Volksbank Überwald-Gorxheimertal sieht sich für die Zukunft gut aufgestellt

Einmütigkeit allenthalben. Bei der Vertreterversammlung der Volksbank Überwald-Gorxheimertal in der Peter-Heckmann-Halle fielen alle Entscheidungen einstimmig: ob es nun die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat war, die Verwendung des Jahresergebnisses mit Absenkung der Dividende von vier auf drei Prozent oder die Bestätigung von drei Mitgliedern des Aufsichtsrats. Zuvor hatten die beiden Geschäftsleiter Peter Knapp und Rainer Jünger den Versammelten die wichtigsten Kennzahlen des Jahres 2016, die gesamtwirtschaftliche Situation und die Entwicklung der Genossenschaftsbank aufgezeigt.

Auf knapp 283.000 Euro beläuft sich der Bilanzgewinn im vergangenen Jahr. 233.000 Euro davon werden gesetzlichen oder anderen Ergebnisrücklagen zugewiesen. Knapp 50.000 Euro fließen in die Dividende, die an die über 4000 Mitglieder ausgeschüttet wird. Die Bilanzsumme belief sich Ende 2016 auf 208 Millionen Euro (weitere Zahlen siehe Infokasten). Seitens der Vorstände blickt man auch in einem schwierigen Zinsumfeld positiv in die – selbständige – Zukunft. Die Regularien des Abends handelte der Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Schork ab, der auch die einzelnen Tagesordnungspunkte anmoderierte.

Ein wenig Wehmut schwang in den Worten von Peter Knapp mit, der die Bank nach 45 Jahren Ende 2017 in den Ruhestand verlassen wird. Diese lange Arbeitsphase sei „eine für mich lebensprägende Zeit“ gewesen, sagte er in seinen Schlussorten. „Ein Quell großer Verunsicherung unserer Zeit ist unverändert das extreme Niedrigzinsniveau“, meinte der Geschäftsleiter einleitend. Mit zunehmender Rasanz finde die technische Entwicklung immer mehr Eingang in alle Lebensbereiche, auch in den Bankensektor. Die Möglichkeiten des Online-Bankings würden von vielen Menschen schon längst genutzt, betonte Knapp. „In der Folge geht die Anzahl der Kundenbesuche in den Filialen der Banken stetig zurück.“

Auf diese Veränderungen müsse sich auch die Volksbank Überwald-Gorxheimertal einstellen, meinte er. Daher habe man die Öffnungszeiten in den Geschäftsstellen Hammelbach und Affolterbach reduziert. „Durch die Neustrukturierung wurden keine Mitarbeiter entlassen, sondern nur deren Aufgabenstellung verändert“, hob er hervor. Und weiter: „Wir werden keinen unserer Standorte schließen.“ Mit der Eröffnung der neuen Geschäftsstelle in Wald-Michelbach habe die Bank stattdessen „ein Zeichen gesetzt, dass uns der Standort im Überwald sehr wichtig ist“.

Knapp kündigte an, dass der Maximalbetrag für Geschäftsanteile mit 500 Euro in Kürze deutlich angehoben werden solle. „Damit wollen wir den Anreiz einer Teilhaberschaft bei unserer Volksbank spürbar erhöhen.“ Denn die Bindung der Mitglieder und damit Teilhaber an der Voba sei von großer Bedeutung. Der vorgesehene Dividendensatz von drei Prozent sei beim derzeitigen Zinsniveau immer noch sehr attraktiv, meinte Knapp zur Absenkung um ein Prozent.

Deutschlands Sparer zahlen laut Knapp „einen üppigen Teil der Rechnung für die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank“. Denn ihnen entgingen Milliarden an Zinseinahmen. Auf der anderen Seite sei es paradox, dass ein Großteil der Gelder auf kaum rentable Spar- und Tagesgeldkonten fließe. Er empfahl Fondsanlagen als Gegenstrategie. „Die Weichen für die Zukunft sind gestellt.“ Er sei sehr zuversichtlich, dass es erfolgreich weitergehe „mit unserer eigenständigen Volksbank Überwald-Gorxheimertal“, gab der Geschäftsleiter seinem Nachfolger Dirk Jalowitz mit auf den Weg.

Die bisherige Entwicklung zeige, dass es den Kreditgenossenschaften gelungen ist, das Vertrauen der Kunden in ihr Geschäftsmodell weiter zu stärken, betonte Rainer Jünger. Die Kunden schätzten besonders die räumliche Nähe zu den Ansprechpartnern. „Unsere Anstrengungen haben sich fürs Erste gelohnt“, so der Geschäftsleiter. „Mit dem Verlauf des Kundenkreditgeschäftes, aber auch mit der Entwicklung der Ertragslage sind wir temporär zufrieden.“

Erneut stark anziehende Kundeneinlagen, aber auch ein weiter wachsendes Kundenkreditgeschäft kennzeichneten laut Jünger das Geschäftsjahr 2016. Dadurch sei die Bilanzsumme von 194 auf 208 Millionen Euro überdurchschnittlich um sieben Prozent angewachsen. Doch der Anteil an der Bilanzsumme liege mit Prozent immer noch weit unter dem Durchschnitt. „Unser Eigenkapital konnten wir kräftig ausbauen“, sagte er. Es sei für die derzeitige Geschäftslage angemessen, „auch wenn die Eigenkapitalquote nur unterdurchschnittlich ausfällt“.

Für 2017 rechnet Jünger auf Basis vorsichtiger Planungsprämissen mit einem Betriebsergebnis vor Bewertung zirka auf 2016er-Niveau erwartet. Die Höhe geplanter Dividendenausschüttungen werde sich am Gesamtergebnis orientieren. Auch zukünftig lägen die Chancen im Ausbau der persönlichen Geschäftsbeziehung mit den Kunden, sagte er. Bei einer positiven konjunkturellen Entwicklung, verbunden mit einem mittel- bis langfristig moderat steigenden Zinsniveau, „sehen wir größtmögliche Chancen für die Zinsspanne“. Die Geschäftspolitik werde man auch weiterhin auf ein qualitatives und ertragsorientiertes Wachstum ausrichten.

Jürgen Schork stattete den Bericht des Aufsichtsrats ab. Die Prüfung des Jahresabschlusses durch den Genossenschaftsverband ergab einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk. Vor der Entlastung zeigte sich Bürgermeister Joachim Kunkel dankbar, im ländlichen Raum noch eine Regionalbank als Ansprechpartner vor Ort zu haben. Er wies auf die große Unterstützung des Kreditinstituts für die Vereine hin, die wiederum das gesellschaftliche Leben prägten.

Bei der Volksbank Überwald/Gorxheimertal geht Ende des Jahres eine Ära zu Ende. Mit Vorstandsmitglied Peter Knapp verabschiedet sich der Geschäftsleiter in den Ruhestand. Auf der Vertreterversammlung würdigte Aufsichtsratschef Jürgen Schork die außergewöhnliche Karriere des Pensionärs in spe über all die Jahre hinweg beim selben Arbeitgeber. „Vom Auszubildenden zum Vorstandsmitglied ist eine beachtliche Leistung“, sagte er.

Mit seinen Kollegen habe Knapp sehr viel auf den Weg gebracht, betonte er. Weitblickende Geschäftspolitik sowie unternehmerisches Denken und Handeln „haben sehr viel zum Erfolg der Volksbank beigetragen“, so Schork. Ihn verbinde mit Knapp etwas ganz Besonders. Denn dieser rückte 1997 in den Vorstand ein, er, Schork, im selben Jahr in den Aufsichtsrat. Nachdem er 2006 zum Vorsitzenden gewählt worden war und Knapp für die Organisation der Sitzungen verantwortlich war, „hatten wir mehrmals pro Monat Kontakt“.

Damit sich die Leitung der Bank „nicht in einem Vakuum befindet“, wurde die Nachfolge bereits geregelt. Wie beim vergangenen Vorstandswechsel wurde mit Prokurist Dirk Jalowiky wieder ein Mitarbeiter aus den eigenen Reihen bestellt. Dieser stellte sich der Versammlung kurz vor. Der 41-Jährige ist der Volksbank Überwald/Gorxheimertal fast schon sein ganzes Berufsleben treu.

Jalowiky, verheiratet, zwei Kinder, wohnt in Gorxheimertal. Er durchlief die Ausbildung zum Bankkaufmann in Rimbach. Danach arbeitete er sechs Jahre lang in der Geschäftsstelle Wald-Michelbach, ehe er für zehn Jahre die Leitung der Geschäftsstelle in Gorxheimertal übernahm. Seit 2014 ist er Prokurist der Volksbank.

Knapp dankte in seiner Rede „für die Unterstützung, welche ich in mehr als 45 Jahren Berufsleben bei der Volksbank Überwald-Gorxheimertal erfahren durfte“. Es sei eine schöne Zeit gewesen, in der er bei zahlreichen Begegnungen und Gelegenheiten auf geschäftlicher wie auch auf persönlicher Ebene mit guten Erfahrungen belohnt wurde. „Eine für mich lebensprägende Zeit.“ Die Weichen für die Zukunft seien gestellt. Er sei sehr zuversichtlich, dass es erfolgreich weitergehe mit einer eigenständigen Volksbank.

Jahresergebnis 2016 Volksbank Überwald-Gorxheimertal

Bilanzsumme 208 Millionen Euro, Passiva: Kundeneinlagen 177 Millionen Euro, Kundenkredite 14 Millionen Euro, Eigenkapital 14 Millionen Euro, Aktiva: 88 Millionen Euro Kundenkredite, 87 Millionen Euro Wertpapiere, 24 Millionen Euro bei Kreditinstituten in der genossenschaftlichen Finanzgruppe, Sachanlagen 2,5 Millionen Euro, Kassenbestand und sonstige Vermögensgegenstände 2,5 Millionen Euro, Jahresüberschuss 283.000 Euro, 4039 Mitglieder mit 32.709 Geschäftsanteilen, Förderbilanz für örtliche Vereine sowie soziale und kulturelle Einrichtungen 17.000 Euro.

Wahlausschuss-Mitglieder aus den Reihen der Vertreter: Axel Bauer, Reiner Berbner, Norbert Gölz, Peter Jäger, Hans Christian Jungmann, Horst Körner

Wiedergewählte Mitglieder des Aufsichtsrats: Thomas Michel, Andreas Rothermel, Philipp Jungmann

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