Bei den Medientagen am Überwald-Gymnasium waren WhatsApp, Fake-News und App-Berechtigungen interessante Themen

Das Internet durchdringt inzwischen praktisch alle Lebensbereiche. Und seine Nutzer werden immer jünger. Kinder und Jugendliche sind aber meist nicht auf das vorbereitet, was sie im Netz oder in den sozialen Medien erwartet. Weil die rasante Entwicklung oftmals in der Elterngeneration ebenfalls für Stirnrunzeln sorgt, tut frühzeitige Aufklärung Not. Am Überwald-Gymnasium geschieht dies in Form eines Medientags in den fünften Klassen.

„Wir haben diesen früher in der achten Klasse durchgeführt“, erläuterte die koordinierende Lehrerin Anke Fibian. Doch dann merkte man, dass dies eigentlich schon zu spät war. Jedes Jahr ging es ein weniger weiter nach vorn, bis jetzt schon die Fünftklässler kurz vor den Sommerferien in den Genuss kommen. Denn inzwischen besitzen selbst Zehnjährige schon ein Smartphone.

Die Lehrer stellen laut Fibian immer wieder Probleme etwa mit WhatsApp-Gruppen statt. Zuhause sei eine Problemlösung teilweise auch nicht mehr möglich, beobachtete sie. „Wir Lehrer können es im Unterricht nicht und haben oftmals auch nicht das fachliche Wissen dafür.“ Deshalb habe man sich mit den Fachleuten vom Institut für Medienpädagogik und Kommunikation in Dreieich in Gestalt von Anne Schmitt und ihrem Team Hilfe geholt.

Die „moralisch-ethischen Aspekte“ bei der Nutzung des Internets zusammen mit den „Chatiketten“ standen bei verschiedenen Workshops unter anderem im Mittelpunkt. „Auch Elfjährige müssen darüber schon Bescheid wissen“, obwohl sie noch nicht strafmündig seien, betonte Schmitt. Man handle präventiv, „bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist“. Auch geht es um den Umgang mit privaten Daten, damit diese nicht zu schnell und zu detailliert preisgegeben werden.

Allerdings will die Fachfrau die sozialen Medien und das Netz nicht zu negativ darstellen. Das Team will auch vermitteln, „wie sich die Kids sinnvoll und kreativ präsentieren können“. Sie sollen zu Selbstverantwortung erzogen werden, „weil die Eltern auch nicht alles wissen können“. Ein großes Hallo gab es bei der Suche nach den eigenen Hinterlassenschaften im Netz. Dass die schon in jungen Jahren groß sein können, erstaunte doch. „Wer bin ich, wie werde ich wahrgenommen und wie sieht es in 20 Jahren aus“, lautete die Herangehensweise. Die Fünftklässler haben entdeckt, „dass sie schon viele Spuren machen“, so die Medienfachfrau.

Ein sehr aktuelles Thema waren die sogenannten Fake News. „Dazu gab es viele Fragen“, beobachtete Schmitt. Weil es die Lebenswelt der Jugendlichen sei, mit der sie tagtäglich konfrontiert werden. Wie auch mit der Vielschichtigkeit von Handys, der Sicherheit von Passwörtern und den Nutzerbedingungen von Apps. „Vielen war nicht klar, welchen Zugriff sie mit der Zustimmung zu den AGB den Anbietern auf persönliche Daten erlauben.“

WhatsApp ist nach der Beobachtung von Schmitt dabei Fluch und Segen zugleich. „Alle nutzen es“, weil es die Kommunikation vereinfacht. „Alle sind genervt davon“, aber müssten trotzdem dabei sein. Sie sah einen Lernprozess, bei dem auch Fehler passieren dürften. Allerdings müssten sich diese in Grenzen halten. „Kinder sollten sich nicht unter Druck setzen lassen“, empfahl sie beim Umgang mit dem Messenger-Dienst.

Für Jugendliche in diesem Alter seien Spams und Kettenbriefe ein großes Problem, wusste Schmitt. In Gruppen „werden die oft zugespammt“. Gibt es Ärger, empfiehlt sie die Konfliktlösung im wirklichen Leben. Bei der Verbreitung von Fake News über die eigene Person rät sie, Hilfe zu suchen „und nicht allein zu bleiben“. Denn die Betroffenen selbst „haben keine Fehler gemacht“. Wird es heftig, sollten anhand von Screenshots Beweise gesichert werden.

Einer persönlichen Klärung kann ihren Worten zufolge auch ein Gespräch mit dem Vertrauenslehrer folgen. Auch könnten Betroffene die Nummer gegen Kummer anrufen. Bei „ganz krassen Straftaten Richtung Mobbing“ sollten Anzeigen folgen. Jedoch liegt dies Schmitt zufolge immer auch im persönlichen Empfinden. Weshalb Kinder selbstbewusst erzogen werden sollten, „damit sie Lust aufs Leben haben“, Probleme im Internet weder suchten noch austragen.

Anke Fibian konstatierte eine „extrem positive Resonanz“ der Schüler auf die Angebote. Man arbeite mit einem „nachhaltigen Konzept“, das bei auftretenden Problemen auch in Zukunft Lösungsansätze biete. „Die Lehranstalten haben erkannt, dass Medien- und Schulwelt nicht zu trennen sind“, lobte Schmitt die Medientage. Präventive Arbeit sei extrem wichtig.

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