Bei der Traumnacht: Einblicke in die alte Handwerkskunst des Überwalds

Der Platz vor dem Überwald-Museum gehört traditionell Jürgen Walter und Jürgen Baron. Beide zeigen dort ihr altes Handwerk, während in den Museumsräumen die Geschichte der Region aus vergangenen Jahrhunderten in Augenschein genommen werden kann. Die Besucher wurden bei der Traumnacht von Vereinsmitglied Anneliese Daub eingewiesen, die gleichzeitig auf den freiwilligen Kulturbeitrag zur Finanzierung und das Gewinnspiel aufmerksam machte. Zwischendurch gab es auch eine Bilderpräsentation von OZ-Fotograf Fritz Kopetzky mit den schönsten Motiven aus den vergangenen neun Traumnächten zu sehen.

Jürgen Baron wohnt nur wenige Meter weiter in der Schwalbengasse. Eigentlich ist er Stuhlflechter, ebenso ein altes, fast ausgestorbenes Handwerk wie die Herstellung von Holzschindeln, die er an diesem Abend demonstriert. Diese hat er sich in den vergangenen Jahren angeeignet – auch aus eigenem Interesse. Denn Baron wohnt in einem mehr als 300 Jahre alten Fachwerkhaus mit Holzschindeln an den Außenwänden.

„Um die 16.000 dürften es wohl sein“, schätzt der Wald-Michelbacher. Da diese aufgrund ihres Alters ab und zu erneuert werden müssen, nutzt er die Traumnacht-Vorführung dafür, den benötigten Ersatz herzustellen. Jedes Jahr sind es somit um die 150 Eichenholz-Schindeln, die Baron ohne Zutun moderner Maschinen herstellt. Das Handwerk hat er von einem Bauern im Allgäu gelernt. Allerdings dauerte es dann noch einmal 20 Jahre, „bis ich es umsetzte“. Handgeschnitzte Schindeln reißen immer an der Holzfaser entlang und sind deshalb beständiger.

Die Herstellung von alten Reisigbesen demonstrierte Jürgen Walter aus Ober-Schimmeldewog. Er schaute sich dieses Handwerk beim Schwiegervater ab, der es nebenbei praktizierte. Die Materialien für die Besen kommen praktisch alle aus der Natur, so Walter. Das Reisig von jungen Birken wird am besten im Winter geholt, wenn die Äste noch nicht ausgetrieben haben. Jung deshalb, „denn wenn die Birkenzweige älter sind, werden sie zu biegsam und sind nicht mehr verwendbar“.

Ähnlich verhält es sich mit den Haselnussstecken, die er als Besenstil verwendet. Auch für sie hat Walter bereits spezielle Plätze ausgemacht. Denn die Stangen müssen eine bestimmte Dicke und haben und sehr gerade sein. „Das Schälen und Binden geht mit zehn Minuten relativ schnell, aber das Holen und Organisieren nimmt um einiges mehr an Zeit in Anspruch“, verrät er. Die benötigten Werkzeuge sind ziemlich überschaubar: Säge, Häbe (ein gebogenes Schneidwerkzeug) und der Bock zum Einspannen des Birkenreisigs.

Grube Ludwig und Grube Aussicht werden unter anderem im Überwald-Museum thematisiert, erläuterte Anneliese Daub den Interessierten. Dazu kommt noch die Kleiderbügel-Ausstellung. Die noch gar nicht fertig ist, „denn viele liegen noch eingepackt auf dem Speicher“. Außerdem gab es die Mineraliensammlung im Bergwerkszimmer zu sehen und ein altes Schulzimmer aus der Zeit vor 100 und mehr Jahren. „Die Leute sollen keine Schwellenangst haben“ und die Geschichte des Überwalds, ihrer Heimat, kennenlernen, wünschte sie sich.

Sehr schön beleuchtet war der Platz zwischen den beiden Kirchen und auch diese selbst. Beim Harfenkonzert in der evangelischen Kirche spielte und erzählte Peter Wucherpfennig zweimal je 45 Minuten. Bei beiden Aufführungen war die Kirche gut besucht. Das Ambiente innen und außen war sehr stimmungsvoll. Dazu passten auch die leise Harfenmusik und die Erzählungen von Mythen und Sagen der „grünen Insel“ Irland. Wucherpfenning gelang es, durch seine lebendige Erzählweise Spannung aufzubauen und die Zuhörer in den Bann zu ziehen. „Traumhaft entspannend“ war es für diese.

In der katholischen Kirche startete der Abend mit einer Kinderandacht. Der Weg zum Altar war mit Tüchern, Kerzen und Rosenblättern dekoriert. Meditative Musik ließ die Besucher zur Ruhe kommen. Die Kirche war auch einer der beiden Auftrittsorte des Wald-Michelbacher MGV Union, der unter der Leitung von HaJo Karl einige Lieder aus seinem Repertoire sang. Die Sänger freuten sich bei dieser Premiere über „die sehr große Resonanz“, die jenseits aller Erwartungen lag.

In den etwa 20 Minuten bei jeder Darbietung spannte der Dirigent einen großen Bogen der Kirchenlied-Literatur. Es ging los bei der Gregorianik über Romantik und Klassik bis hin zu zeitgenössischen Stücken. So war ein Lied von Mendelssohn zu hören, aber auch Volkstümliches mit dem „Sanctus“ der Bergsteigerchöre. Für die 20 Sänger war der Auftritt in diesem schönen Umfeld und Ambiente sehr motivierend. Der Beifall der Besucher tat ein Übriges, dass Karl „hellauf begeistert“ war.

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