Kerwefußballspiel in Siedelsbrunn: Oberdorf holt den ersten Sieg seit 25 Jahren

Der Jubel kannte keine Grenzen: 5:1 gewann das Oberdorf das Kerwefußballspiel gegen das Unterdorf. „Der erste Sieg seit 25 Jahren“, freute sich Kerweparre Björn Stein, selbst Mitglied des Gewinnerteams. Der Platz war nach den langen Regenfällen zwar schwer beispielbar und stand noch teilweise unter Wasser. Dazu kam von oben immer wieder neue Flüssigkeit hinzu. Das tat der Gaudi der beiden Teams mit je neun Spielern aber keinen Abbruch. Eine knappe Stunde wurde gespielt, bevor es ans Feiern ging.

Die Akteure sorgten mit reichlich anderer, geistreicher Flüssigkeit dafür, dass dem profanen Wasser von außen innerlich gut gekontert wurde. „Das Unterdorf kommt langsam in die Jahre“, wurde aus Zuschauerkreisen geflachst, während sich die aus „Ober“ gut verjüngt hatten. Dazu hatten die Gewinner „sehr gut trainiert“, meinte er Stein. Ob auch Fußball dabei war, ließ er offen. Auf jeden Fall legte sich das Team bei seinem Abschiedsspiel als Kerweparre gehörig ins Zeug.

Unter der souveränen Leitung der Schiedsrichter Mirko Ehrahrd und Thomas Kuhnt sahen die trotz des Regens vielen Zuschauer eine faire und abwechslungsreiche Begegnung. Zur Halbzeit stand es erst 1:0, aber dann setzte das Oberdorf in der Schlammschlacht kräftig nach. Der mitgebrachte Fanclub sorgte für die entsprechende Stimmung, so dass die Tore in der zweiten Hälfte nach der ausgeglichenen ersten wie am Fließband fielen. Besonders Patrick Stang tat sich mit drei Treffern hervor, während Joachim Wenisch im Tor dafür sorgte, dass der Oberdorf-Kasten fast sauber blieb.

Auch die Kerweeröffnung am Freitag fand einen Zuspruch „wie bestimmt seit zehn Jahren nicht mehr“, freute sich der Kerweparre. Als Neuerung fand diese diesmal im Festzelt auf dem alten Schulhof statt. In deren Nähe hatte Björn Stein zusammen mit seinem Mundschenk Jonas Röth sowie den beiden Kerwemädels Marie Arnold und Franziska Böddicker die Kerwe in Form einer Flasche Wein ausgegraben. Chef-Geometer Jens Eder trug für diese Zeremonie die Verantwortung.

Im Zelt angekommen, stellte der Kerweparre den Gästen diesen alten Brauch der Kerweausgrabung vor. Dann gingen Bürgermeister Sascha Weber und Ortsvorsteher Helmut Gremm zu Werke und sorgten dafür, dass nach einem reibungslosen Fassbieranstich der Gerstensaft neben dem Regen in Strömen floss.

Gremm bedankte sich bei dieser Gelegenheit bei allen Helfern. Er nannte stellvertretend Mirko Ehrhard, der sich um den Gesamtaufbau kümmerte, Elektro-Fachmann Werner Binder, Bernd Gerner, „der die Fäden in der Hand hält“, und Thomas Kuhnt, der als Nachbar „immer zur Stelle ist, wenn er gebraucht wird“. Auch Weber lobte das große Engagement der Ortsbevölkerung bei der Ausrichtung dieser Traditionsveranstaltung und wünschte ein gutes Gelingen.

Den musikalischen Auftakt des Abendprogramms machte die Kocherbacher Trachtenkapelle mit ihrer schwungvollen Mischung aus Polkas, Märschen und Walzern. „Böhmischer Traum“, „Trompetenecho“ oder „Dem Land Tirol die Treue“ lauteten nur einige der Stücke, mit denen die 20 Musiker das Festzelt begeisterten.

Volles Haus dann am späteren Abend bei den „Knetknapp“. Die Band aus Abtsteinach und Umgebung zog über 300 zahlende Gäste an, was ein Lächeln auf die Gesichter der Verantwortlichen zauberte. Bis 2 Uhr in der Nacht wurde getanzt. Patrick Gräber (Gesang und Bass), Michael Jungmann (Gesang und Gitarre), Janina Becker (Keyboards), Daniel Arnold (Schlagzeug), Nico Böhm (Gitarre) und Sonja Schmitt (Gesang) wussten mit ihrer Mischung von deutschen Schlagern über bekannte Chartstürmer bis hin zu alten Rockklassikern zu begeistern.

„I want it all“ von Queen findet sich auf der Setliste ebenso wie „Dead or alive“ von Bon Jovi oder der Klassiker „Proud Mary“ von CCR. Genauso kommt aber auch die Spider Murphy Gang mit „Schickeria“ oder „Skandal im Sperrbezirk“ zu ihrem Recht. Fast ein Muss für Partytime sind die „Schürzenjägerzeit“, „Schatzi schenk mir ein Foto“ oder der „Summer of 69“ von Bryan Adams.

„Die Hölle morgen früh“ war dem einen oder anderen ein paar Stunden später vielleicht noch in guter Erinnerung. „Dein ist mein ganzes Herz“ wurde sicherlich das eine oder andere Mal in der Nacht auch noch geflüstert, wenn nicht gerade die „Schwarze Natascha“ über den Weg lief. Ob die „Sharp dressed men“ auf „Girls wanna have fun“ trafen, ist nicht überliefert. Auf jeden Fall passte als Motto der Band „Let me entertain you“ bestens, denn die Stimmung war super.

Der Montag startet um 11 Uhr mit dem Frühschoppen, zu dem das Odenwälder Nibelungen-Duo aufspielt. Ab 11.30 Uhr gibt es als Mittagstisch Schweinebraten mit Knödeln und Rotkraut. Gegen 12.30 Uhr erfolgt die Eintragung ins Burschenbuch. Die geht auf eine alte Tradition zurück. Die jungen Männer sind dadurch quasi fürs weibliche Geschlecht „freigegeben“. Schon vor ein paar Jahrzehnten wurde dieser Programmpunkt als Attraktion in die Traditionsveranstaltung eingeführt. Der Ausklang findet im Festzelt sowie im Deutschen Haus statt. An allen vier Tagen gibt es auf dem Festplatz die bewährte Unterhaltung für Groß und Klein mit Kinderkarussell und Süßwarenstand.

 

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