Enduro-Fahrer aus ganz Europa sind bei der Classic-Fahrt des MSC Ulfenbachtal am Start

„Classic heißt schrauben“, bringt es Markus Hirsch auf den Punkt. Der sportliche Leiter des MSC Ulfenbachtal ist eines von 100 Vereinsmitgliedern, das bei der 15. ADAC Johann-Philipp-Jöst-Gedächtnisfahrt voll gefordert ist. Die Enduro Classic rief der MSC anlässlich seines 50-jährigen Bestehens wieder ins Leben. Fahrer aus ganz Europa sind ganz wild auf die Teilnahme, weiß Hirsch. Doch nur 140 dürfen an den Start. 250 wollten. Wegen Platz, Zeitrahmen und Fahrerlager muss der MSC aber das Starterfeld begrenzen.

Das Gelände im Überwald bietet eine der schönsten Enduro-Strecken in Deutschland. Was da rund um den Ort fährt, über Stock und Stein in der Wüstenbach, liest sich wie ein „Who’s who“ der alten Motorradmarken, bei denen jedem Fan das Herz aufgeht. Die BMW-Geländemotorräder sind darunter noch die bekanntesten, die bei der Enduro-Classic in Schimmeldewog loslegen. Java, Laverda, Bombardier, Maico, Sachs, Simson, Hercules, Puch sind weitere Exoten, gefolgt von KTM, MZ, SWM, Moto Monini oder Bultaco. Allen ist eines gemein: Sie müssen vor 1980 gebaut sein.

Mindestens genauso so alt wie ihre Untersätze sind auch die tollkühnen Männer auf ihren fahrbaren Kisten. Den Vogel schießen Hermann Schnurr und Burchard Lenz ab, die das Alter ihrer Zweiräder locker toppen. Beide sind 82 Jahre alt und bekamen damit auch Preise als älteste Teilnehmer. „Der Hermann Schnurr ging schon vor 40 Jahren bei uns auf die Strecke“, erinnert sich Hirsch. Ein passionierter Schrauber, dem das Benzin im Blut zirkuliert und der nach wie vor seine Honda XL 185 beherrscht. Wie ihn gibt es einige, die seit 50, 60 oder mehr Jahren dem Motorsport im Gelände verfallen sind.

Und das nicht irgendwo: „Hier geht’s nicht nur einmal um den Fischteich rum“, erläutert der Sportleiter die sehr anspruchsvolle Strecke. Entsprechend sehen Fahrer und Gefährt dann auch danach aus. Eine durchgehende brauen Schicht hat sich spätestens bei der dritten 25-Kilometer-Runde auf beide gelegt. „Manche überschätzen sich dabei auch“, weist Hirsch auf einen Gestürzten hin.

Schimmeldewog zählt neben Isny und Zschopau zu den drei renommiertesten deutschen Enduro-Strecken. Wobei „selbst die aus Isny sagen, bei uns ist es sehr schön“, freut sich Hirsch. Denn während im Bayrischen bei Regen alles absäuft, „ist bei uns noch alles befahrbar“. Kein Wunder, dass Teilnehmer aus Belgien, Italien, Kroatien, Frankreich, der Schweiz und den Niederlanden an den Start gehen.

„Das Highlight ist die Geländefahrt“, betont Markus Hirsch. Denn auf den 25 Kilometern gibt es nur 500 Meter Asphalt. Der Rest geht durch die Prärie, durch Feld, Wald und Wiesen im stetigen Auf und Ab. „Deshalb ist das auch so toll für die Fahrer.“ Außerdem „stimmt organisatorisch alles“ bekommt der MSC immer wieder als sehr positive Rückmeldung.

Mit dem 57-jährigen Pierfranco Muraglia auf seiner Fantic Caballero 125 hatte die 15. Enduro Classic einen ganz besonderen Gast. Denn der Italiener war in früheren Jahren mehrfacher italienischer, Europa- und Weltmeister auf Kawasaki, Aprilia oder Gilera. Etliche deutsche Meister und viele weitere namhafte Fahrer belegen die internationale Bedeutung der Veranstaltung in Schimmeldewog.

Das Wertungssystem ist komplex, macht aber auch deutlich, dass beim Wettbewerb viel Gaudi dabei ist. 14 verschiedene Klassen gibt es. Jeder Fahrer hat noch vor dem Start 200 Strafpunkte auf dem Konto. Davon werden Fahrer- und Motorradalter abgezogen. Sprich 100 Punkte, wenn beide 50 alt sind. Fährt ein 30-Jähriger eine 40 Jahre alte Maschine, sind es nur 70. Der Jungspund muss dann diese 30 Punkte in den Sonderprüfungen wieder aufholen.

Zu den Aufgaben zählt auch, in 20 Sekunden die alte Kiste zu starten und abzufahren. Auf der Cross-Strecke bedeutet jede gefahrene Sekunde einen Strafpunkt. Wer dann am Ende die wenigsten Zähler auf seinem Konto hat, gewinnt seine Klasse. Zusätzlich müssen drei Runden à 25 Kilometer in maximal je 90 Minuten absolviert werden. Laut Hirsch dient das aber lediglich als Zuverlässigkeitsprüfung. „Die ist locker zu schaffen“, meinte er.

Gleich zwei Motorräder aus dem Jahr 1955 zählten zu den ältesten des Wettbewerbs. Beide Male handelte es sich um eine DKW, einmal eine 175 GS, einmal eine RT 125. Das älteste Gespann nannte Siegfried Richter sein Eigen: eine BMW R 69 S 750 von 1962 mit Kaiserzylinder. „Das ist eine besondere Rarität“, schwärmt der sportliche Leiter. Wie bei den anderen Oldtimern auch müssen die Fahrer absolute Spezialisten für ihre Maschinen sind. „Alles muss selbst angefertigt werden“, erklärt Hirsch. „Denn Teile gibt es dafür keine mehr.“

Für den MSC ist der Event eine Herkulesaufgabe. Denn kaum ist die eine Veranstaltung vorbei, steht die des kommenden Jahres in den Startlöchern. „Bis Ende Oktober muss beim ADAC der Termin für 2018 gemeldet sein“, lacht Hirsch. Mit 100 ehrenamtlichen Helfern wird dieser Tag dann gestemmt. Sieben Streckenmarschalls sichern die Strecke und reparieren sie bei Bedarf auch.

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