Gasflaschen und Benzinfässer flogen durch die Luft: Großübung der Wald-Michelbacher Wehren auf dem Igena-Gelände

Es krachte, loderte, rummste und bummste kräftig: Zur Begrüßung des neuen Bürgermeisters Dr. Sascha Weber und der Verabschiedung des ehemaligen Rathauschef Joachim Kunkel hatte die komplette Wald-Michelbacher Feuerwehr mit 120 Personen eine Großübung auf dem Igena-Gelände konzipiert. Dabei kam viel Pyrotechnik zum Einsatz, sodass das Spektakel für großes Aufsehen sorgte. An mehreren Stellen auf dem Firmengelände wurden zeitgleich bestimmte Ereignisse simuliert.

Vier Lokaltermine waren laut Gemeindebrandinspektor (GBI) Peter Capuani seit Oktober notwendig, um einen umfassenden Regieplan für die Übung mit sieben unterschiedlichen Szenarien und realistischer Schadensdarstellung zu entwickeln. Das Planungsteam bestand aus ihm, Übungsleiter Lars Gremm und dem Leiter der Pyrotechnik Bergstraße, Matthias Frank aus Lautertal, der mit seinem Team insbesondere für die realitätsnahen Effekte verantwortlich war.

Schon eine Woche vor der eigentlichen Übung wurden Probesprengungen durchgeführt, um die Standfestigkeit der Gebäude zu testen und die Einsatzkräfte nicht zu gefährden. Am Tag des Dienstantritts von Weber traf sich das Vorbereitungsteam schon zeitig für die zum Teil sehr aufwendige Inszenierung. 18 Pyrotechnik- und Verletztendarsteller waren am Start, die zum Teil aus Braunschweig, Pforzheim, Darmstadt und dem Taunus kamen.

„Die zu lösenden Aufgaben waren allesamt sehr realistisch dargestellt und entsprachen dem, was einem im Feuerwehralltag auch begegnen kann“, erläuterte Capuani. Pünktlich wurde mit zwei überdimensionalen Luftböllern die Übung gestartet und die ersten Einheiten alarmiert. Die Einsatzkräfte hatten es mit mehreren Explosionen, umherfliegenden Gasflaschen und Benzinfässern zu tun. Andere führten einen Innenangriff mit Menschenrettung durch und waren „sehr überrascht“, schmunzelte der GBI, als im Gebäude Deckenteile auf sie einstürzten.

Bei einem weiteren Szenario im Freien musste ein Gasflaschenbrand gelöscht werden. Hier wurden die Einsatzkräfte von explodierenden Flaschen behindert. Ein Fahrzeug war außerdem in einen Hackschnitzelhaufen gefahren und verschüttet. Hier galt es, den verletzten Fahrer zu befreien, was durch eine Kraftstoffexplosion erschwert wurde. Die erlernten Suchtechniken mussten bei einem Brand in einem ausgedehnten Versandlager angewendet werden, um das fast 100 Meter lange Gebäude lückenlos abzusuchen und alle Vermissten zu finden.

Weil bei dem großen Szenario mit vielen „Verletzten“ zu rechnen war, wurde ein Sammelplatz eingerichtet, auf dem alle versorgt wurden. Das waren immerhin neun Darsteller, die zum Teil „erschreckend echt“ geschminkt waren. Dazu kamen mehr als 15 Dummys, wovon eine Puppe 130 Kilo wog und über ein Klettergerüst sowie durch ein Treppenhaus gerettet werden musste. Die damit betrauten Feuerwehrleute waren an der Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit.

Bis auf zwei Fahrzeuge des Gefahrgutzugs war alles unterwegs, was Räder hat, war Capuani erfreut über die großartige Beteiligung der Wehren. Zur Unterstützung, falls es zu einer ungeplanten Verletzung gekommen wäre, waren das DRK Wald-Michelbach sowie der Malteser Hilfsdienst aus Abtsteinach vor Ort.

Nach der Übung stellten sich die 120 Feuerwehrleute der Manöverkritik, die überwiegend positiv ausfiel. Ebenso wie das Feedback durch die Teilnehmer. Capuanis besonderer Dank ging an die Igena und Geschäftsführer Steffen Reinsch, der den GBI bei seinem Vorhaben unterstützte. Ebenso dankte er Bürgermeister a.D. Joachim Kunkel für seine Arbeit mit den und für die Feuerwehren, die schon lange vor seiner Zeit als Rathauschef begonnen habe.

Gemeinsam nahmen Kunkel und Weber die Auszeichnung von Ralf Weiß mit der bronzenen, Thomas Johann mit der silbernen und Erwin Hartmann mit der goldenen Ehrennadel der Gemeinde vor. Anschließend überreichte Capuani dem Neupensionär eine Grillschürze, die extra für ihn aus der Feuerschutzkleidung der Feuerwehr geschneidert worden war. Diese wird er auch brauchen, denn verbunden damit ist ein Grillevent, bei dem der Altbürgermeister den gesamten Wehrführerausschuss Wald-Michelbachs verwöhnen darf. Unterstützt wird er dabei vom Profi Daniel Hagen-Wolf aus Gras-Ellenbach, der ihm sicher noch einige Tipps zum Thema Grillen geben kann.

„Die Feuerwehr ist die Armee des Bürgermeisters“, stellte Capuani die Truppe dann dem neuen Rathauschef und Vorgesetzten Dr. Sascha Weber vor – verbunden mit dem Wunsch auf eine gute Zusammenarbeit. Sollte der neue Bürgermeister bei größeren Einsätzen selbst am Einsatzort erscheinen, dann bitte nur in geeigneter Schutzkleidung, lachte er. Aus den Händen des GBI erhielt Weber einen kompletten Satz Feuerwehrkleidung, inklusive Helm, Stiefeln und Bereitschaftstasche sowie einem Rückenschild mit der Aufschrift „Bürgermeister“. Weber bedankte sich für die tolle Übung und suchte später beim Heimatfest noch das Gespräch mit den Feuerwehrleuten.

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