Sich selbst kreativ verwirklichen: Kunst-Mitmach-Aktion bei Ingrid Scholz auf der Tromm

Klopfendes Herz, amputierter Mann oder Durchdringung: Die Bilder und Kunstwerke von Ingrid Scholz sind nicht nur ein Hingucker, sie haben auch griffige Namen, die im Gedächtnis bleiben. Die auf der Tromm beheimatete Künstlerin öffnete beim Bergfest aufs Neue ihr Atelier und gewährte einen Einblick in ihr vielfältiges Schaffen. Gleichzeitig gab es an diesem Tag eine Kunst-Mitmach-Aktion, bei der jede/r Interessierte seine eigenen kreativen Fähigkeiten testen konnte.

Ingrid Scholz setzt in ihren künstlerischen Werken das um, was ihr im täglichen Leben begegnet. Aktuell ist das mit „Sonnenwinde“ eine Betrachtung der aktuellen Situation auf der Welt. Denn die Atmosphäre verändere sich durch die Naturphänomene extrem und sorge für viele Katastrophen. Scholz hat für ihr Bild eine Aluplatte mit einer Flex strukturiert, wodurch die Verwirbelungen im Zentrum entstehen.

Zwei Ausrufezeichen, eines nach oben, eines nach unten zeigend, symbolisieren für sie das Auf und Ab in einer Beziehung. Einmal ist der eine oben, dann wieder unten – und umgekehrt. Beim „amputierten Mann“ griff sie das Gefühl von jüngeren Frauen auf, den Partner eventuell einzuengen. „Was mich bewegt, versuche ich umzusetzen“, verdeutlicht Ingrid Scholz. Ihre Ideen sind direkt aus dem Leben gegriffen.

„Wings in the Wilderness“ entstand etwa bei einem England-Aufenthalt mit den Kindern. Als plötzlich aus den Nebelschwaden viele ihr unbekannte Vögel aufstiegen, inspirierte dies die Künstlerin zu dem Holz-Objekt mit zwei stilisierten Flügeln. „Das sind keine Engelsflügel“, schmunzelt Scholz. Das Erlebnis auf der Insel beeindruckte sie dermaßen, dass sie sich an die Arbeit machte und aus Holz ihr Werk aussägte.

Auf großes Interesse stieß die nachmittägliche Kunst-Mitmach-Aktion im Garten. Sie ist angelehnt an Joseph Beuys. Denn dieser war einer ihrer Dozenten, als Ingrid Scholz Kunst und Pädagogik an der Universität Kassel studierte. Bunte Holzklötze konnten auf eine Metallstange gesetzt werden – beliebig in Farbe und Form, ganz wie es den jeweiligen Künstlern gefiel.

„Jeder Mensch ist kreativ“, meinte Scholz nach der Idee von Beuys. Und genau dazu wollte die Aktion ermutigen: sich selbst künstlerisch zu verwirklichen. Die notwendigen Materialien entstanden in Eigenregie: Die diversen Holzklötze ließ sie in unterschiedlichen Formen sägen und dann Löcher in die Mitte bohren, um sie aufeinander schichten zu können. „Alle sind ein wenig verschieden“, betont die Künstlerin.

Deshalb gibt es wie bei den Lottozahlen auch unendlich viele Kombinationsmöglichkeiten der in Rot, Weiß, Blau und Gelb gehaltenen Holzklötze. Scholz will jedoch nach Abschluss die Gebilde nebeneinander stellen und zu einem einheitlichen Kunstwerk zusammenfügen. Als die ersten Besucher kamen, „ging es ruckzuck, dass Figuren entstanden“, meinte sie. Jemandem das Gefühl zu geben, selbst kreativ tätig sein zu können, ist für sie etwas sehr Wertvolles.

Eine andere Aktion, die vor zwei Jahren im späten Frühjahr startete und dann auch im Rahmen des Trommer Bergfestes lief, ist jetzt im Internet auf www.beziehungswand.de zu sehen und soll eine Wiederholung erfahren. Ingrid Scholz wollte mit ihrer Beziehungswand quasi ein „Museum in der freien Natur“ schaffen, in das sich alle einbringen könnten, wie sie erläuterte. Im Museum gebe es viele aufgehängte Dinge, diesen Ansatz verfolgte sie auch hier.

Das, was den Weg an die Beziehungswand fand, hing dort so lange, wie es die Natur zuließ. Deshalb wurden manche Objekte auch laminiert oder in Klarsichthüllen gesteckt. Inzwischen nagte der Zahn der Zeit so stark, dass Gerold Scholz die Dinge abhängte. Gleichzeitig stellte er aber einen Dreibeiner an diese Stelle, „damit die Leute wieder etwas dranhängen können“. Denn durch das Aufhängen bekomme man eine Beziehung zu den Objekten, so werde die Beziehungs- auch zu einer Museumswand.

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