Kocherbacher Verein Luna ist Pate für zwei Gras-Ellenbacher Wasserbüffel-Kälbchen

Der Verein zur Förderung umweltverträglicher, nachhaltiger und artgerechter Landwirtschaft Luna hat rechtzeitig zum Weihnachtsfest den zweiten vierbeinigen Nachwuchs bekommen. „Kabul“, ein kleines Wasserbüffel-Kälbchen, kam am 15. Dezember zur Welt. Bereits Ende Oktober, pünktlich zum Luna-Kartoffelfest, vergrößerte eine junge Dame die Gallowayherde der Luna-Partner und zertifizierten Biolandwirte Wolfgang Schierenbeck und Joachim Mauermann in Gras-Ellenbach. Der Verein hat die Patenschaft für die beiden Kälbchen übernommen, die weiterhin bei ihren Müttern und in der jeweiligen Herde artgerecht aufwachsen dürfen.

Luna hat im ersten Jahr seiner landwirtschaftlichen Tätigkeit die anvertrauten Flächen von etwa 15 Hektar mit seinen Partnern tadellos bewirtschaftet, berichtete Vorsitzender Dr. Thomas Michel zu diesem Anlass. Auch ohne „Gülle“ und Pestizideinsatz wurden seinen Worten zufolge hervorragende Ergebnisse erzielt und die gesetzten Ziele weit übertroffen. Jeder Besitzer eines Gartens oder landwirtschaftlicher Flächen „trägt Verantwortung sowie kann und sollte etwas für unsere Natur tun“, betonte Vorstandsmitglied Jürgen Klieber.

Dies könne dadurch geschehen, in dem er als Eigentümer die bestehende Pacht kündige, um dann in absehbarer Zeit (2020) selbst über seine Flächen bestimmen zu können und diese nachhaltig sowie umweltverträglich bewirtschaften zu lassen. Dies ist Heinz Trautmann zufolge ein weiterer Schritt um zu zeigen, „dass auch im Überwald nachhaltig und artgerecht Nahrungsmittel erzeugt werden“. Einige wenige Landwirte praktizierten dies ja erfreulicherweise immer noch.

Die Umstellung ist laut Luna auch bitter nötig. Denn nicht von ungefähr vervielfältigten sich die Berichte über Auswirkungen der industriellen Landwirtschaft auf die Natur, Artenvielfalt, Wasserqualität und damit auf den Menschen immer mehr, weiß Vorstandsmitglied Thomas Langer. Glyphosat dürfte alleine und fachgerecht verwendet relativ wenig krebserregend, so Gerhard Ader. Es sei aber das am häufigsten eingesetzte und potenteste „Pflanzenschutzmittel“, somit Pestizid und Gift.

Überdüngung verseuche das Grundwasser, betont Michel. In Deutschland sei die kritische Marke vielfach weit überschritten. Weshalb nach einer Klage der EU-Kommission eine neue Düngeverordnung zum Schutz des Wassers her musste. Diese wurde im November vorgestellt. Vertreter von Luna waren bei der Präsentation in Reichelsheim dabei. Es wird Verbesserungen geben, sagte der Vorsitzende, wenn sich alle an die Verordnung hielten. „Die einflussreiche Lobby konnte sich aber wieder vielfach durchsetzen“, beklagt er.

Anfang Februar werden auf der Grünen Woche in Berlin vermutlich neue Interpretationen vorgestellt. Luna-Mitglieder sind dort dabei. Danach ist eine Veranstaltung für Vereinsmitglieder und interessierte Bürger geplant, auf der dieses Gesetz vorgestellt wird. Jürgen Klieber wies auf die Folge von zu häufigem Einsatz von Pestiziden und Überdüngung hin. „Zuerst sterben die Pflanzen, dann die Insekten, dann die Vögel und dann…“ sei ein geflügelter Satz.

Luna war im abgelaufenen Jahr vielfältig aktiv. Es wurde einige Informationsveranstaltungen ausgerichtet und einige besucht. Besonders erfreute den Verein, dass Theresa Bartmanns Projekt für ökologische Pferdehaltung an der Heckenmühle von der Sparkassenstiftung Starkenburg mit einem Sonderpreis gefördert wurde. „Mittlerweile freuen sich drei Reitpferde über die große Weide und den neuen Unterstand“, so Langer.

Zu den Aktivitäten zählten auch die Anpflanzung von zehn Obstbäumen mit Hilfe eines neuen Erdbohrers und das erfolgreiche Kartoffelfest. Aufgrund der großen Nachfrage muss die Anbaufläche für die Nicola-Kartoffel 2018 erheblich erweitert werden. Es gab spontane Vereinseintritte und Angebote zur Anpachtung von neuen Flächen. An der nachhaltigen Nutzung ihrer eigenen landwirtschaftlichen Flächen interessierte Mitbürger könnten sich überlegen, noch in diesem Jahr ihre Flächen zu kündigen, meinte der Vorsitzende. Sie hätten dann die Möglichkeit, ab 2020 über ihr eigenes Gelände zu verfügen. „Luna berät gern“, betonte er. Jeder könne etwas für Natur und Heimat tun, Landbesitzer besonders. „Nur in einem gesunden Boden kann gesunde Nahrung wachsen.“

Allerdings wäre der Verein nicht so erfolgreich ohne seine Mitglieder, Helfer, Unterstützer, Sponsoren und Kunden, betonen die Vorstandsmitglieder. Deshalb gilt diesen am Jahresende ihr großer Dank. Im kommenden Jahr steht weiterhin der fachgerechte Schnitt der Obstbäume an, daneben das Vermessen und Markieren der neu angepachteten Flächen. Im Frühjahr folgt dann der Anbau von Kartoffeln und Gemüse.

Werbeanzeigen