Männerstimmen treffen auf Blechbläser: Kocherbacher Trachtenkapelle und „Camerata Vocale“ gestalteten Konzert in der Dreifaltigkeitskirche

Draußen herrschten Kälte und Regen vor, drinnen zauberte die Musik Wärme in die Herzen der Besucher. Die Kocherbacher Trachtenkapelle und der Chor „Camerata Vocale“ hatten zu einem besonderen Konzert in die gut besuchte Dreifaltigkeitskirche eingeladen. Denn die wurde in diesem Jahr wie das Ensemble 50 Jahre alt. Beste Voraussetzung, um gemeinsam Geburtstag zu feiern und dabei gleichzeitig musikalisch das Jubiläumsjahr zu beschließen.

Die Kapelle mit ihren an diesem Abend 20 Aktiven hatte sowohl klassische Kirchenmelodien als auch modernere Stücke im Repertoire. Vier Lieder werden aktuell extra für diesen Anlass eingeübt, darunter „Beethoven‘s Romance“, „The Rose“ von Bette Midler oder der „Earth Song“ von Michael Jackson mit einer Mischung aus Gospel, Blues und Opern-Elementen. Das Konzert in der Kocherbacher Kirche stellte für die Musiker ein besonderes Ereignis dar. Denn nach den Oktoberfest-Auftritten mit eher traditionellen Stücken geht man nun zu eher ruhigeren Melodien über. Bei den Weihnachtsmärkten in Siedelsbrunn und Wald-Michelbach ist das Ensemble noch einmal aktiv.

„Anna Magdalenas Song“, ein traditionelles Kirchenlied, „hat Dirigent Achim Wagner ausgegraben“, lachte Vorsitzender Toni Emig. „The Rose“ hatte man vor etlichen Jahren schon einmal im Programm und übte das Lied jetzt wieder ein. Hier wie auch bei Leonard Cohens „Hallelujah“ ließ Ronja Helfrich ihre Stimme ertönen, was ihr und dem Ensemble viel Beifall einbrachte. Die Trachtenkapelle hatte für die Darbietung die Version aus dem Animationsfilm „Shrek“ gewählt.

Den Abschluss gestalteten die Kocherbacher mit ihrem Jubiläumsstück, dem „Halben Jahrhundert“. Dahinter verbarg sich eine musikalische Zeitreise durch verschiedene bekannte Melodien. „The Lion King“ aus dem gleichnamigen Musical, aber auch Bryan Adams „I’ll do it für you“, zeigten die große Wandlungsfähigkeit des Klangkörpers. Der füllte mit seinem Spiel das Kirchenschiff prächtig aus. Die volltönenden Instrumente bildeten dabei einen interessanten Kontrast zum Auftritt des 22 Köpfe zählenden Männerchors. Das Programm zeigte sich sehr vielfältig und bot für Jung und Alt etwas.

„Camerata Vocale“ unter Leitung von Ernst Kratzert heimste ein ums andere Mal donnernden Applaus ein. Die Akteure zeigten die gesamte Bandbreite aktuellen Chorgesangs auf. Beim „Jubilate Deo“ von László Halmos wurde es fulminant-mächtig, ehe das Lied dann wieder sanft in leise Töne zurückschwang. Das vierstimmige „Kyrie“ zeigte die große Wandlungskraft der Männerstimmen auf. Dirigent Ernst Kratzert verstand es durch seine engagierte Arbeit, den Sängern die besten Töne zu entlocken.

„De profundis clamavi“ von Piotr Jańczak präsentierte sich sehr kraftvoll und drang a-cappella bis in den hintersten Winkel der Kirche vor. Begeisterter Beifall leitete über in die Pause, nach der der vielschichtige Klangkörper weitere Perlen der geistlichen Musik präsentierte. „Wade in the water“ etwa sah Kratzert völlig in seinem Element, förmlich im Rhythmus der Musik mitschwimmend. Die Bässe sorgten für musikalischen Tiefgang, das Finale ließ die Ton-Wellen hoch aufsteigen.

Mit wenigen Handbewegungen gelang es dem Dirigenten, aus den Kehlen der Sänger alles herauszukitzeln. „My Lord, what a mornin‘“ bildete hierfür das beste Beispiel. Die letzten Töne verhallten perlend im Kirchenschiff. Warum „The Creation“ von Willy Richter zu den Lieblingssongs von „Camerata Vocale“ zählt, zeigten die 22 Mannen eindrucksvoll. Von getragen-leise bis laut-schallend gab der Chor ein prächtiges Beispiel seiner großen musikalischen Schaffenkraft. Das abschließende „Let there be light“ bildete mit seiner Voluminosität ein glanzvolles, volltönendes Finale des Songs und brachte die Kirche zum Erstrahlen. Jubelrufen ließ der Chor als Zugabe „Ich bete an die Macht der Liebe“ folgen.

Camerata Vocale wurde 2003 von Ernst Kratzert aus Altneudorf gegründet. Ziel ist es, internationale Chorwettbewerbe und -festivals zu besuchen. Die Sänger kommen aus verschiedenen Chören und Sängerkreisen. So sind neben Mitgliedern aus Altenbach, Altneudorf, Eiterbach, Heiligkreuzsteinach, Lampenhain und Schönau (Kurpfälzer Sängerkreis) auch Chormitglieder aus Affolterbach, Ober-Abtsteinach, Trösel und Wald-Michelbach (Sängerkreis Weschnitztal-Überwald) mit dabei.

Bereits nach kurzer Zeit konnte sich der Chor international präsentieren – mit beachtlichen Leistungen auf vielen Wettbewerben. So nahm man in den vergangenen Jahren mit Erfolg an den World Choir Games in Riga oder dem International Choir Festival and Competition „In… Canto sul Garda“ teil. In diesem Jahr war Camerata Vocale beim 10. Internationalen Johannes-Brahms-Chorwettbewerb in Wernigerode dabei.

„Das war die optimale musikalische Ergänzung zu unserem Programm“, sagt Toni Emig. Die Chance auf ein gemeinsames Konzert mit einem international renommierten Meisterchor wollten sich die Kocherbacher nicht entgehen lassen. Eingefädelt wurde die Veranstaltung durch Horst Beisel, der sowohl bei der Trachtenkapelle als auch bei „Camerata Vocale“ aktiv ist. „Danach haben wir Abend noch gemeinsam den Abend in lockerer Runde ausklingen lassen“, schmunzelt der Vorsitzende.

 

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