Jürgen Busse entführt im Abtsteinacher Rathaus fotografisch in weit entfernte Welten

Die Bilder von Jürgen Busse hatten angesichts des herrschen Winterwetters bei der Vernissage schon einen gewissen Neidfaktor. Denn er zeigt die Schönheiten der Welt auf, weit entfernte Länder mit ihren besonderen Blickwinkeln, aber auch den nahen Odenwald mit seinen tollen Einblicken oder andere Motive aus der nächsten Nähe. Dazu noch ein paar Tupfer Europa und fertig ist die Melange, die einen eigentlich sofort in den Flieger steigen lassen will.

„Beim Betrachten der Fotografien von Jürgen Busse kommt Fernweh auf“, sagte Bürgermeisterin Angelika Beckenbach anlässlich der Eröffnung. Denn er nehme die Besucher mit auf eine Reise in die „Ferne“, zeigt die Schönheit der Erde, zu denen jedoch ebenfalls unwiederbringliche Eindrücke aus der Region gehören, aus dem Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald – etwa eine „Ourewäller“ rotbunte Kuh, erklärter Liebling der Besucher, oder der Herbstwald am Hardberg. Unterhalb, in Siedelsbrunn, wohnt Busse.

Beckenbach stellt „ihr Haus“ gerne den unterschiedlichsten Künstlern zur Verfügung. „Das bringt Leben in die Verwaltung, erfreut Mitarbeiter und Besucher gleichermaßen“, betonte die Rathauschefin. „Ich freue mich, dass durch Ihre Bilder unser Rathaus bunter und schöner wird und wir gleichzeitig einem Künstler der Region ein Podium zur Präsentation seiner Werke bieten können“, richtete sie das Wort an Jürgen Busse.

Mit den Besuchern ging sie auf eine imaginäre Weltreise von Nepal, Pakistan, Amerika, den Philippinen, Ägypten, Abu Dhabi nach Island. Und gleich wieder zurück über Skandinavien, Schottland, England, Spanien und Frankreich nach Deutschland. Dass ihn sein Hobby, mittlerweile Beruf, in die ganze Welt führt, zeigte auch der Leuchtturm auf Island in sattem Orange oder die Kirche in der isländischen Nacht, die von grün schimmernden Nordlichtern mystisch umrahmt wird.

Hierzu hatte Busse auch gleich noch eine Geschichte parat. Da in der einsamen Region der Ostfjorde im Oktober keine Übernachtungsgelegenheit zu finden war, wählte er die an der Kirchentür angegebene Telefonnummer, bekam den Hinweis auf den versteckten Schlüssel und konnte somit die Nacht in dieser Kirche verbringen. Ein Erlebnis, an das er sich auch heute noch gerne erinnert.

Von großer Heimatverbundenheit zeugen seine Motive aus der Region: Beerfelder Galgen, Neckarschleife oder der Blick auf die Altstadt von Hirschhorn. „Wo ist das fotografiert?“, wollte eine Besucherin von einem Dorf in der Nacht wissen – eingebettet in Nebel mit einem mysteriösen Lichtstrahl in Rotgelb. Es zeigt, erläuterte der Fotograf, die Nachbargemeinde Wald-Michelbach von der Kreidacher Höhe aus. Der Lichtstrahl sind die Scheinwerfer der Autos. Durch das Auge des Fotografen erscheint Vertrautes manchmal fremd und unwirklich, wurde den Gästen bewusst.

Der Wald-Michelbacher Jürgen Busse habe den Blick für das Besondere, für Perspektiven, Stimmungen und Details die vielen verborgen bleiben, so die Bürgermeisterin. Schon im Kindesalter unternahm er mit einer alten Agfa Box der Eltern die ersten fotografischen Gehversuche. Mit 13 und der ersten eigenen Spiegelreflexkamera gab es dann kein Halten mehr. 1985 reiste der Fotograf zwei Monate lang Skandinavien, sammelte dort enorme Erfahrung in Landschafts- und Naturfotografie und entdeckte seine Liebe zum Norden Europas.

Die – nach zwischenzeitlichem Berufswechsel – kurz vor der Jahrtausendwende wiedererwachte Foto-Leidenschaft, gepaart mit unheilbarem Reisefieber, führte Busse durch viele Länder dieser Erde. Er entwickelte dabei einen eigenen kreativen Stil der Reisefotografie, der die Schönheit und das Außergewöhnliche des Planeten und seiner Bewohner in den Vordergrund stellt. Seit Anfang 2001 war Busse bereits nebenberuflich als Fotograf tätig, bevor er dann 2007 den Sprung in die Selbstständigkeit wagte. Er widmet sich aber nicht nur der Reisefotografie. Auch Kreatives und die modernen Methoden der Bildbearbeitung faszinieren ihn.

Busses alte Canon AE1 wie auch die Mamyia 645s mussten im Zuge der Digitalisierung mittlerweile der Canon D5 mark II weichen, mit der er immer unterwegs anzutreffen ist. Seine Bilder werden von renommierten Verlagen publiziert, von international angesehenen Agenturen weltweit vertrieben und in namhaften Magazinen wie Stern, Geo-Saison, Focus oder Hörzu veröffentlicht, war zu erfahren.        (Bild: Gemeinde Abtsteinach)

Info: Die großformatigen Fotografien sind noch bis Ende Juni in den Räumen des Rathauses Abtsteinach zu besichtigen.

 

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