Schimmeldewäer Grundschüler produzieren in der Bienen-AG ihren eigenen Honig

Die Dritt- und Viertklässler werden heftig umschwärmt. Und das auch noch in großer Zahl. Aber: Die Schwärmenden haben einen Stachel. Doch bei der Honigernte am Bienenstock oberhalb der Grundschule Schimmeldewog passiert an diesem Tag – nichts. Und auch im Vorfeld gab es lediglich ganz wenige Stiche. Denn die Schüler haben verinnerlicht, was ihnen Imker Peter Pötters aus Wald-Michelbach nahe brachte: ganz ruhig bleiben, keine hektischen Bewegungen machen. Und so stehen sie interessiert dabei und beobachten, wie der Imker aus Passion die einzelnen Fächer langsam herunter nimmt, um an den Honig zu kommen.

Zwölf Kinder sind Mitglieder der Bienen-AG, die in diesem Schuljahr von Lehrer Matthias Dautel angeboten wurde. Zu Beginn, im vergangenen Spätjahr, ging es erst einmal darum, die sogenannten „Beuten“ zu bauen, also die Behältnisse des Bienenstocks. Darüber hinaus wurden für die Wildbienen „Häuser“ konstruiert. Die Schüler pflanzten außerdem verschiedene Blumen an, deren Blüten dann Pollen für die Bienen liefern.

Mit Beginn des Frühjahrs startete die Praxis. Erst wurden die Waben angeschaut, dann ging es zu Imkerin Ulrike Klein in Ludwigsdorf, bei der die Nachwuchs-Bienenfans einen Ableger erhielten. Ein zweites Volk „steuerte“ Dautel bei, selbst Hobbyimker. Ab April kümmerten sich die Schüler regelmäßig um die beiden Völker.

In den drei Monaten ging es daneben darum, den Bienen immer genug Futter zu geben, nachzuschauen, dass es genug Waben gab, oder zu lernen, wie Drohnen und Arbeiterinnen aussehen. Der gebürtige Frankfurter Peter Pötters, der sich seit 55 Jahren mit Bienen beschäftigt und seit 45 Jahren in Wald-Michelbach wohnhaft ist, erläuterte den Kindern außerdem die damit verbundenen Aufgaben. Er nennt zehn Völker sein Eigen. „Die Schüler lernten die Imkerei mit allen Sinnen kennen“, so Dautel, über Riechen, Schmecken und Hören.

35.000 bis 40.000 Bienen schwirren im Sommer um einen Stock herum. Die sind natürlich aufgeregt, weil ihnen Pötters jetzt die – meist Richtung Osten gelegene – Einflugschneise versperrt. Nachdem er die einzelnen Bestandteile auseinander gebaut hat, fragt der Imker in die Runde, wer denn den Mut hat, die Brutwabe in die Hand zu nehmen. Von allen Seiten ertönt ein lautes „Hier“. Die zehnjährige Lea ist es dann, die ihn ohne zu zögern in die Kamera hält. „Voll geiler Honig“, ruft es von der anderen Seite.

Peter Pötters nutzt die Gelegenheit, um gleich noch ein paar Erläuterungen zu geben. Dass der Rauch die Bienen beruhigt und man dann leichter am Stock arbeiten kann. Oder dass es sich bei dem Weißen auf dem Boden um Maden handelt, die von den Arbeiterinnen gefüttert werden. Vor der Honigernte muss der Imker erst noch mit einer Spezialgabel das Wachs abkratzen, ehe dann der Honigkranz in die Schleuder kommt.

Matthias Dautel ist es wichtig, die Kinder mit der Natur vertraut zu machen. „Sie sollen wissen, woher unsere Lebensmittel kommt, wie sie erzeugt werden“, sagt er. Das Bienensterben aufgrund des zurückgehenden Futterangebots und der extensiven Landwirtschaft sei derzeit ein großes Thema. Er will daneben vermitteln, dass diese Tierart „nicht gefährlich ist und normalerweise nicht sticht“. Eine solche Bienen-AG an der Schule sei schon etwas Besonderes.

Über die direkte Erfahrung „können die Schüler eine ganz andere Verbindung zu den Tieren aufbauen“. Dadurch lernten sie besser mit der Natur umzugehen. Die AG ist laut Dautel ein voller Erfolg. „Alle sind voll Begeisterung dabei“, beobachtet er. Obwohl es bei Lea, Svenja, Paul und Martin schon Stiche in Finger und Bein gab, wurde unverdrossen weitergemacht. Der Nachwuchs trägt es an die Eltern weiter. „Einige überlegen sich, auch ein Bienenvolk zu halten“, freut sich Dautel. Unterstützung gab es außerdem von weiteren Imkern, die den Schülern ihre Arbeitsweise schilderten.

„15 Kilo Honig werden es wohl sein“, schätzte Pötters beim Blick auf den Honigraum. Bis zu 40 Kilo kann ein Volk im Jahr produzieren. „Wir lassen den Bienen viel vom eigenen Honig, damit sie besser über den Winter kommen“, ergänzte Dautel. „Erst wird angeschleudert“, so Pötters, sonst geht die Wabe kaputt. Dann wird sie gedreht und wieder eingesetzt. Bei den Schülern wurde schon gerechnet, wie viel für jeden übrig bleibt. Die ersten standen bereits mit dem Glas neben der Honigschleuder parat.

 

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