Ängste sind menschlich und gehören zum Neuanfang hinzu: Verabschiedung der Abiturienten am Überwald-Gymnasium Wald-Michelbach

Sie haben es geschafft: Mit einem rauschenden Abiball feierten die Entlassschüler am Überwald-Gymnasium das Ende ihrer zwölfjährigen Schulzeit. 52 Jugendliche erhielten ihr Abizeugnis, drei weitere das für den schulischen Teil der Fachhochschulreife. Der offizielle Teil mit den diversen Reden wurde von der ÜWG-Big-Band unter Leitung von Sebastian Schertel umrahmt. Danach ging es erst richtig los, es folgte in der Rudi-Wünzer-Halle eine rauschende Party bis früh in den Morgen.

„Ihr habt Großes geleistet“, gab Schulleiter Reinhard Fahrenholz den Abiturienten mit auf den Weg. Von manchen gab es „ganz hervorragende Prüfungsleistungen“, sagte er. Das sei aber ein Verdienst vieler gewesen. Nicht nur der Schüler selbst, sondern auch von Eltern, Familien und Lehrern. Fahrenholz erwähnte die wichtige Rolle von Cafeteria und Förderverein. Er dankte neben anderen auch der politischen Gemeinde für die „hervorragende Unterstützung der Schule“.

Mit einem Schnitt von 2,43 habe der jetzige Jahrgang etwa das Mittel der hessischen Abiturienten erreicht. Auch der vieler anderer Bundesländer liege in diesem Bereich, sagte er. „Ihr habt damit etwas besser abgeschnitten als der letzte Jahrgang“, meinte Fahrenholz. Nachdem der Beifall abgeebbt war, fügte er trocken hinzu: „Es gab aber auch schon Jahrgänge mit einem besseren Schnitt vor euch.“

41 von 84 Fünftklässlern, die im Schuljahr 2009/10 aufs ÜWG kamen, erhielten nun ihr Zeugnis, erläuterte Fahrenholz. Somit nur 49 Prozent des Jahrgangs. Dazu kamen zehn Wiederholer und vier Quereinsteiger. Elf des Ursprungsjahrgangs seien als Wiederholer noch am ÜWG. 38 Prozent der Eingeschulten hätten somit aus irgendeinem Grund das ÜWG verlassen. Er machte die Rechnung auf, dass damit ein Drittel des Jahrgangs seine Schulzeit nicht am Gymnasium beende.

„Mit dem Abiturzeugnis stehen euch alle Türen offen“, betonte der Schulleiter. Allerdings stünden die Abiturienten auch vor einer Entscheidung mit weitreichenden Folgen fürs weitere Leben. Einige hätten diese vielleicht schon getroffen, andere seien aber „noch unschlüssig oder wissen nicht gar nicht, was sie weiter vorhaben“.

Wie Fahrenholz sagte, sei die Verunsicherung in dieser Lebensphase „in den letzten Jahren unter den Abiturienten stark angestiegen“. Es gebe die Angst, Konsequenzen aus einer vielleicht falschen Entscheidung ziehen zu müssen. Um Zeit zu gewinnen, entschieden sich viele für FSJ, Au-Pair- oder Aufenthaltsaufenthalt, Praktikum oder Bundesfreiwilligendienst. Damit lasse sich Zeit gewinnen, „um sich über die eigenen Zukunftsvorstellungen klarer zu werden“.

Als Gründe nannte Fahrenholz unter anderen G8, die frühere Einschulung und den Wegfall der Wehrpflicht. Zur Verunsicherung tragen seinen Worten zufolge die Vielfalt der Berufe sowie eine Fülle von Möglichkeiten bei. Die Eltern könnten oftmals gar nicht mehr helfen, weil es Berufsbilder und Studienfächer zu ihrer Zeit gar nicht gab. Er betonte: „Solche Ängste sind menschlich und gehören zu jedem Neuanfang im Leben hinzu.“

„Die gesammelten Erfahrungen werden hilfreich für euch sein“, sagte der Schulleiter. Besonders Auslandserfahrungen machten selbstsicherer, offener und toleranter. Er warnte davor, nur der breiten Masse hinterher zu rennen. Alternativen solle man immer im Auge behalten, auch weil sich Wirtschaftsprognosen oft als unzutreffend erwiesen. Wenn wissenschaftliche Arbeit eigentlich gar keinen Spaß mache, „gibt es viele Alternativen zu einem Studium an der Universität“.

Letztlich, empfahl er, sollten die Abschlussschüler auf ihre eigenen Interessen und Neigungen bauen. „Ausprobieren ist erlaubt“, so Fahrenholz. Abwarten und sich Klarheit verschaffen auch. Denn berufliche Karrieren verliefen längst nicht mehr so gradlinig wie früher. Wichtig sei eher, „sich schnell auf neue Anforderungen einstellen zu können“. Er empfahl, alles mit der „nötigen Gelassenheit“ anzugehen.

Rüdiger Meimbresse unternahm in seiner Lehrerrede einen gedanklichen Ausflug in die Welt Georg Heims vor über 100 Jahren. Er ging auf das Motto des Abijahrgangs, „Erst Siesta, dann Fiesta“, ein und empfahl den Schülern, alles in vollen Zügen zu genießen. „Es wird nichts mehr so sein wie es jetzt ist.“ Wofür die Jugendlichen lange gearbeitet hätten, sei nun vorüber, „das Neue hat noch nicht begonnen“. Das aber werde nie mehr so „leicht, unbefangen, schwerelos“ sein.

„Adios Amigos“ hieß es beim diesjährigen Abschlussjahrgang des Überwald-Gymnasiums. Entsprechend dieses Themas hatten Suzan Beutel und Clara Bickelmann ihre Schülerrede gestaltet. Am Anfang hieß es erst einmal, „sich im Wilden Westen des Schulalltags zusammenzufinden“, sagten sie. In den acht Jahren „sind wir zu wahren Amigos geworden“.

Mit etwas Ironie meinten sie dann, die Schüler seien bildungstechnisch auf dem Gipfel angelangt. Es war nicht immer einfach, den Kurs zu halten, sondern es waren zwischenzeitlich auch Korrekturen nötig. Suzan Beutel und Clara Bickelmann sahen den Jahrgang geprägt von der besonderen Heimat Odenwald. Trotz aller Widrigkeiten – auch durch G8 – habe man nun endlich das Ziel erreicht.

Nicht nur bei den Schülern, sondern auch bei manchen Lehrern habe manchmal das Motto von minimalem Aufwand und maximalem Ertrag vorgeherrscht, gab es einen kritischen Seitenhieb. „Ihr habt auch in den schwierigsten Situationen nie aufgehört, an uns zu glauben“, verteilten sie viel Lob an die Eltern. „Wir werden den Weg meistern, der für uns bestimmt ist“, gaben sich die beiden optimistisch. Die Schüler seien sehr dankbar, mit dieser Erfahrung im Gepäck jetzt das Ende der Schullaufbahn erreicht zu haben.

„Viele haben mit euch gezittert“, meinte Bürgermeister Joachim Kunkel in seiner Rede. „Mit dem heutigen Tag schließen Sie einen ersten wichtigen Teil des Lebens ab“, betonte er. Diese Zeit werde mit vielen persönlichen Erlebnissen und viel Lernen in Verbindung gebracht. Der heutige Tag sei immer ein besonderer, sagte Kunkel. Auch wenn die Abiturienten nun die Schule verließen, „das Elternhaus wird Ihnen auch in Zukunft immer den Rücken stärken“.

Der Bürgermeister stellte heraus, dass das Abitur ein gutes Fundament sei, „aber nun geht es weiter mit dem Studium oder Ausbildung“. Diese Basis sollten die Schüler nutzen, um mit Ehrgeiz, jugendlicher Neugier und Begeisterungsfähigkeit den eigenen Weg zu gehen. „Öffnen Sie für sich die richtigen Türen“, appellierte er an die frischgebackenen Abiturienten.

Kunkel sah Kraft, Ausdauer und eine gesunde Portion Optimismus als gute Voraussetzungen, um die Zukunft positiv zu gestalten. Er wünschte sich, dass die Jugendlichen sich nicht nur für ihre eigene Zukunft engagierten, sondern auch „zum Wohl unserer Gemeinschaft“ in Staat und Gesellschaft. Mitmenschlichkeit und soziale Verantwortung „sollten keine Fremdwörter sein“, hoffte er. „Sie werden den neuen Lebensabschnitt erfolgreich meistern“, schloss Kunkel.

Die Vorsitzende des Schulelternbeirats, Martina Tavaglione, blickte augenzwinkernd auf zwölf Schuljahre zurück, angefangen bei der vergessenen Brotbox über das Vokabeln abfragen bis hin zu ersten Fünf in Mathe. „Seid mutig, ergreift das Wort, diskutiert mit, redet mit“, sagte sie an die Abschlussschüler gewandt. „Nutzt euren Quergeist, seid kritisch gegenüber herkömmlichen Lebens- und Berufswegen“, wünschte sie sich ein Hinterfragen des vermeintlich Gegebenen.

Wenn die Jugendlichen in der Zukunft irgendwann einmal zurückblickten, „wünsche ich euch nichts zu bereuen“, so Tavaglione. „Dies hier ist keine Generalprobe. Es ist euer Leben“. Es gebe kein Fundbüro für verpasste Gelegenheiten. Auch für die Eltern gehe ein Lebensabschnitt zu Ende. „Wir stehen hier und betrachten euch überrascht und gerührt. Ihr seid jetzt wohl erwachsen“, meinte sie. Die Zukunft liege jetzt in den eigenen Händen der Abiturienten. „Ich bin voller Zuversicht, dass sie dort bestens aufgehoben sein wird.“

ÜWG-Abiturienten 2017

Tutorengruppe Fibian: Fabio Amico, Julia Arnold, Clara Bickelmann, Rebecca Bloos, Laura Heger, Marc Katzenmeyer, Julia Kohl, Giovanna Reichert, Lena Sattler, Joshua Schiemanowski, Lea Schmitt, Lea Schumacher, Teresa Schütz, Felix Stalf, Maria Toporek, Jonathan Wenner. Tutorengruppe Funk: Mathieu Knapp, Nicolas Trautmann, Torben Weber, Ricco Wiegand. Tutorengruppe Gölz: Niklas Arenas, Luca Bauer, Sandro Eisenhauer, Caroline Falter, Sina Hahn, Sandra Heckmann, Etienne Imsirovic, Felix Jungmann, Luca Quick, Jessica Scholich, Alina Uhrig, Hannah Walter, Svenja Walter, Karina Wetzel. Turorengruppe Jonitz: Suzan Beutel, David Bruns, Daniel Ehlers, Paul Ertel, Anna-Lena Gölz, Selina Hornauer, Tim Jäger, Andreas Jöst, Silas Kohl, Sascha Krämer, Philip Krüger, Leonie Little, Paul Mink, Lou Quick, Jonas Reinhardt, Simon Schmitt, Victoria Schramm, Daniel Schwarz, Michael Trautmann, Tim Wetzel

Auszeichnungen für besondere Leistungen: Suzan Beutel und Luca Bauer (1,0), Daniel Ehlers (1,1), Karina Wetzel (1,1), Felix Jungmann (1,2), Alina Uhrig (1,3)

Besondere Leistungen in den Fächern Mathe und Physik sowie herausragende Leistungen in den MINT-Fächern: Luca Bauer. Besondere Leistungen in Fach Mathe: Karina Wetzel

Besondere Leistungen im Dienst der Schule: Laura Heger, Lena Sattler, Victoria Schramm, Daniel Ehlers, Jessica Scholich (Vorstand Schülervertretung). Karina Wetzel, Anna-Lena Gölz, Alina Uhrig (Big Band), Sandra Heckmann, Jessica Scholich (Schulsanitätsdienst). Daniel Ehlers, Felix Jungmann, Maria Toporek, Lea Schmidt (Streitschlichter). Lena Sattler, Jessica Scholich, Rebecca Bloos, Selina Hornauer, Maria Toporek, Victoria Schramm, Clara Bickelmann                (GTA Betreuer). Anna-Lena Gölz, Giovanna Reichert, Mathieu Knapp (zwei Jahre Cafeteria)

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