Beim Wald-Michelbacher Backtag stehen die Schleckermäuler Schlange

Wenn Heimat- und Museumsverein sowie die Überwälder Landfrauen zu ihrem Backtag rufen, können sie sich sicher sein, dass Brote und Kuchen weg gehen wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. So war es auch wieder beim letzten Backtag am Einhaus in diesem Jahr, der zusammen mit dem Regionalmarkt auf der Hofwiese stattfand. 540 Sauerteig-Brotlaibe zu je einem Kilo wurden in diesem Jahr an sieben Terminen gebacken, rechnete Dieter Kunkel aus. Er stand an diesem Tag am Ofen.

„Mehr als 100 Laib Brot und drei Kuchenbleche mit zusammen 120 Stück“ fanden reißenden Absatz. Dieses Mal, schmunzelte Kunkel, „haben wir die Kuchenabgabe auf vier Stück rationiert“. Denn die Schlange war so lang, dass man den hinteren Reihen auch noch etwas Streusel- oder Apfelstreusel-Genuss ermöglichen wollte. Trotzdem: „In zehn Minuten war alles weg“, schien der Überwald an diesem Tag absolut ausgehungert zu sein.

Drei Brotchargen à je 36 Stück produziert Kunkel. Auch hier galt: Wer zu spät kam, musste Hunger leiden. „Fünf Minuten und die Tische waren leer“, war Dieter Kunkel auch später noch baff erstaunt über den Kohldampf der Gäste. Am Nachmittag gab es dann noch Flammkuchen, von dem die Vorräte nicht so schnell aufgebraucht wurden. „Im April 2018 geht’s weiter“, hatte er als Trost für all die parat, die dieses Mal nicht zum Zuge kamen.

Da der Backofen einige Zeit zum Vorheizen braucht, wird er schon am Vortag angeworfen. Zweieinhalb Stunden dauert die Befeuerung mit Holz, dann ist die komplette Ladung drin, erläutert Dieter Kunkel. So wird der Backofen am ersten Tag auf 560 Grad vorgeheizt, ehe er wieder runterkühlt, damit die Zweipfünder-Brote reingeschoben werden können. „Die Glut wird dann auf die Schamottsteine verteilt“, erläutert Dieter Kunkel.

Wenn diese weiß werden, sei die entsprechende Hitze erreicht. Wofür die Bäcker in früheren Zeiten durch die häufige Arbeit damit schon ein Gefühl hatten, muss heute erst noch einmal sorgfältig geprüft werden. Mit einer Zeitung. „Wenn die verbrennt, ist der Ofen zu heiß“, sagt Kunkel. Sie darf nur schwarz werden. Dann, bei 280 Grad, kommen die Sauerteigbrote rein. Der besondere Geschmack entsteht unter anderem durch die beim Backprozess absinkende Temperatur.

„Die Sauerteigbrote kann man auch ohne Probleme zuhause machen“, sagt Kunkel. Benötigt wird nur der Natursauerteig zum Ansetzen, den man entweder in der Apotheke bekommt – oder bei einem Bäcker, der noch damit arbeitet. Die Brote bestehen aus 90 Prozent Roggen und zehn Prozent Weizen. „Das Besondere daran ist die dicke Kruste“, erläutert er. Sie entsteht durchs Backen bei diesen hohen Temperaturen und sorgt dafür, dass die Brote länger frisch bleiben.

Während der Landfrauen-Kuchen an allen sieben Terminen ratzeputz ausverkauft war, blieben vom Brot an einem Samstag noch ein paar übrig. Nämlich dann, als eine Woche zuvor der Gassenmarkt gewesen war, als auch gebacken wurde. Und scheinbar die Vorräte noch so groß waren, dass weniger Bedarf als sonst herrschte, vermutet Kunkel.

Bei den Überwälder Landfrauen ist man immer sehr zufrieden mit der Resonanz. „Das macht ja dann auch viel Spaß, wenn der Kuchen so gut ankommt“, hieß es. Neben dem kompletten Vorstand sind immer auch ein paar zusätzliche Helferinnen dabei. Butterstreusel ist der Klassiker, je nach Jahreszeit kommen dann ein paar andere fruchtige Beläge dazu. Das können neben Apfel auch Rhabarber, Zwetschge und Sauerkirsch sein.

Dazu werden selbstgemachte Marmeladen, aber auch Kochkäse („auf jeden Fall kein Magerquark“, der Rest ist geheim…) nach einem eigenen Rezept angeboten, sodass sich das Sauerteigbrot gleich vor Ort genießen lässt. Der Kuchenteig ist selbst gemacht. Dazu wird dann um halb 6 aufgestanden und losgelegt. Die „Schlange quer über den Platz“ zeigt, wie begehrt das Backen auf traditionelle Art und Weise ist. „Dieses Mal war so viel los, dass wir selbst nichts mehr bekommen haben“, schmunzelten die Damen.

„Was früher als Kuchenrezept gang und gäbe war“, wird heute von den Landfrauen je nach Jahreszeit frisch belegt und dann im Ofen am Einhaus bei 170 Grad gebacken. Die „tollen Rezepte“ stammen aus dem Backbuch „Walters Hefeteig“. In ihm hat die Wald-Michelbacherin Lore Walter Rezepte aus früheren Jahrhunderten zusammengefasst. Die – der Name sagt es schon – sich immer um den Hefeteig und seine wohlschmeckende Verarbeitung drehen. Dass die Rezepte auch in heutiger Zeit ankommen, macht der reißende Absatz deutlich.

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