier Stunden lang. „Jeder hat sich kreativ ausgetobt“, schmunzelte sie. Es entstanden dabei „tolle Eier“. Daub vom Überwälder Heimat- und Museumsverein zeigte, wie man die Binsen zieht, hatte aber auch schon welche vorbereitet.

Man braucht ein ruhiges Händchen, einen guten Blick und viel Sinn für Detailarbeit bei der Herstellung. Das alte Brauchtum, früher nicht nur im Odenwald zu Hause, macht die ausgeblasenen Eier zu wahren Kunstwerken, die ohne Probleme mit den sonst zu Ostern erhältlichen, bemalten, konkurrieren können. Daub verdeutlichte, wie die Fertigung auf den Höfen und in den Häusern vor sich ging.

Es ist aber nicht die Herstellung an sich, die einiges an Fingerfertigkeit verlangt, erläuterte Daub den interessierten Besuchern. Denn im Vorfeld gilt es auch einiges zu erledigen. Die Hühnereier müssen sauber ausgeblasen werden, sagte sie. Wenn noch ein Stempel darauf sein sollte, muss man den mit Essig oder Essigessenz abwischen. Kein Binsenei ohne das Mark der Binsen. Um diese zu finden, musste Daub erst einmal auf die Suche gehen. Dabei kann auch mal etwas in die Binsen gehen.

Die Pflanze sollte eine gewisse Länge aufweisen, damit sie verwendbar ist. Normalerweise wird die sie in Gras-Ellenbach fündig, aber da war nichts aufzutreiben. „Bei der Wegscheide habe ich welche gefunden“, meinte das rührige Vereinsmitglied. Außerdem wurde sie beim Rossbrunnen in Affolterbach fündig. „Wenn das Wetter nicht so gut ist, kann die Binse auch braune Stellen haben.“ So eine kam ihr jetzt gerade in Ober-Ostern auf einer Wiese unter.

Dazu kommt ihrer Beobachtung nach, dass es bei kühlerer Witterung etwas länger dauert, bis das Pflanzenmark am Ei haften bleibt. Bei der Gestaltung sind der Fantasie laut Daub „keine Grenzen gesetzt“. Borte, Wolle, Streifen: Alles ist möglich. Nach der ersten Schicht Stoff kommt wieder Binsenmark drüber und dann wieder Wolle. Was noch frei bleibt, wird aufgefüllt. Damit alles gut haftet, vertraut Anneliese Daub nicht nur auf die Natur, sondern setzt auch Flüssigkleber ein.

„Wenn man sucht und die Augen offenhält, findet man immer brauchbare“, erläuterte sie. Eine Besucherin aus Weschnitz hatte auch welche im Gepäck. Das rege Interesse kam auch an der langen Dauer der Veranstaltung zum Ausdruck. Vier Stunden lang versuchten sich die Gäste. „Die haben kein Ende gefunden“, lachte Daub. Kreative Köpfe aus dem vergangenen Jahr kamen ebenso wieder vorbei wieder vorbei wie ein paar Neueinsteiger.

Die Binseneier-Herstellung kennt sie schon seit frühester Kindheit – wenn auch nur vom Zuschauen. „Meine Mutter war bei den Landfrauen und hat das immer gemacht“, so Anneliese Daub. Vor drei Jahren gab es dann einen Kurs der hessischen Vereinigung für Volks- und Trachtenpflege. Den besuchte sie und erlernte das alte Brauchtum.

In gewissen Orten gab es die gleichen Motive, weiß Anneliese Daub aus der Lektüre des einschlägigen Buchs von Peter Sattler aus dem Jahr 1985. Zum Kleben wurde früher mangels Alternative Wasser und Mehl genommen. Ansonsten geschah die Gestaltung „frei Schnauze“. Wozu auch die verschiedenen Binsenarten im Odenwald beitrugen.

Die Tradition der Binseneier-Herstellung ist vor allem aus dem benachbarten Odenwaldkreis, aus den verschiedenen Ortsteilen von Mossautal, überliefert. Aber auch in Aschbach gibt es Zeugnisse davon. Es gibt die Möglichkeit, die Eier komplett mit dem Binsenmark zu umgeben, erläuterte Daub. Dadurch ergibt sich ein gerilltes Aussehen.

Bei einer anderen Herstellungsform, die auch Peter Sattler beschreibt, werden die Binsenmarkfäden nur auf die jeweiligen Enden aufgebracht. Die Mitte bleibt frei und bietet dann durch den weißen Untergrund vielfältige Möglichkeiten der Verzierung. Entweder Spiralen, Andreas-Kreuze oder Ringe, so der Fachmann. Diese Kombination ist gerade für den Odenwald sehr typisch.

Ursprünglich sind daneben weiterhin Eier mit aufgeklebten ausgeschnittenen Stoffläppchen in Herz- oder Kreisform. Es finden sich auch solche in dachziegelartiger Form, die immer von Binsenmark umschlossen sind. Auch gibt es die Variante, nur kleine Stoffstückchen zu verwenden, um das Weiß der Eier zur Geltung zu bringen

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