Medikamente immer mit Leitungswasser einnehmen: Dr. Nadine Heß von der Brunnen-Apotheke sprach beim VdK-Ortsverband Schönmattenwag

Die vielen interessierten Nachfragen aus der Runde machten deutlich, dass der VdK-Ortsverband Schönmattenwag mit dem Vortragsthema ins Schwarze getroffen hatte: Inhaberin Dr. Nadine Heß von der Brunnen-Apotheke in Rimbach, Tochter des VdK-Kreisvorsitzenden Georg Spilger, sprach im katholischen Gemeindesaal über das Thema Arzneien. Für den Ortsverband begrüßte dessen Vorsitzende Renate Lautenschläger die Gäste im erfreulich gut besetzten Saal.

Ob elektronische Gesundheitskarte, die Lagerung von Medikamenten beim Urlaub in südlichen Ländern, die Wechselwirkung bei der Einnahme von mehreren Präparaten oder der richtige Einnahme-Zeitpunkt: Die Senioren hatten so einiges auf dem Herzen, was ihnen Dr. Heß fundiert beantwortete. Dazu gab es auch gleich praktische Tipps, aber immer auch mit dem Hinweis, im Zweifelsfall den Rezept ausstellenden Arzt zu konsultieren.

Ein Hinweis blieb den Anwesenden gut in Erinnerung: Die Apotheken-Chefin empfahl, Medikamente grundsätzlich mit Leitungswasser einzunehmen. Denn die Kohlesäure könnte wiederum – je nach Präparat – mit diesem reagieren und seine Wirkung abschwächen. Gleiches gilt für Kaffee, Tee, Milch oder Grapefruitsaft. „Im Krankenhaus habe ich nie Hahnenwasser bekommen“, meinte dazu ein Gast. Heß wies darauf hin, dass man je nach (nicht so guter) Qualität des Tropfens aus der Leitung natürlich auch stilles Wasser mit niedrigen Kalzium- und Natriumwerten verwenden könne.

Sehr zielführend ebenso ihre Antwort auf die Frage nach der Anwendung von Augentropfen: „Mehr als ein Tropfen bleibt nie im Tränensack drin“, beruhigte sie eine Fragende. Sie empfahl, eine halbe Minute lang den Tränennasengang zuzudrücken, um eine bessere Wirksamkeit zu erreichen. Der genaue Zeitpunkt einer Medikamenteneinnahme ist ihren Worten zufolge „zwar kaum praktikabel“, aber für deren Wirksamkeit am besten.

Viel Raum nahmen Informationen über Generika ein. Also Medikamente, deren Patent des Original-Herstellers nach zehn Jahren abgelaufen ist und die nun über einen anderen Anbieter günstiger auf den Markt kommen. „Der Wirkstoff ist zu 100 Prozent gleich“, sagte Heß. Allerdings könnten die Inhaltsstoffe variieren. Dies wäre ein möglicher Grund, warum manche Nachahmer-Präparate doch nicht so gut wirken wie das Original. So könne „eine Tablette fester oder lockerer gepresst sein“, erläuterte sie. Und damit nicht so gut anschlagen.

Es ist jedoch nicht so einfach, ans Original zu kommen, hob sie hervor. Das müsse der Arzt explizit (durch Markieren des Aut-idem-Kreuzes) verschreiben. Die Krankenkasse, so die Apothekerin, „will einen Beleg, warum der Patient das Original benötigt“. Denn die Ärzte seien aus Kostengründen dazu angehalten, Generika zu verschreiben. Das können bei regelmäßiger Einnahme in jedem Monat andere sein, erläuterte sie. Denn es gebe laufend neue Rabattverträge der Hersteller mit den Krankenkassen. Insgesamt, sagte sie, „eine nicht zufriedenstellende Situation“.

Dr. Heß ging daneben auf den unterschiedlichen rechtlichen Status der Medikamente ein. „Freiverkäufliche“ ließen sich auch im Supermarkt oder in der Drogerie erhalten. Apothekenpflichtig bedeute, dass die Präparate ohne Rezept in den Apotheken erhältlich seien und in der Selbstmedikation bei leichten Erkrankungen eingesetzt würden. Verschreibungspflichtig heiße, dass stark wirksame Medikamente, die auch Nebenwirkungen hervorrufen können, nur gegen Vorlage eines Rezeptes durch die Apotheke ausgegeben werden dürften.

Die Inhaberin der Brunnen-Apotheke wies außerdem darauf hin, dass die Haltbarkeit eines Medikaments auf jeder Verpackung, Blister und Flasche angegeben sei. Die Aufbrauchfrist wiederum sei der Zeittraum, in der das geöffnete Arzneimittel verwendet werden dürfe. Brausetabletten solle man in einem Glas Leitungswasser auflösen, die Suspension vor Gebrauch immer gut schütteln und wie gefordert richtig dosieren.

Wichtig war Heß der richtige Einnahmeabstand zu den Mahlzeiten. Wenn von „nüchtern“ die Rede sei, dann bedeute dies eine halbe Stunde bis Stunde vor oder frühestens zwei Stunden nach dem Essen. Der Hinweis „vor dem Essen“ beziehe sich auf 30 Minuten davor. „Zum Essen“ bedeute während oder unmittelbar nach der Mahlzeit. Natürlich, sagte sie, lasse sich das manchmal schlecht realisieren. „Sie können ja nicht um 5 Uhr aufstehen, um Medikamente einzunehmen, weil sie um 7 Uhr frühstücken.“ Wichtig sei daneben die Tageszeit. Cholesterinsenker etwa sollten abends eingenommen werden.

„Arzneimittel sollten immer kühl, lichtgeschützt und trocken gelagert werden“, betonte Heß. Raumtemperatur bedeute dabei 15 bis 25 Grad. Das Badezimmer sei ein ungünstiger Ort, weil es dort eher warm und feucht sei. Brause- und Trinktabletten sollten kühl und trocken untergebracht sein, weil sie sonst Feuchtigkeit ziehen. Auch nach ihrem Vortrag, für den Lautenschläger der Referentin herzlich dankte, stand die Apothekerin den Besuchern für Fragen gerne zur Verfügung.

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