Standing Ovations in Wald-Michelbach für die Reise der Starkenburg Philharmoniker nach „Bella Italia“

Was für ein berauschender musikalischer Start ins neue Jahr. „Bella Italia“ hatten die Starkenburg Philharmoniker ihr Neujahrskonzert in der Rudi-Wünzer-Halle genannt. Was das 50-köpfige Ensemble unter diesen Titel bot, war eine begeisternde Reise ins Land von Pizza und Pasta, die die Zuschauer von den Sitzen riss und am Schluss für Standing Ovations inklusive mehrere Zugaben sorgte. Großen Anteil daran hatte der Gastdirigent aus Atlanta, Robert Trocina. Der mauserte sich nach der Pause zum fulminanten Entertainer, der neben dem Orchester auch gleich noch das Publikum dirigierte. Ein wahrer Glücksgriff für diesen Abend.

Mit den beiden Solisten hatten sich die Philharmoniker zwei weitere musikalische Perlen geangelt. Sarah Cossaboon und Antonio Rivera hatten beide ihre eigenen Auftritte, liefen aber erst dann zu Höchstform auf, wenn sie die Stücke im Duett darboten. Ohne die Leistung der Sängerin schmälern zu wollen, war der Tenor eindeutig tonangebend. Wie Rivera „O sole mio“ schmetterte oder bei der Danza Tarantella wahre Zungenakrobatik bot, war schon einsame Klasse und in einer Qualität, die man sonst nur in den großen Opernhäusern zu sehen und hören bekommt. Kein Wunder, dass Rivera etliche Jubelrufe nach seinen Darbietungen einheimste.

Einleitende Worte hatte als Schirmherr Bürgermeister Dr. Sascha Weber gesprochen. Er freute sich sehr über die gut besetzte Halle, dass die Philharmoniker zum inzwischen dritten Mal im Überwald gastierten und mit ihrem Auftritt dem noch kurzen neuen Jahr einen besonderen Glanz verliehen. Schon beim Auftakt, der Sinfonie aus der Oper „Don Pasquale“ von Donizetti, zeigte das Ensemble seine große Klasse. Mit Trommelwirbel und sich fast überschlagenden Geigen bis hin zum majestätischen Finale hatte das Stück alles, was man gemeinhin musikalisch mit Italien verbindet.

Damit nicht nur die Ohren auf dem italienischen Stiefel ankamen, sondern auch das Auge, lief an der Seitenwand eine Diashow mit den schönsten Motiven aus dem beliebtesten Urlaubsland der Deutschen. Ob es nun der Markusplatz in Venedig war, Ponte Vecchio in Florenz, die Hügellandschaft der Toskana, blumige Hinterhöfe, Rom mit dem Vatikan oder einfach nur ein alter, verbeulter Fiat Cinquecento, die Illusion war einfach perfekt.

Moderatorin Dagmar Weber begrüßte logischerweise die Gäste auch erst einmal auf Italienisch, um die besten Wünsche fürs neue Jahr dann ins Deutsche zu übersetzen. Gastdirigent Trocino, der, wie es der Name schon verrät, italienische Wurzeln hat, sorgte bereits beim ersten Einsatz für Aufsehen. Denn mit seinen weit ausholenden dirigierenden Bewegungen lebte er die einzelnen Stücke förmlich mit und verausgabte sich dabei so, dass man zum Schluss des Konzerts die Schweißperlen auf seiner Stirn hinunterlaufen sah.

Weber kennzeichnete den Stiefel als Land der unerfüllten Sehnsüchte, wohin in den 1960er und 70er Jahren quasi jeder Familienurlaub führte. Als sie die Reise mit dem VW Käfer über den Brenner erwähnte, sah man so manches Nicken im Publikum. Auch heute, wusste Weber, hat Italien noch nichts von seinem Zauber eingebüßt.

Bei „La Danza delle ore“, dem Tanz der Stunden, beginnt das Orchester erst leise und getragen, ehe es dann umschaltet und einen Zahn zulegt. Trocina mit seinen raumgreifenden Bewegungen und das perfekte Zusammenspiel der Instrumente sorgen nach dem Schluss für erste Beifallsstürme. Dann schlägt die Stunde der Solisten. Erst Rivera mit „Che gelida manina“ aus Puccinis La Boheme, dann im Duett mit Cossaboon „O soave fanciulla“ zeigen, wie sehr die beiden Stimmperfektionisten harmonieren. Wie sich der Tenor und die Sopranistin gegenseitig auf der Bühne anschmachten, ist eine große Show.

Mit vielfältigen Erzählungen aus dem italienischen Alltagsleben lockert Weber die Pausen zwischen den Stücken auf. Ob es nun um Fußball geht, bei dem die Italiener im Zweifelsfall gegen Deutschland verlieren, oder die Liebe zu „La Mamma“, sie bringt viel Witz in ihrr Erzählungen. Dass es Antonio Rivera mit Enrico Caruso aufnehmen kann, zeigt er dann in Rossinis „La danza Tarantella“. Die hatte der 1912 in drei Minuten und zehn Sekunden gesungen. Eine Leistung, die der Tenor 2018 bravourös ebenfalls schaffte. Seine wohltuende Stimme, die überhaupt kein Mikro gebraucht hätte, die enorme Bühnenpräsenz und die klar akzentuierte Aussprache lassen die Gäste vor der Pause in Jubel ausbrechen.

Nach dem Barbier von Sevilla, ebenfalls von Rossini, schlägt dann wieder Riveras Stunde, sein „Nessun dorma“, bei dem die Halle in ihren Grundfesten erschüttert wird, lässt wirklich keinen einschlafen. Allein das Vincerò aus diesem Stück beweist, dass der Künstler zurecht in den bekanntesten Opernhäusern singt. Einem Crashkurs Webers in italienischer Gestik folgt der Auftritt der Sopranistin in rotem Rüschenkleid, das für viel Flüstern im Zuschauerraum sorgt.

Dass nach dem glänzenden „Funiculi, funiculà“ zum Ende noch lange nicht Schluss sein würde, war so klar wie Kloßbrühe. Beim „Chianti-Wein“ dürfen dann alle mitsingen und die Solisten unterstützen. Der Radetzkymarsch als krönender Abschluss zeigt Dirigent Trocino voll in seinem Element. Es hält ihn kaum noch auf seinem Podest, er wippt beim Stück so stark mit, dass es ihn fast in die Höhe trägt. Damit heimst er neben Ensemble und Solisten ebenfalls seinen großen Anteil am fast nicht enden wollenden Beifall ein. Wenn man so schön sagt, aller guten Dinge sind drei, dann haben sich die Starkenburg Philharmoniker bei diesem Auftritt noch einmal selbst übertroffen.

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