Großes Interesse der Bürger am altengerechten Wohnen in Abtsteinach – Baustart im November

Das Interesse war groß. Sehr groß. Bis auf den letzten Platz war der Sitzungssaal im Rathaus gefüllt, als dort parallel mit den Anfang kommender Woche beginnenden Entkernungs- und Abbrucharbeiten der Vermarktungs-Startschuss fürs altengerechte Wohnen in der ehemaligen „Rose“ fiel. Vor dem Gebäude standen auch schon die ersten Warnbaken, die die Bauarbeiten ankündigen.

Die Entkernung des Objektes wird laut Bürgermeisterin Angelika Beckenbach etwa eine Woche dauern, sagte sie in ihrer Begrüßung. „Danach beginnen die Abbrucharbeiten.“ Zwar sollen diese zum Hof hin erfolgen, aber Behinderungen auf der Löhrbacher Straße können nicht ausgeschlossen werden. Ab und zu würden halbseitige Sperrungen nötig, sagte sie. Danach übernimmt im November die FWD-Hausbau und beginnt mit ihren Arbeiten zur Gebäudeerrichtung.

Für die Dossenheimer Firma erläuterte Gustav Bylow sowohl die Vorgeschichte als auch die aktuellen Planungen. Dass es ein „für Abtsteinach sehr wichtiges Projekt“ sei, zeige sich schon an der sehr großen Resonanz. Bylow bezeichnete das betreute Wohnen als „Baby“ von Ex-Bürgermeister Rolf Reinhard, der es jahrelang vorangetrieben habe. Das „schöne Projekt“ unterstütze die Bemühungen der Gemeinde, dem Ausbluten der Ortsmitte entgegenzuwirken.

Menschen, „die im Kopf noch auf Draht sind“, solle mit dieser Form ein selbstbestimmtes Wohnen im Alter ermöglicht werden, sagte Bylow. Auch wenn sie körperliche Handicaps hätten. „Es soll kein Heimcharakter entstehen“, formulierte er. Den Bewohnern, „die noch auf Zack sind und was erleben wollen“, gebe man durch die Caritas-Betreuung eine Begleitung an die Hand, damit sie nicht alles selbst machen müssen. „Damit man sich im Haus wohlfühlt und eine gute Nachbarschaft entsteht.“ Sowohl nach innen als auch nach außen, zur Gemeinde hin.

Das zweistufige Betreuungskonzept bietet Unabhängigkeit und Sicherheit für die Bewohner, so Bylow. Der durch die Betreuungspauschale abgegoltene Grundservice biete Auskunft, Beratung und Hilfe in Fragen des täglichen Lebens. Die Caritas kümmert sich auch um Aktivitäten und vermittelt bei Bedarf pflegerische und hauswirtschaftliche Wahlleistungen.

Der FWD-Mann beleuchtete im Anschluss die verschiedenen Komponenten des Gebäudes. Es entstehen insgesamt 19 Zwei- und Dreizimmer-Wohnungen. Im Untergeschoss gibt es 16 Stellplätze, im Erdgeschoss Gemeinschaftsraum, Arztpraxis und Bankfiliale. „Wir verzichten auf Abstellräume in den Zimmern“, sagte er. „Die nehmen nur Platz weg und man kriegt sowieso nicht wirklich was rein.“ Stattdessen bekommen alle Wohnungen einen Kellerraum.

Bylow verdeutlichte, dass es zum jetzigen Zeitpunkt noch etliche Einflussmöglichkeiten auf die Gestaltung der Wohnungen gibt. Nicht nur in Bezug auf die Ausstattung, sondern auch in puncto innerer Zuschnitt. „Auf Anfrage kann es auch eine offene Küche geben“, erläuterte er. Außerdem ist eine individuelle Bemusterung möglich. Die Zwei-Zimmer-Wohnungen sind zwischen 57 und 63 Quadratmetern groß, die Drei-Zimmer-Apartments zwischen 81 und 84 qm. Die Preise liegen zwischen 172.000 und 261.000 Euro. Für einen Tiefgaragenplatz werden 19.900 Euro fällig. „Für betreutes Wohnen ist das scharf kalkuliert“, meinte er.

Die Fertigstellung des Komplexes ist für Sommer 2019 geplant. Das Projektvolumen beläuft sich laut Bylow auf 5,2 Millionen Euro. Während der Verkauf der Wohnungen schon jetzt startet, wird der Vermietungsbeginn etwa vier bis sechs Monate vor Fertigstellung sein. Er bezifferte auch detailliert die einmaligen und monatlichen Kosten bei/nach einem Kauf. Die Vermietung können Eigentümer auch auf fünf oder zehn Jahre an die FWD übertragen. Dies mit einer Mietgarantie, die für die gewählte Zeit die Einnahmen sicherstellt, egal ob belegt ist oder nicht. Das Risiko trägt die FWD.

Beim Mietpreis werden seinen Worten zufolge etwa acht Euro kalt pro Quadratmeter angenommen. Für eine 59-Quadratmeter-Wohnung machte er die Rechnung auf, dass dies 470 Euro bedeute. Dazu 150 Euro Nebenkosten plus 75 Euro Grundservice (Caritas) für eine und 95 Euro bei zwei Personen. Somit komme man auf etwa 700 Euro Warmmiete exklusive Strom und Telefon. Internetzugang und Fernsehanschluss sind vorhanden, sagte er auf Nachfrage. Blockheizkraftwerk und Gasbrennwerttherme sorgen für die Wärme, so Bylow. „Alle Wohnungen sind seniorengerecht.“ Die Böden erhalten standardmäßig eine Holzdielenoptik und Elektrorollläden.

Viele Fragen aus dem Publikum und spätere Gespräche im kleinen Kreis zeigten die große Nachfrage aus der Bevölkerung. „Wir haben 60 Bürger direkt eingeladen, die im Vorfeld Interesse bekundet hatten“, so Bürgermeisterin Beckenbach. Angesichts von 19 Wohnungen „doch eine sehr gute Zahl“, lächelte sie. Genaueres wollten die Leute zu Wohnungseinrichtungen und –ausstattungen, aber auch zur Mietpreisgarantie wissen.

Eine sogenannte Mietmanagement-Gebühr von acht Prozent der Kaltmiete wird von der FWD in Rechnung gestellt, wenn jemand diese in Anspruch nimmt. „Denn wir tragen dann auch das Risiko“, sagte Bylow. Zur Bezugsfertigkeit, erläuterte er vor dem Hintergrund der anderen von der FWD realisierten Objekte, „sind meistens alle Wohnungen vermietet“.

Eine Frage weitere drehte sich darum, ob die Kirchenglocken durchgehend läuten. Aktuell ja, lautete die Antwort. Von Interesse war daneben der Punkt, mit welchen Pflegegrad Menschen im betreuten Wohnen aufgenommen wurden. Das ist immer abhängig von den kognitiven Fähigkeiten und ob ein Partner mit einzieht, hieß es seitens der Caritas.

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