Vielfältige Anforderungen im ländlichen Raum: Grünen-Politiker besuchten die ZKÜ in Wald-Michelbach

Wie geht der ländliche Raum mit dem Strukturwandel um, welche Maßnahmen werden zur Tourismus- und Wirtschaftsförderung ergriffen? Um sich über diese Aktivitäten der Zukunftsoffensive Überwald (ZKÜ) zu informieren, waren die Grünen-Landtagsabgeordnete Eva Goldbach (Sprecherin für den ländlichen Raum), der Bundestagskandidat Moritz Müller und der Vorstandssprecher des Bergstraßen-Kreisverbands, Matthias Schimpf, in die Igena gekommen.

Begrüßt wurden sie dort von ZKÜ-Geschäftsführer Sebastian Schröder und Bürgermeister Dr. Sascha Weber. Dieser ging auf die Schwierigkeiten einer Kommune im ländlichen Raum ein. Dazu zähle auch die Anbindung an die Ballungsräume, weswegen er die B38a als wichtigen Aspekt für die Zukunftsfähigkeit des Überwaldes bezeichnete. Die Aktivitäten der ZKÜ inklusive des bisher vom Land geförderten Gründerzentrums seien sehr wertvoll für die Gemeinde.

Dieses sei mit ein Grund gewesen, „die Landtagsabgeordnete hierher zu bringen“, betonte Kreissprecher Schimpf. So könne man sich darüber unterhalten, wo die ZKÜ mögliche zukünftige Betätigungsfelder sehe und welche Aufgaben sie übernehmen könne. Schröder erläuterte die Vorgeschichte der Tourismus- und Wirtschaftsförderung. Erste Gedanken gab es schon nach dem Jahrtausendwechsel. Diese konkretisierten sich nach der Coronet-Pleite und mündeten dann 2010 in der Gründung einer GmbH, die von den drei Überwald-Gemeinden getragen wird.

Unterstützt von Weber und Schimpf wurde dann von ihm im Schnelldurchlauf die Igena-Geschichte erläutert. Um dem nachlassenden Tourismus und der wirtschaftlichen Schwäche auf dem Land zu begegnen, nahm die Zukunftsinitiative ihre Arbeit auf. Mit dem Gründerzentrum, damals das zweite in ganz Hessen, sollten Anreize geschaffen werden, den Menschen vor Ort eine Arbeit zu ermöglichen, damit sie nicht in die Stadt abwandern müssten.

Sommerrodelbahn, Kletterwald und Solardraisine bringen laut Schröder eine große Wertschöpfung für die Region. Etwa 150.000 Besucher fänden so übers Jahr den Weg in den Überwald. Allerdings „halten Leistungsanbieter wie Gaststätten“ mit diesem Boom nicht Schritt. Was aber vor dem Hintergrund der Anforderungen in der Gastronomie nachvollziehbar sei. „Wir arbeiten daran“, betonte der Geschäftsführer. „Fast alle Wirte sind um die 60“, wies Weber auf die demografische Komponente hin.

Etwas detaillierter gingen alle drei auf die Solardraisine ein. Ohne sie „wäre der Überwald touristisch schlechter gestellt“, meinte der Kreissprecher. Auch wenn man für den Unterhalt der Strecke immer etwas zuschießen müsse. Weber führte aus, dass es rund um die Zuschussrückforderung durch die WI-Bank Vergleichsgespräche gebe, die kurz vor einem Abschluss standen. Schröder betonte die sehr positiven Rückmeldungen von Gästen.

Für Goldbach war es ganz wichtig, die Trasse freizuhalten. Denn sie sah durchaus Möglichkeiten, auch ländliche Regionen über den Schienenverkehr anzubinden. Dies wird nach Ablauf der Mittelbindung in elf bis zwölf Jahren möglich. Die Beteiligten waren sich einig, dass es im Überwald noch viel Potential gibt, „weil die ZKÜ strampelt“ (Schimpf). Die Besucher „nehmen von hier mit, dass es Angebote gibt“ (Schröder). Über Mund-zu-Mund-Propaganda komme man so zu neuen Ausflüglern. Es sei deshalb wichtig, die Beteiligten vor Ort zu motivieren, „den Kopf nicht in den Sand zu stecken“.

In der Gesprächsrunde ging es unter anderem um die ärztliche Versorgung auf dem Land. Goldbach sah neue und innovative Modelle als notwendig an. Etwa mobile Facharztpraxen oder den Einsatz von qualifizierten „Arzthelferinnen“ bei Hausbesuchen. Die Möglichkeit, dass angehende Mediziner schon während des Studiums die Möglichkeit haben, in der Praxis die Arbeit und Organisation einer „Praxis für Allgemeinmedizin“ im ländlichen Raum zu erlernen, sei ebenfalls ein wichtiger und richtiger Schritt.

Goldbach und Müller sagten, dass eine schlechte Verkehrsanbindung ein wesentlicher Strukturnachteil sei. In diesem Zusammenhang wiesen Schimpf und Schröder auf die notwendige Umsetzung der B38a hin, die nach Jahren der Planung und der erfolgten Planfeststellung derzeit gerichtsanhängig ist. Zusammen mit dem Thema ÖPNV waren sich die Diskutanten allerdings hier nicht immer einig.

Das Wohnen auf dem Land soll attraktiver werden, hieß ein weiterer Schwerpunkt. Auch um der Immobilienblase in den Städten zu begegnen. Hier wurden mögliche Förderungen angesprochen, um die Menschen raus aus den Metropolen zu locken.

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