Bei der Scharbacher Kerwe: Beach-Volleyball unter nassen Vorzeichen

Genug Wasser hatte es auf den jeden Fall für das erste Beachvolleyball-Turnier während der Scharbacher Kerwe. Allerdings nicht am angrenzenden feinsandigen Strand, auf den die Sonne herabschien, sondern von oben. In Massen. Und das bei so gar nicht sommerlichen Temperaturen, was zusammen mit dem nassen, tiefen Untergrund das Turnier zur Herausforderung machte. Aber die Teams kannten kein Pardon. Bis abends um 20.30 Uhr wurde mehr als vier Stunden gepritscht, gebaggert, gepeitscht und aufgeschlagen.

Am Ende hatte unter den zwölf Teams das die Nase vorn, dem man den Sieg auch am ehesten zutraute und das die Sportart sogar im Namen trug: die Hobby-Volleyball-Gruppe. Zweiter wurden die „Melles Vollboys“ vor den „Urumbl“ rund um Kerweparre Stefan Schmitt. Weitere klangvolle Namen wie die Bembelridder, Spice Girls, Chorifeen, Bauwagen, Falscher Ton, Shakers und Kerwejugend Hammelbach machten das Turnier zum Event.

Alle Teams kamen aus der Großgemeinde. Sie hatten sich wettergemäß gewappnet, auch wenn so manches Kleidungsstück in Mitleidenschaft gezogen wurde. Am besten waren die mit möglichst wenig am Leib dran, was aber bei 15 Grad zu einer Zitterpartie werden konnte. Schlammpfützen auf dem Sportplatz ließen die meisten Besucher dann doch lieber in der überdachten Halle verharren und das Geschehen aus der Ferne beobachten.

40 Tonnen Sand, die später im Hammelbacher Schwimmbad verwendet werden, waren am Tag zuvor auf dem Scharbacher Sportplatz angeliefert worden. In einer Hauruck-Aktion machten die freiwilligen Helfer am Morgen des Events mit schwerem Gerät daraus dann ein Beachvolleyballfeld. Zwischen den achtminütigen Begegnungen wurde der Platz mit Rechen wieder hergerichtet. Die Moderation übernahm Jörg Rettig. Der kündigte als kundige Schiedsrichterin schmunzelnd Nicole Scholl an, „die als Zuschauerin bei der Beachvolleyball-WM in Wien dabei war“. Für die kommende Weltmeisterschaft „werden jetzt die Talente ausgesucht“, meinte er.

Nach dem Kerwegottesdienst war zum Auftakt des viertägigen Treibens der freitägliche Bunte Abend im Haus der Vereine bestens besucht. Auch hier führte Rettig durchs umfangreiche Programm, das erst kurz vor Mitternacht endete. Das Wissen um Scharbach und die Musik wurde von drei Teams abgefragt, die sich aus je drei Personen von Ober- und Unter-Scharbach sowie Auswärtigen zusammensetzten. Natürlich wussten die Scharbacher besser über ihre Geschichte Bescheid als die außerhalb der Gemeindegrenzen.

Der Kinderchor „Ohrwürmer“ sang zu Beginn die Lieder „Chöre“ und „Hulapalu“. Den Fassbieranstich nahmen Bürgermeister Markus Röth und Kerweparre Stefan Schmitt vor, der auch die Begrüßung übernahm. Einen Tanz der Kerwejugend und Aufführungen der Kerwekids schlossen sich Lieder des Gesangvereins Waldeslust, ein Sketch der Sänger, Männerballett und ein Sketch des Kerwepfarrers an. Für die Unterhaltungsmusik sorgte Florian Koch.

Thomas Stalf hatte sich mit Lektüre der Ortschronik zwölf knifflige Fragen ausgedacht, die den Rateteams einiges abverlangten. Da ging es darum, wie viele Einwohner Scharbach aktuell hat (541), aber auch, wie viele es 1613 waren (50 in Ober-, 80 in Unter-Scharbach). Sieben Bürgermeister hatte der Ort während seiner Selbstständigkeit, die 1972 mit der Eingemeindung nach Grasellenbach endete.

Wissen mussten die Ratenden außerdem, wann der Gesangverein gegründet wurde (1898) oder wann es auf der Kerwe einen tödlichen Streit gab. Die erste urkundliche Erwähnung Scharbachs lässt sich im Jahr 1359 belegen, erläuterte Moderator Jörg Rettig. Und Mitte des vergangenen Jahrhunderts gab es noch 42 Bauern im Dorf.

Beim Musikquiz summte das Publikum eine Melodie vor und die Rateteams mussten sie erkennen. Der „kleine grüne Kaktus“ war ebenso dabei wie „Theater, Theater“ von Katja Ebstein oder „Atemlos“ von Helene Fischer. Auch hier wieder „Eine Reise durch die Jahrzehnte“ zurück in die Zukunft, wie das Motto der Kerwe hieß. Da sich Ober- und Unter-Scharbach mit je sieben Punkten den Sieg teilten, gab es ein Patt.

Mit Blick auf den früheren tödlichen Streit bei der Kerwe wurden beide zu Gewinnen erklärt. Die Sieger erhielten je eine Flasche Sekt. Beim Geschicklichkeitsspiel siegten die Auswärtigen. Da ging es unter großem Gelächter darum, einen langen Spaghetti-Faden ohne Hände an den Nachbarn weiterzugeben.

Info: Der letzte Kerwetag beginnt am Montag um 10 Uhr mit dem Frühschoppen, bei dem das Freibier natürlich am besten schmeckt. Als feste Nahrung gibt es Wellfleisch und Kerwepfanne. Um 15 Uhr findet zum Abschluss die Tombola statt. Ort ist wie immer das Haus der Ortsverein, die sich bei schönem Wetter noch einmal über zahlreichen Besuch freuen würden.

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