Vor dem Abtsteinacher Rathaus können jetzt E-Autos „aufgetankt“ werden

Diese Chance ließ sich Bürgermeister Rolf Reinhard kurz vor Ende seiner Amtszeit nicht entgehen. Flugs setzte er sich nach der Einweihung hinter der Steuer des BMWi3, der mit Strom „vollgetankt“ vor der Rathaus stand, und drehte praktisch geräuschlos eine Runde durch den Ort. Zuvor hatte er zusammen mit Prokurist Matthias Send von der Entega das symbolische Band zerschnitten, mit dem die beiden Ladestationen für E-Autos ihrer Bestimmung wurden.

Dem Bürgermeister können es die Bürger übrigens noch bis kommenden Dienstag nachtun und den Elektro-BMW Probe fahren. So lange stellt ihn die Entega der Gemeinde zur Verfügung. „Im Rathaus gibt es bereits eine Warteliste“, schmunzelte Reinhard. Das Geschoss wird einer der beiden 22 Kw-Stationen an der Ladesäule in zweieinhalb Stunden aufgeladen und hat damit eine Reichweite von 230 Kilometern. Auf weiteren 100 Kilometern treibt für den Fall der Fälle ein Benzin- den Elektromotor an, um eine E-Tankstelle zu erreichen.

Send überreichte mit dem Schlüssel auch gleich eine Entega-Ladekarte zum „Auftanken“ an über 7500 Stationen in Europa. Damit es stetig mehr werden, hat der Konzern zusammen mit der Landesregierung das gemeinsame Projekt „Elektromobilität für Südhessen“ aufgelegt. Entega will noch in diesem Jahr unter Beteiligung der Kommunen 100 Ladesäulen mit insgesamt 200 Ladepunkten in der Region errichten. 90 Prozent davon werden seinen Worten zufolge nicht in der Stadt, sondern in der Fläche installiert.

Das Entega-Projekt wird vom hessischen Wirtschaftsministerium mit 500.000 Euro gefördert. Aktuell beteiligen sich 36 Kommunen mit 48 Ladesäulen am Projekt. Mit der neuen Säule in Abtsteinach sind bereits 29 in Betrieb. Zum Einsatz kommen AC-Ladesäulen mit einer Leistung von 2 x 22 kW, an denen je nach Fahrzeug bis zu zehnmal schneller als an einer herkömmlichen Steckdose Strom getankt werden kann. „Wir erhöhen die Zahl der Ladepunkte in Hessen um 30 Prozent in nur einem Jahr“, so Send. Dies sei ein entscheidender Schritt in die elektromobile Zukunft des Landes.

Immerhin – aber es gibt auch deutlichen Nachholbedarf. Nach Angaben des Firmensprechers wurden im vergangenen Jahr in Deutschland rund 11.400 reine Elektroautos und 13.700 Plug-in-Hybride neu zugelassen. Andere Länder seien deutlich weiter: „Vor allem China setzt Maßstäbe.“ Dort wurden 2016 rund eine halbe Million dieser Fahrzeuge verkauft. In Norwegen, wo E-Autos dank der staatlichen Förderung schon einen Marktanteil von fast 30 Prozent haben, wurden 45.000 neue Elektroautos zugelassen, in Großbritannien 37.000 und in Frankreich 29.000. „Die Zahlen belegen eindringlich, dass die Autonation Deutschland aufholen muss“, betonte Send.

Als einen der wesentlichen Gründe für den schleppenden Absatz von Elektroautos nannte er die lückenhafte Ladeinfrastruktur. In Deutschland komme deren Ausbau zwar voran, aber bislang nur langsam. Ende vergangenen Jahres zählte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft bundesweit gerade einmal rund 7.400 Ladepunkte. Experten schätzen den Bedarf bis 2020 jedoch auf bis zu 70.000. Man müsse den Teufelskreislauf durchbrechen: Zu wenige Elektroautos machten Ladesäulen für kommerzielle Anbieter unwirtschaftlich. Zu wenige Ladesäulen verhinderten den Erfolg der Elektroautos.

„Die 100 Ladesäulen sind für uns erst der Anfang“, hob Send deshalb hervor. „Viele weitere werden bald folgen. Die Zukunft der Elektromobilität in Südhessen hat gerade erst begonnen.“ Man wolle die E-Mobilität in der Region voranbringen, „denn sie ist leise, effizient und sie bringt saubere Luft zurück in unsere Städte und Gemeinden“. Wenn die Elektroautos dann auch noch mit Ökostrom betrieben werden, wie das in Abtsteinach der Fall sei, dann leiste dies auch noch einen Beitrag zum Klimaschutz.

Reinhard äußerte seinen Dank, dass Abtsteinach in den Genuss dieses Programms komme. Die heutigen Elektro-Fahrzeuge seien wesentlich besser als die vor einigen Jahren, sagte er. Die Umsetzung der Installation am Parkplatz vor der Gemeindeverwaltung „hat mit den Firmen vor Ort super geklappt“, lobte er. Wenn das Betreute Wohnen gegenüber realisiert sei, wolle man auch den dortigen Platz mit einer Ladesäule ausstatten.

Advertisements