Ein Streifzug durch alte Rock- und Pop-Klassiker mit „Pretty Lies Light“ in Wald-Michelbachs Kirche

Wohlfühl-Atmosphäre pur, sanft perlende Klänge auf (meistens) akustischer Gitarre und Keyboard, dazu zwei angenehme Stimme: Das Duo „Pretty Lies Light“ gastierte zum dritten Mal in der evangelischen Kirche und hatte wieder etliche Fans angelockt. Irgendwann muss leider mal Schluss sein, auch wenn das Publikum es sich anders gewünscht hätte: Erst nach Zugaben ließen die Zuschauer die beiden Musiker „von der Bühne“, dem Alterraum. Zuvor hatten Frank Bangert und Jochen Günther in mehr als zwei Stunden ein gefühlvolles Rock-und-Pop-Programm der Superlative geboten, immer wieder von lautstarkem Applaus und Beifallsrufen unterbrochen.

Wie die letzten Male waren es um die 70 bis 80 Besucher, die mit ihrer Begeisterungsfähigkeit zahlenmäßig die fehlende Masse wieder mehr als wettmachten. Klar dominierend war die Altersgruppe 40+ – entsprechend der Musik. Denn die war – bis auf die selbst geschriebenen Stücke – ebenfalls der Zeit vor 40 oder mehr Jahren zuzuordnen. Quasi ein Best-of der 60er und 70er Jahre.

Frank Bangert und Jochen Günther schafften es, mit wenig Equipment einen solch vollen Sound in die Kirche zu zaubern, dass man sich automatisch nach weiteren Mitmusikern umschaute. Mit klaren Klängen, ebenso klaren Stimmen und perfekter Musikalität schaffen es die beiden, aus jedem Stück ein Erlebnis werden zu lassen. Bei geschlossenen Augen fühlten sich die Gäste ein paar Jahrzehnte in der Zeit zurückversetzt, summten selig mit oder klatschten den Takt.

„Mrs. Robinson“ von Simon & Garfunkel war ein solches Lied. Durch den Film „Die Reifeprüfung“ weltberühmt, waren die Zuschauer schon bei den ersten Klängen voll dabei und gingen das ganze Lied über begeistert mit. Ähnlich beim „Nowhere Man“ der Beatles. Der Refrain ist so eingängig, dass er leicht mitgesummt werden konnte. Schon zu Beginn machte das Duo damit seinen Anspruch deutlich, „zeitlos schöne Songs“ zum Besten geben zu wollen.

Dass die Stimmen der beiden Musiker überaus wandlungsfähig sind, machten sie im Verlauf des Konzerts mehrfach klar. „Wir spielen auch Volksmusik – von einem anderen Volk“, leitete Jochen Günther etwa zu einem traditionellen englischen Stück über. Um danach mit dem „Halleluja“ von Leonard Cohen einen Song anzustimmen, der optimal in eine Kirche passte – und es durch seinen eingängigen Refrain leicht machte, darin einzustimmen.

„Singen Sie ruhig mit“, forderte er das Publikum auf. Um verschmitzt hinterherzuschieben: „Die Betonung liegt auf ruhig.“ So wie hier moderierte der Sänge rund Gitarrist den ganzen Abend immer humorvoll, kenntnisreich und pointiert die Songauswahl. Bei der vierten Wiederholung des Halleluja zeigte er sich dann endlich mit dem Kirchen-Chor zufrieden. „Fields of Gold“ von Sting oder „Here comes the sun“ von George Harrison waren weitere zeitlos schöne Klassiker. „No woman, no cry“ von Bob Marley zauberte Jamaika-Feeling nach Wald-Michelbach. Passend dazu hatte sich Bangert mit Sonnenbrille und Rastalocken ausstaffiert.

Mit dem selbst geschriebenen „Not in Ireland“ gelang „Pretty Lies Light“ der Beweis, dass sich die eigenen Stücke nahtlos in das Format der Coversongs einreihen. Sehr ruhig, mit sonorer Stimme, von leisen Keyboard-Klängen untermalt, fügte es sich optimal ein. Das sehr romantische, getragene Stück könnte problemlos auch in den 70er Jahren entstanden sein.

Mit den „Sultans of Swing“ der Dire Straits ging’s in die Pause. Bei diesem Lied konnte Jochen Günther nochmal zeigen, welche Fingerfertigkeiten er auf der Gitarre draufhat. Denn Mark Knopflers anspruchsvolle Soli sind eine Klasse für sich. Für diesen Zweck packte Günther extra die akustische Gitarre weg und holte den Eigenbau von Peter Ruben hervor – damit die Klänge dem Original so nah wie möglich kamen. Mit den ausufernden Soli, der präzisen Fingerarbeit und dem Rockklassiker als solchem rissen die beiden Musiker das Publikum von den Sitzen, ehe die wohlverdiente Unterbrechung folgte.

Danach ging es nahtlos weiter wie zuvor: Ein Klassiker reihte sich an den anderen, geschickt ergänzt durch selbst komponierte Songs. Frenetischer Jubel war „Pretty Lies Light“ gewiss.  Gitarrist Jochen Günther kommt aus Guntersblum und spielt bereits seit 1982 als Leadgitarrist in Clubs und auf Festivals. Frank Bangert ist musikalischer Leiter der Jugendmusicals am Staatstheater Wiesbaden. Die beiden CDs von „Pretty Lies Light“ wurden in seinem Tonstudio produziert. Als hervorragender Keyboarder hat er ein ganz besonderes musikalisches Gespür für virtuose Soli.

Advertisements