Aus dem Igena-Abenteuer wurde in Wald-Michelbach eine Erfolgsgeschichte

Der aktuelle Infobesuch von Gemeindevorstand und -vertretern zusammen mit Beiratsmitgliedern bei der Igena war gleichzeitig auch so etwas wie eine Zäsur. Denn für den scheidenden Bürgermeister Joachim Kunkel, einer treibenden Kraft bei der Gründung des Industrieparks, war es der letzte Abstecher zu dieser 100-prozentigen Tochter der Gemeinde. Geschäftsführer Steffen Reinsch nutzte deshalb die Gelegenheit zu einer Laudatio auf den 58-Jährigen.

Nach der Coronet-Insolvenz 2005 habe es in Affolterbach und Wahlen Nachfolgelösungen gegeben. Die in Wald-Michelbach sei leider nicht das Gelbe vom Ei gewesen, so Kunkel. Bereits in den Jahren 2006 bis 2008 war laut Bürgermeister absehbar, „dass ein Leerstand entstehen wird“. Erschwerend kam hinzu, dass in den Betrieb Jahrzehnte lang nur wenig investiert wurde.

In vielen internen Gesprächen und ebenso mit Bankenvertretern erörterte man, „was wir als Gemeinde tun können“. Im ersten Halbjahr 2009 habe man damals den Beschluss gefasst, alles zu übernehmen. „Mit sehr großer Mehrheit“, betonte Kunkel. Falls nicht genug Mieteinnahmen fließen sollten, habe man für die ersten drei Jahre einen Betriebskostenzuschuss von 500.000 Euro bereitgestellt. Geld, das nie in Anspruch genommen werden musste, freute sich der Rathauschef. Das aufgebaute Nahwärmenetz und die Solaranlage auf dem Dach bezeichnete er als Selbstläufer.

Die Entscheidungsträger gingen damals laut dem Bürgermeister „bewusst ein Risiko ein“, um auf diesem zentralen Gelände keine Industriebrache entstehen zu lassen. Denn mit einer solchen hatte man bereits ungute Erfahrung im Gebiet Richtung Aschbach gemacht. Der „anfangs steinigen Weg“ ließ sich nach und nach immer besser beschreiten. Die Gründung einer GmbH habe sich bewährt, um schnell Entscheidungen treffen zu können. „Ansonsten gäbe es die Igena in ihren heutigen Ausmaßen nicht“, betonte Kunkel.

Schon seit den Jahren 2010/11 schrieb der Betrieb seinen Worten zufolge schwarze Zahlen. Im vergangenen Jahr habe man zusätzlich 100.000 Euro Stammkapital eingestellt, „um das Kreuz der Gesellschaft zu stärken“. Kunkel nutzte seine Abschiedsworte, um denen zu danken, „die zu Beginn die Bedeutung erkannten“. Aktive Wirtschaftsförderung einer Gemeinde bedeute auch, Flächen zur Verfügung stellen zu können.

Die heutige Erfolgsgeschichte Igena bedeutete Reinsch zufolge damals „ein unheimlich hohes Risiko für alle Beteiligten“. Aktuell gebe es 34 Mieter mit über 140 Arbeitsplätzen, sagte er. Neben den zwei Millionen Euro für Nahwärme und Solar gab es eine Million Euro an weiteren Investitionen. Dazu kamen noch eine Million für Reparaturarbeiten an Gebäude und Gelände. Außerdem, so der Geschäftsführer, habe die Igena in den acht Jahren ihres Bestehens bereits 400.000 Euro an die Gemeinde abgeführt.

Allerdings bleibt immer noch viel zu tun. „Wir haben noch viele Altlasten“, führte Reinsch aus. Auch in den kommenden Jahren „werden die erwirtschafteten Mittel reinvestiert“. Inzwischen habe man aber eine ordentliche Substanz geschaffen, „mit der sich arbeiten lässt“. Die Igena, lobte der Geschäftsführer, „wird immer mit dem Namen Joachim Kunkel verbunden bleiben“. Beizeiten habe der Bürgermeister die Fäden gesponnen. „In 20 Jahren können Sie noch stolz sein auf dieses Werk“, sagte er. Als Dank gab es einen Wanderrucksack, gefüllt mit einer deftigen Brotzeit und einigen Ausflugstipps.

Reinsch und der kaufmännische Geschäftsführer Werner Lipp führten den Erfolg des Industrieparks nicht nur auf die günstigen Mietkonditionen, sondern auch auf dessen Flexibilität und die speziellen Servicekonditionen für Mieter zurück. Wächst der Betrieb, gebe es immer Reserveflächen für eine meist problemlose Ausweitung. Aber auch eine Verringerung ist möglich. Die variablen Möglichkeiten „haben sich bei Kunden herumgesprochen“. Sie sind laut Reinsch „einzigartig in der Region“.

Eine Besichtigung von drei Betrieben schloss sich an. Die Firma Somaritec hat sich unter anderem auf den Bereich Industrienähtechnik spezialisiert und ist in der Lage, jede Maschine selbst zu konstruieren, zu bauen und zu programmieren. Bei der Water Future Systems handelt es um den neusten Igena-Mieter. Sie beschäftigt sich mit der Extrusion von Kunststoffschläuchen zur Bodenbewässerung. Die Firma Awematic hat inzwischen 27 Mitarbeiter und produziert aufgrund der großen Nachfrage in drei Schichten. Sie fertigt Werkzeuge und Formen für die Gummiindustrie.

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