Der Baum muss Luft und Licht bekommen: Schnittkurs beim Kocherbacher Verein LUNA

Trotz frischem Pulverschnee und Minustemperaturen kamen beim letzten Aufbäumen des Winters über 20 interessierte Naturliebhaber, überwiegend aus der Großgemeinde Wald-Michelbach, zu dem vom Verein für ökologische Landwirtschaft LUNA kurzfristig organisierten Baum- und Beerensträucher-Schnittkurs. Von Kindern bis zu Senioren waren alle Altersgruppen unter den Teilnehmern vertreten. Gerade die Älteren trugen mit ihren gezielten Fragen und Beiträgen aus dem großen Erfahrungsschatz erheblich zur Wissenserweiterung bei. Treffpunkt war in Kocherbach Richtung Hartenrod der Kinderspielplatz.

Eingangs gab der Referent, Gärtnermeister und Baumschulenbetreiber Christian Müller aus Bammental, eine kurze Einführung in die Bedeutung des Kulturguts Streuobstwiese. Gerade die Insekten und hier insbesondere die Bienen als Bestäuber profitierten im zeitigen Frühjahr von der Blütenpracht. Übers Jahr verteilt sind laut Müller gerade die alten Baumbestände wichtige Nistplätze für Vögel und – in unterschiedlichster Form – Nahrungslieferant auch für den Menschen.

Müller demonstrierte bei diesem Kurs die Schnitttechnik an Bäumen in verschiedenen Altersstufen. Gerade bei den jungen Bäumen könne man durch den Schnitt die Form des Wuchses bestimmen. Bei lange nicht gepflegten Bäumen fallen die Eingriffe dann vermeintlich sehr rabiat aus, so der Gärtnermeister. Der Baum muss und soll aber „Luft und Licht bekommen“, um die Vitalität anzuregen und in den Folgejahren wieder eine bessere Ernte zu erreichen.

Müllers Fazit hieß: „Keine Angst haben vor dem Schneiden.“ Lieber sollte man mal einen falschen Schnitt machen, als überhaupt keine Schnittpflege zu betreiben. Ähnliches gilt auch bei den anschließend an den Baumschnitt von ihm gezeigten Schneide-Techniken beim Beerenobst. Die Sträucher „brauchen ebenso den Schnitt, um sich gut zu entwickeln und die gewünschte Ernte zu bringen“, vermittelte der Bammentaler.

Zur Frage nach den richtigen Pflanzstandorten und den passenden alten Sorten kann Müller als Spezialist zwar helfen. Er empfahl aber, ältere Streuobstwiesenbesitzer zu fragen oder die Standorte gefällter oder abgestorbener Bäume zu nehmen. Der Gärtnermeister war begeistert vom Interesse der Überwälder und erklärte sich bereit, jederzeit gerne wieder zu kommen. Im Anschluss an den Kurs saßen die Teilnehmer noch lange beim verdienten Glühapfelwein zusammen und tauschten wertvolle Tipps aus. Nach dem Kurs gingen bereits Spenden für die Pflanzung von acht neuen Obstbäumen beim Verein LUNA ein.

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