Trommer Sommer: Pettersson und Findus sind einfach allerbeste Freunde

Wenn man mit geschlossenen Augen lauscht, dann könnten dort vier, fünf oder sechs Personen auf der Bühne stehen. Denn die Wandlungsfähigkeit von Ellen Heeses Stimme ist phänomenal. Den granteligen, griesgrämigen, leicht vertrottelten Pettersson spricht sie mit sonorer Stimme à la Willy Brandt, immer schön laaangsam-gemütlich. Quietschfidel, jederzeit in Bewegung und ständig auf Achse dagegen Kater Findus, der ihn mit seinem leicht piepsigen, nasalen Organ auf Trab hält.

Schnaufend-schnüffelnd der alte Dachs, den Petersson wieder in den Wald vertreibt, gackernd-neunmalklug bis trottelig die Hühner und leicht exaltiert bis eingebildet die Muggler, kleine, für Menschen unsichtbare Wesen. Alle zusammen bildeten in verschiedenen Stimmen, die eigentlich nicht nur von einer Person zu stammen scheinen, bei der ersten Veranstaltung des 21. Trommer Sommers die Ein-Frau-Aufführung „Wie Findus zu Petersson kam“ nach einer Geschichte des schwedischen Autors Sven Nordqvist.

Die Kinder nahmen schnell die vorderen Reihen in der heimeligen Hofscheuer in Beschlag, Eltern oder Großeltern „durften“ nach hinten ausweichen. Wenn denn Platz war. Denn das schwül-heiße Hoftheater platzte dieses Mal zum Auftakt aus allen Nähten, jeder Stuhl war besetzt. Gespannt wie ein Flitzebogen konnten es die Kleinen (und auch Großen) kaum erwarten, dass Ellen Heese vom Heidelberger „Theater en miniature“ mit ihrer Erzählung begann.

Petersson, ein alter Mann auf dem Land, war so allein, dass er sich am Morgen am liebsten die Decke über den Kopf gezogen hätte. Bis seine Nachbarin ihm ein kleines Kätzchen schenkte. Endlich hatte er jemanden, der ihm zuhörte. Und nicht nur zuhörte, sondern plötzlich auch mit ihm sprach. Da blühte der alte Griesgram so richtig auf. Von morgens bis abends erzählte der Alte dem kleinen Kater Geschichten aus seinem Leben. Er stellte ihm das Haus, die Umgebung, die Nachbarn vor, den Hühnerstall oder die Stierweide.

Findus lauschte aufmerksam und Pettersson war glücklich. Und war natürlich schnell bei der Sache, als sich der Kater eine grüne Hose wie der Clown in der Zeitung wünschte. Mit der machte der Vierbeiner zur Freude seiner kleinen Fans einige akrobatischen Vorführungen und landete auch bei den Hühnern – Chaos inklusive. Viele Lacher heimsten die Wortverdrehungen der Muggler ein, wenn aus Findus Verschwindus oder Schnullerfuchs wurde.

Ellen Heese spielt in den verschiedenen Szenen, oft nur von Musik untermalt, ihr pantomimisches Talent voll aus. Mit Mimik, Gestik, Bewegungen oder Augenrollen schafft sie es, die Kinder in ihren Bann zu ziehen. Und wechselt im Sekundentakt zwischen ihren einzelnen Figuren hin und her, macht sich selbst zur Erzählerin, ist traurig-sonor, überkandidelt-kieksig oder bräsig-langweilig.

Die Geschichte hat auch eine tiefergehende Botschaft: Alleinsein ist nicht besonders schön. Nachdem sich der Kater aus Angst vor dem Dachs versteckt hatte, strickten die Muggler aus allerlei Socken eine Spur, mit der ihn Petersson wieder finden und in die Arme schließen konnte. Der freut sich total, seinen Gefährten wohlbehalten gesund wieder zu haben. Als „allerbeste Freunde“ gibt’s dann zum Abschluss Pfannkuchentorte. Was nicht nur den beiden imaginären Figuren das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Alle sind zufrieden: Auch die kleinen und großen Zuschauer, die Ellen Heese mit ganz großem Applaus verabschieden.

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